Zuckerbombe
Diabetes ist ohne Frage eine Volkskrankheit geworden. Erfahrene Experten betreuen Betroffene im Land exzellent. Doch es geht auch um Vorsorge, denn „Zucker“ muss kein Schicksal sein.
Der österreichische Diabetesbericht 2013 legt offen, was Fachleute seit langem prognostizieren: In Österreich gibt es rund 600.000 Betroffene. Niederösterreich weist gemeinsam mit Wien und Burgenland die höchste Anzahl an Diabetes-Fällen auf, und Experten wie der Leiter der Abteilung Innere Medizin am Landesklinikum Horn, Prim. Dr. Ernst Ulsperger, warnen: „Die Prognose ist weiter steigend, und wir verzeichnen auch ein immer früheres Auftreten von Diabetes mellitus Typ 2, was vor allem auf die zunehmende Übergewichtsproblematik bei Jugendlichen zurückzuführen ist.“ Tatsächlich gehört Diabetes mellitus aber schon jetzt zu den häufigsten Beratungsursachen bei über 65-jährigen Patientinnen und Patienten von Hausarztpraxen; bei den chronischen Erkrankungen liegt sie hinsichtlich der Zahl der Patientenkontakte an zweiter Stelle.
Groß ist auch die Zahl derer, die nichts von ihrer Erkrankung wissen, da noch keine gravierenden Spätfolgen spürbar sind. Erste Alarmzeichen sind Konzentrationsstörungen, vermehrter Durst und bleierne Müdigkeit. Wichtige Risikofaktoren sind Übergewicht, hoher Blutdruck, hohe Blutfettwerte und Störungen im Zuckerhaushalt, darüber hinaus ein Alter über 45 Jahre, genetische Ursachen, Diabetes in der Schwangerschaft und Rauchen.
Spätfolge: Nierenschäden
Diabetes mellitus umfasst chronische Stoffwechselerkrankungen, bei denen zu wenig Insulin gebildet wird. Gemeinsames Symptom aller unbehandelten Patienten sind die erhöhten Blutzuckerwerte. Vereinfacht lässt sich sagen, dass ein hoher Blutzucker arteriosklerotische Veränderungen an den kleinen und großen Blutgefäßen verursacht. Deshalb sind Diabetiker für Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Schäden an der Augennetzhaut und Nierenleiden anfälliger.
Stichwort Nierenleiden: „Bei 40 Prozent der Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 kommt es über die Jahrzehnte zu Nierenschädigungen“, sagt Ulsperger. Diese Folgeerkrankung kann allerdings auch Typ-1-Diabetiker treffen. Dass diabetesbedingte Nierenschäden so häufig sind, liegt unter anderem daran, dass diese bereits in einem frühen Stadium des Diabetes auftreten und lange keine Beschwerden machen. Symptome wie Wassereinlagerungen in den Beinen oder nachlassende Leistungsfähigkeit zeigen sich oft erst, wenn die Nieren schon stark geschädigt sind. Wenn Niereninsuffizienz zu spät oder nicht behandelt wird, versagen im schlimmsten Fall die Nieren ihren Dienst.
Fest steht, dass die Zahl der Patienten mit chronischer Nierenschwäche seit Jahren massiv zunimmt, und dass Diabetes die häufigste Ursache für eine Nierenerkrankung ist. „Das Risiko für eine diabetische Nierenerkrankung lässt sich erheblich senken, wenn der Blutzucker optimal eingestellt ist. Besteht bereits eine derartige Erkrankung, so ist es entscheidend, den Blutzucker gut einzustellen und den Blutdruck auf niedrigen Werten zu halten. So lassen sich weitere Schädigungen der Nieren häufig verhindern“, erklärt Experte Ulsperger. „Liegt aber eine chronische Niereninsuffizienz Stadium 5 vor, so ist der Betroffene dialysepflichtig und muss sich regelmäßig einer Blutwäsche unterziehen, um ein drohendes Nierenversagen zu verhindern.“
Was bedeutet Dialyse?
Dialyse bedeutet in der Regel dreimal wöchentlich für vier Stunden zur Dialyse in ein darauf spezialisiertes Krankenhaus, von denen es in Niederösterreich sechs gibt (s. unten): Bei der Hämodialyse wird der Blutkreislauf mit einem Schlauch über das Dialysegerät umgeleitet und dort per Filter gereinigt. Danach wird das Blut wieder in den Körper zurückgeleitet.
Eine andere Form ist die Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse), bei der eine Dialyselösung durch einen implantierten Katheter in die Bauchhöhle fließt. An diesen Katheter werden die Beutel mit der Lösung angeschlossen, und die Dialyse findet statt, während die Flüssigkeit in der Bauchhöhle verweilt. Diese Dialyse kann manuell (zu Hause) oder automatisch (in der Klinik) erfolgen. Bis vor kurzem erhielten nur jene Menschen die Peritonealdialyse zu Hause, die diese selbständig durchführen konnten. Im Universitätsklinikum St. Pölten aber wurde für betagte und gebrechliche Menschen, die durch den regelmäßigen Transport ins Krankenhaus schwer belastet wären, vor einiger Zeit ein mobiles Dialyse-Projekt entwickelt, bei dem spezialisierte Pflegefachkräfte das Gerät für den Patienten zu Hause vorbereiten und kontrollieren. Die assistierte Peritonealdialyse erzielt hervorragende Erfolge bei großer Patientenzufriedenheit, und St. Pölten war diesbezüglich Vorreiter in ganz Österreich.
Im Landesklinikum Horn wiederum gibt es die Möglichkeit zur Feriendialyse für dialysepflichtige Patienten, die im Waldviertel urlauben wollen. „Die Feriendialyse wird bei uns so durchgeführt, wie es der Patient vom ‚Heimklinikum‘ gewohnt ist“, bestätigt Ulsperger. Eine rechtzeitige Anmeldung ist erforderlich.
Lebenswertes Leben
Doch zurück zu den weniger schwer betroffenen Diabetes-Patienten und hin zu der für sie so wichtigen Diabetikerschulung, die am Landesklinikum Horn bereits seit 20 Jahren angeboten wird. „Diese intensiven Schulungskurse für Diabetiker Typ 1 und 2 dienen dem Vermeiden von Spätfolgen. Wer sie absolviert, lernt auch, mit dieser Erkrankung ein lebenswertes Leben zu führen“, weiß der Experte. „Die Teilnehmer lernen die Blutzucker-Selbstkontrolle, sollen regelmäßige Aufzeichnungen über ihre Blutzuckerwerte führen und können alle drei Monate ihr Protokoll mit ihrem behandelnden Arzt besprechen. Wichtig ist auch die standardmäßig von uns angebotene Ernährungsberatung.“
Die täte vermutlich uns allen gut, denn auch die neuesten Ansätze und Erkenntnisse zur Diabetes-Vorsorge drehen sich um ein Thema, das altbekannt ist, betont Ulsperger: „Wir wissen heute, dass gesunde Ernährung und tägliche Bewegung die beste Diabetes-Prävention sind.“
Dialysestationen in NÖ
- Landesklinikum Amstetten
- Landesklinikum Baden
- Landesklinikum Horn
- Landesklinikum Mistelbach
- Universitätsklinikum St. Pölten
- Landesklinikum Wiener Neustadt
Prim. Dr. Ernst Ulsperger, Leiter der Abteilung Innere Medizin am Landesklinikum Horn
Landesklinikum Horn
Spitalgasse 10
3580 Horn
Tel.: 02982/9004-0
www.horn.lknoe.at





