Lebensstil & andere Herzensbrecher
Moderater Sport, Bewegung und ein gesunder Lebensstil sind die verlässlichsten „Medikamente“, um das Herz zu schützen. Ohne Risiken, ohne Nebenwirkungen, ohne Beipacktext.
„Es war der ständige Stress“, sagt Bernhard, „und um ein Haar wäre es schiefgegangen.“ Damals, im März 2014, als er wieder einmal erschöpft, von den Folgen einer Infektion gezeichnet, von der Dienstreise im Ausland heimfahren wollte. „Es war kein gesundes Leben, das ich geführt habe“, 16 bis 18 Stunden Arbeit, unregelmäßiges Essen, wenig Schlaf. Die Virusinfektion hat er ignoriert. „Ich habe ja nichts gespürt, später aber immer wieder bemerkt, wie ich um Luft ringe – jede kleine Anstrengung hat all meine Kräfte verlangt.“
Eine Herzecho- und eine Herzkatheteruntersuchung erbrachte die Diagnose: Verengung der Aortenklappe. Wegen einer Verkalkung konnte Bernhards Herz nur mehr mit großer Anstrengung das Blut pumpen. Medikamente dagegen gibt es nicht. Einziger Ausweg: die erkrankte Aortenklappe durch eine Prothese ersetzen. Der Eingriff wurde am Universitätsklinikum St. Pölten durchgeführt, zwei Tage danach war Bernhard fit und konnte bereits nach einer Woche entlassen werden.
Eingriffe wie diese sind in St. Pölten an der Tagesordnung: Mit etwa 950 Herzoperationen jährlich hat das Universitätsklinikum nach dem AKH Wien die zweitgrößte Herzchirurgie in Österreich. Die häufigsten Eingriffe sind Bypassoperationen oder die Wiederherstellung von Aortenklappen – seit einigen Jahren ist diese Operation auch über die Leiste möglich, Mediziner sprechen von minimal-invasiven Eingriffen („Knopflochchirurgie“).
Der Eingriff wird unter Computerüberwachung über die Gefäße durchgeführt. Hochrisikopatienten brauchen keine Narkose. Der Betroffene erholt sich schneller, hat weniger Schmerzen und muss nur einige Tage im Klinikum bleiben.
Herzerkrankungen vermeidbar
Mit einem gesunden Lebensstil mit Bewegung und ausgewogener Ernährung kann man Eingriffe dieser Art verhindern, sagt Prim. Dr. Harald Mayr, Leiter der 3. Medizinischen Abteilung im Universitätsklinikum St. Pölten: „Rauchen, Bewegungsmangel, Fehlernährung sind vermeidbare Risikofaktoren, die beispielsweise einen Herzinfarkt begünstigen; nicht vermeidbare Faktoren sind Alter und genetische Disposition.“
Liegt das Todesrisiko bei einem unbehandelten Herzinfarkt bei 20 Prozent, sinkt sie in den Händen eines erfahrenen Kardiologen auf zwei Prozent. Etwa 800 akute Herzinfarkte werden pro Jahr an der 3. Medizinischen Abteilung behandelt. Hinzu kommen etwa 800 Herzschrittmacher-Implantationen, weiters Stentversorgung und vieles mehr. Die Kunst der Ärzte, die Entwicklungen der Medizin und eine umfassende Nachbetreuung sichern Betroffenen mit oder nach einer Herzerkrankung bestmögliche Lebensqualität.
„Rehabilitation ist ein enorm wichtiger Faktor“, unterstreicht Experte Mayr. Eine Aussage, die OÄ Dr. Andrea Podolsky, Leiterin des Instituts für Präventiv- und angewandte Sportmedizin im Universitätsklinikum Krems, nur bestätigen kann. Seit 2011 bietet das Institut auch eine ambulante Herz-Reha an, die einzige dieser Art in Niederösterreich (siehe Kasten Seite 44). Alle sechs Wochen beginnt ein Rehab-Turnus mit etwa zehn Teilnehmenden.
Andrea Podolsky erklärt: „Was wir unseren Patienten vermitteln möchten: Was immer auch Ihnen gesundheitlich widerfahren ist, Sie können auch danach ein verändertes, erfülltes, angstfreies Leben führen.“ Ihr Präventionstipp aus der Sicht der Sportmedizin: „Bleiben Sie, Ihrem Herzen zuliebe, aktiv.“
Prim. Dr. Harald Mayr, Leiter der 3. Medizinischen Abteilung im Universitätsklinikum St. Pölten
OÄ Dr. Andrea Podolsky, Leiterin des Instituts für Präventiv-und angewandte Sportmedizin im Universitätsklinikum Krems
Universitätsklinikum St. Pölten
Propst-Führer-Str. 4, 3100 St. Pölten
Tel.: 02742/9004-0
www.stpoelten.lknoe.at
Universitätsklinikum Krems
Mitterweg 10
3500 Krems
Tel.: 02732/9004-0
www.krems.lknoe.at
Ambulante Herz-Rehabilitation
Nach einem akuten Ereignis (Phase 1 der Rehabilitation, z. B. Herzinfarkt, Herzoperation) wird der Betroffene in der Phase 2 sechs Wochen lang viermal wöchentlich im Universitätsklinikum Krems ambulant betreut. Die jeweils zwei- bis dreistündigen Einheiten bestehen aus Kraft- und Ausdauertraining sowie Schulungen in verschiedenen Bereichen wie Ernährung, Psychologie, Lebensstil. Danach (oder nach der Phase 2) hat der Patient die Möglichkeit, eine Phase 3 anzuschließen, in der er sechs bis zwölf Monate lang zweimal pro Woche das Gelernte festigen kann. Das soll dem Betroffenen die Möglichkeit geben, mit der Erkrankung oder nach einem Ereignis ein gesundes, qualitätvolles Leben ohne Ängste zu führen.
Herzversorgung in St. Pölten
Die Abteilung für Herzchirurgie am Universitätsklinikum St. Pölten wurde vor 21 Jahren eröffnet. Damals wurden etwa 350 Patienten jährlich am offenen Herzen chirurgisch versorgt. Heute sind es etwa 950 Eingriffe. Neben der koronaren Bypasschirurgie und der Chirurgie der Aortenklappe werden Operationen an der Mitral- und Trikuspidalklappe, an den Gefäßen sowie angeborene Herzfehler, Herzrhythmusstörungen, oder – in Zukunft spezialisiert – Aortenaneurysmen behandelt.
3. Medizinische Abteilung: 365 Tage im Jahr jeweils 24 Stunden lang ist die 3. Medizinische Abteilung des Universitätsklinikums St. Pölten für akute Notfälle gerüstet. Im Herzkatheterlabor ist mit zwei Angiographie-Tischen werden Koronarangiographien, Eingriffe an den Herzkranzgefäßen (z. B. Stentimplantationen), Implantationen von Aortenklappen, Herzschrittmachern und Defibrillatoren durchgeführt.





