Schlagartig erwischt
In Niederösterreich gibt es eine ausgezeichnete Versorgung für Schlaganfallpatienten. Doch es geht ganz entscheidend auch um Vorbeugung. Dazu kann jeder Einzelne selbst viel tun.
Wie steht es um Ihren Blutdruck, Ihren Zuckerspiegel, Ihre Blutfettwerte? Was tut sich bei Ihnen in Sachen Gewicht, Bewegung, Nikotin? Alles in Ordnung? Dann Gratulation, denn tatsächlich kann ein gesunder Lebensstil das Schlaganfallrisiko senken. Es gibt nur wenige andere Risikofaktoren für diese Erkrankung – etwa die Gene oder das Alter –, die man nicht selbst beeinflussen kann. „Prävention ist eine der wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen den Schlaganfall, und hier ist jeder selbst gefordert, auf sich zu schauen“, sagt die Leiterin der Abteilung für Neurologie in den Landeskliniken Amstetten und Mauer, Prim. a.o. Univ.-Doz. DDr. Susanne Asenbaum-Nan, MBA. Schlaganfall ist hierzulande die dritthäufigste Todesursache, in Niederösterreich werden jährlich etwa 6.000 Patienten wegen dieser Erkrankung behandelt.
Jede Sekunde zählt
Ein Schlaganfall ist die Folge einer plötzlichen Durchblutungsstörung oder Blutung im Gehirn. Im Falle der verminderten Durchblutung erhalten Nervenzellen im Gehirn zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe und gehen zugrunde. Das kann zu einem anhaltenden Ausfall von Funktionen des Zentralnervensystems und zu Symptomen wie Sprachstörungen und Lähmungen führen. Plötzlich ist dabei das entscheidende Schlagwort, denn in der Tat kann alles sehr schnell gehen, und dann zählt jede Sekunde. „Akut auftretende Sprach- und Gefühlsstörungen, Schwäche in Arm oder Bein, Schwindel, das Sehen von Doppelbildern und heftige Kopfschmerzen sind Symptome, die zum sofortigen Handeln führen sollten“, betont Neurologin Asenbaum-Nan.
Spezialeinheiten
Handeln heißt: Sofort die Rettung rufen. In Niederösterreich gibt es ein vorbildliches Stroke-Unit-System, in dessen Rahmen Schlaganfallpatienten in der Regel innerhalb einer Stunde in die nächstgelegene Stroke Unit gebracht und dort bestmöglich versorgt werden können. „Stroke- Units sind von Neurologen geführte Intensiv-Überwachungseinheiten, in denen speziell trainierte interdisziplinäre Teams konsequent die neurologischen Funktionen und Vitalfunktionen überwachen, Komplikationen vermeiden oder frühzeitig erkennen und behandeln können“, erklärt die Expertin. Zahlreiche, auch internationale Studien haben gezeigt, dass Patienten, die an einer solchen Spezialeinheit behandelt werden, ein geringeres Risiko haben, an ihrem Schlaganfall zu sterben, und sie weisen auch deutlich weniger schwere Folgeschäden auf. In Niederösterreich gibt es sechs, strategisch günstig verteilte Stroke-Units, und die dortigen Fachleute sind für den Kampf gegen den Schlaganfall optimal gerüstet.
Speziell geschulte Neurologen
„Das beginnt schon bei der Aufnahme. Unsere Experten können die einzelnen Beschwerden exakt deuten und werten, sie wissen, welche Untersuchungen sofort durchzuführen sind und was in weiterer Folge zu tun ist“, sagt Asenbaum-Nan. Tatsächlich sind die Experten vor Ort auch erfahren in der heute etablierten intravenösen Lysetherapie, die bis zu viereinhalb Stunden nach Symptombeginn bei ischämischem Schlaganfall durchgeführt werden kann und mit der man versucht, den entstandenen Gefäßverschluss durch Medikamentengabe zu öffnen. In den spezialisierten Schlaganfall-Zentren ist es zudem möglich, bei ausgewählten Patienten mit einem Katheter durch die Blutbahn direkt in die betroffenen Hirngefäße vorzudringen und dortige Blutgerinnsel durch intraarterielle Lyse vor Ort gezielt aufzulösen.
Entscheidend: Frührehabilitation
Anschließend ist das wichtigste Stichwort die Früh-rehabilitation, erklärt Asenbaum-Nan: „Wir wissen heute, dass die ersten Wochen die allerwichtigsten sind, um einerseits die verbliebenen Funktionen, andererseits die Neubildung von Nervenzellen zu fördern.“ In den Stroke-Units setzt die Frührehabilitation am Krankenbett des Akutpatienten unmittelbar nach der Erstbehandlung ein. Die im interdisziplinären Behandlungsteam gemeinsam mit den Ärzten tätigen Pflegekräfte, Physio-, Ergo- und Sprachtherapeuten sowie Psychologen arbeiten gemeinsam an den für jeden Patienten individuell festgelegten Rehabilitationszielen, um die körperlichen Funktionen zu verbessern und die Fähigkeit, Aktivitäten des täglichen Lebens durchführen zu können, zu fördern. Speziell geschulte Logopäden kümmern sich auch um das häufig unterschätzte Problem von Schluckstörungen, die im Rahmen eines Schlaganfalls auftreten können und die Gefahr bergen, dass der Patient mit Nahrung und Flüssigkeit unterversorgt wird oder wegen in die Luftröhre gelangter Nahrungsteile eine Lungenentzündung entwickelt. Doch damit all das nicht notwendig wird, sollten wir alle auf unsere Risikofaktoren achten und eventuelle Warnzeichen sehr ernst nehmen: Übrigens geht dem Schlaganfall in 20 Prozent der Fälle eine sogenannte Transitorische Ischämische Attacke (TIA) voraus, die im Prinzip dieselben Beschwerden verursacht wie der Schlaganfall selbst. Einziger Unterschied: Die Symptome bilden sich rasch zurück. „Ignorieren Sie das keinesfalls“, warnt Asenbaum-Nan. „Auch einen solchen Vorfall sollten Sie umgehend ärztlich abklären lassen!“
Prim. a.o. Univ.-Doz. DDr. Susanne Asenbaum-Nan, MBA, Leiterin der Neurologie in den Landeskliniken Amstetten und Mauer
Landesklinikum Mauer
Hausmeninger Straße 221 3362 Mauer
Tel.: 07475/9004-0
www.mauer.lknoe.at
Landesklinikum
Amstetten
Krankenhausstraße 21 3300 Amstetten
Tel.: 07472/9004-0
www.amstetten.lknoe.at
So beugen Sie dem Schlaganfall vor!
- Vermeiden Sie Bluthochdruck: Er gilt als der größte Risikofaktor und ist tückisch, da er oft keine Beschwerden verursacht. Messen Sie daher regelmäßig und lassen Sie erhöhte Werte behandeln. Eine entsprechende Therapie kann das Risiko um etwa 40 Prozent senken.
- Rauchen Sie nicht: Nikotin verengt die Blutgefäße und erhöht den Blutdruck. Wer aufhört zu rauchen, hat nach wenigen Jahren wieder dasselbe Risiko wie Menschen, die noch nie geraucht haben.
- Lassen Sie Ihren Blutzucker gut einstellen: Um was es geht, ist die dauerhafte Normalisierung des Blutzuckerspiegels. Ist dies der Fall,
- so sinkt das Risiko um 50 Prozent.
- Achten Sie auf Ihre Blutfettwerte: Statine (medikamentöse Cholesterinsenker) verringern das Risiko um bis zu 32 Prozent.
- Ernähren Sie sich gesund: Gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse senkt das Risiko bei Männern um 35, bei Frauen um 25 Prozent. Auch eine geringe Kochsalz- und hohe Kaliumzufuhr verringert das Risiko.
- Bewegen Sie sich regelmäßig: Bewegung hat günstigen Einfluss auf Gefäßrisikofaktoren wie Übergewicht und Bluthochdruck.
- Achten Sie auf Ihr Gewicht: Je höher der Body-Mass-Index (BMI), desto höher das Risiko.
Stroke-Units in NÖ
- Landesklinikum Amstetten
- Landesklinikum Horn
- Landesklinikum Mistelbach
- Universitätsklinikum St. Pölten
- Universitätsklinikum Tulln
- Landesklinikum Wiener Neustadt





