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Zeigt her eure Füße!

Sie tragen uns durch das ganze Leben, und dennoch behandeln wir sie stiefmütterlich. Doch die Gesundheit unserer Füße und Beine sollte uns am Herzen liegen. Damit Sie wissen, was Sie dafür tun können, startet die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse (NÖGKK) eine Vortragsreihe zum „Leben auf gesunden Beinen und Füßen“.


Dr. Andreas Veiter, Facharzt für Chirurgie und Oberarzt an der Tages- und Wochenklinik im Landesklinikum Stockerau, informiert in der NÖGKK-Vortragsreihe „Leben mit gesunden Beinen und Füßen“.

„Wer auf großem Fuß lebt, lebt gut“, sagt ein altes Sprichwort. Das dürfte in jeder Hinsicht stimmen. Was die Gesundheit betrifft, gilt als gesichert, dass Füße Platz brauchen und nicht in ihrer natürlichen Form eingeschränkt werden dürfen. Was viele Menschen oft zu wenig beachten, sieht man sich an, in welches Schuhwerk sie ihre Füße quälen. Das bestätigt der Facharzt für Chirurgie Dr. Andreas Veiter, Oberarzt an der Tages- und Wochenklinik im Landesklinikum Stockerau: „Die natürlichste Form des Gehens ist eigentlich das Barfußgehen, denn alles andere, was den Fuß aus seiner ursprünglichen Form bringt, ist häufig mit Schmerzen, offenen Stellen oder Blasen verbunden. Zudem rollt man beim Barfußgehen über den Fußballen ab, und dies setzt weitaus weniger Kräfte frei als das Aufkommen auf der Ferse, wie es über den Schuh stattfindet“, erklärt Veiter, der bei der NÖGKK-Vortragsreihe „Leben auf gesunden Beinen und Füßen“ mehrere Fachvorträge halten wird.   

Vorsicht bei Kinderschuhen!

Wenn schon Schuhe, dann aber richtige, sollte also das Motto lauten. Schon in der Kindheit wird die Grundlage dafür gelegt, ob ein Mensch später auf gesunden Füßen durchs Leben gehen kann oder nicht. Gar nicht so einfach, da die richtigen Schuhe zu finden – denn eine groß angelegte wissenschaftliche Untersuchung zeigte, dass praktisch alle Kinderschuhe eine falsche Größen-Nummerierung aufweisen, was sich natürlich fatal auf Fußwachstum und -formung auswirkt. Der Expertentipp lautet daher: Sich nicht auf diese Angaben verlassen, sondern genau überprüfen, wie groß die Sohle tatsächlich und wie groß der Kinderfuß ist. Und immer ein bisschen Platz fürs Wachstum lassen.

Der richtige Schuh

Bei den Erwachsenen sind vor allem Frauenschuhe oft zu spitz, zu eng oder mit zu hohen Absätzen versehen, weshalb auch viele Menschen unter deformierten Füßen leiden. Gesundes Schuhwerk sollte daher vorne breit genug sein, dass die Zehen nebeneinander liegen können, und auch zur Seite hin und nach oben sollten die Zehen genügend Bewegungsfreiheit haben. Achtet man dazu noch auf eine elastische Sohle, die das Abrollen des Fußes erlaubt, und verzichtet man auf den Absatz, so tut man seiner Fußgesundheit sicher Gutes.
Ein Wort noch zu High Heels: Gegen sie ist laut Expertenmeinung nichts einzuwenden, solange sie nicht das Hauptschuhwerk darstellen. Ab und zu mit Stöckelschuhen ins Theater oder in den Club zu gehen, ist demnach gesundheitlich unbedenklich. Anders liegt der Fall, wenn man damit einen stehenden Beruf bestreitet und/oder acht bis zehn Stunden pro Tag darin herumsteht und geht. Kommt womöglich noch eine entsprechend ungünstige Disposition (Übergewicht, überbewegliche Gelenke, ein schon bestehender Hallux valgus) hinzu, so kann es durch das Tragen von Stöckelschuhen zu ernstzunehmenden Beschwerden kommen.

Pflegen Sie Ihre Füße

Um die Füße wirklich fit zu halten, ist auch regelmäßige Fußpflege angesagt. „Die Hornhaut muss immer sorgfältig in einem warmen Bad aufgeweicht und dann mit Bimsstein abgerieben werden. Kleine Wunden müssen unbedingt sofort versorgt werden, denn schon kleinste Verletzungen, die man nicht beachtet, können mitunter zu schweren Komplikationen führen“, warnt Veiter, der auch darauf aufmerksam macht, dass besonders Diabetiker jedenfalls für regelmäßige professionelle Fußpflege sorgen sollten, denn sie spüren durch ihre Erkrankung Verletzungen nicht und die Fußsohle etwa ist ja schwer einsehbar. Wer ganz sicher sein möchte und nicht mehr beweglich genug ist, nimmt einen Handspiegel mit Stiel, um die Fußsohle zu kontrollieren.

Sensibles Venensystem

Wenn man über gesunde Füße und Beine spricht, darf man die Venengesundheit natürlich auch nicht vergessen. „Venen haben eine zentrale Funktion im Körper: Sie leiten das mit Abfallprodukten aus dem Stoffwechsel angereicherte, sauerstoffarme Blut zurück zum Herzen und dann in die Organe, die das Blut reinigen“, erklärt Experte Veiter. Weiß man das, so kann man sich auch unschwer vorstellen, dass diese Aufgabe „Schwerstarbeit“ für die Venen ist, wenn man viel steht oder sitzt. Kein Wunder also, dass etwa die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung unter Venenbeschwerden leidet, und das sind bei weitem nicht nur ältere Menschen.

Achtung: Krampfadern!

Besonders häufig sind Krampfadern, bei denen allerdings auch erbliche Veranlagung und hormonelle Faktoren eine große Rolle spielen. „Warnzeichen sind schwere, geschwollene Beine insbesondere am Abend, ein Spannungsgefühl und ziehende Schmerzen. Das sollte man keinesfalls ignorieren, denn unbehandelte Krampfadern können zu schweren Komplikationen bis hin zum offenen Bein führen“, so der Facharzt für Chirurgie, der empfiehlt, sich vor allem bei Hautveränderungen und immer wieder auftretenden Entzündungen unbedingt an den Arzt zu wenden.

Die Behandlungsmöglichkeiten umfassen heute eine ganze Reihe von Methoden, die teilweise auch ganz „unblutig“ sind, weiß Chirurg Veiter: „Die Palette reicht vom klassischen ‚Venenziehen‘ über die Verödungstherapie bis hin zum Einsatz von Laser und Radiowellen, bei dem man die Venen sozusagen von innen her ‚verkocht‘. Welche Methode bei wem zum Einsatz kommt, muss der Arzt individuell entscheiden.“

Der beste Weg, Krampfadern vorzubeugen, ist übrigens Bewegung, Bewegung und nochmals Bewegung. Zusätzlich hilfreich – und vor allem für all jene zu empfehlen, die von Berufs wegen viel stehen oder sitzen müssen – ist auch das Tragen von speziellen Kompressionsstrümpfen.

Ungesunder Schaufensterbummel

Nächstes Stichwort: Schaufensterkrankheit. Sie trägt ihren Namen, weil Betroffene wegen immer wiederkehrender Beinschmerzen – wie beim Schaufensterbummel – häufig stehen bleiben müssen. Mediziner sprechen dabei von der Peripheren Arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK), die durch Durchblutungsstörungen der Beine hervorgerufen wird. „Rauchen, erhöhte Blutfettwerte, hoher Blutdruck und die Zuckerkrankheit sind wichtige Risikofaktoren für diese ernstzunehmende Erkrankung, die in vier Stadien verläuft, nach denen sich auch die Therapie richtet“, erklärt der Chirurg Veiter. Das Gehtraining ist eine wichtige erste Stufe der Behandlung: So sollen die noch vorhandenen Gefäße trainiert werden, die Funktion der bereits verschlossenen Gefäße zu übernehmen, damit die bewältigbare Gehstrecke verlängert werden kann. Mitunter kommen auch Medikamente zum Einsatz, die in erster Linie das Fortschreiten der Erkrankung verhindern oder verzögern helfen. Chirurgisch kann man die verschlossenen Gefäße mittels Angio­plastie auch aufdehnen oder einen Bypass setzen, mit dem die Engstellen umgangen werden können.

Damit es gar nicht erst zu schwerwiegenden Venenleiden kommt, können Sie allerdings vorbeugen und für eine gefäßgesunde Lebensweise sorgen. Das heißt vor allem jene Risikofaktoren, die man selbst beeinflussen kann, ausschalten und vernünftig und gesund leben: Pflegen Sie also Ihre Füße, achten Sie auf gesundes Schuhwerk und gehen Sie so oft wie möglich barfuß. Gönnen Sie auch Ihren Venen immer wieder Pausen, indem Sie die Beine nach langem Sitzen oder Stehen hochlagern, sorgen Sie für regelmäßige Kaltduschen, achten Sie auf eine gesunde, ballaststoffreiche, leichte Ernährung und: Bringen Sie Ihre Füße und Beine auf Trab, indem Sie vor allem für regel­mäßige Bewegung sorgen.

So halten Sie Ihre Füße und Beine fit und gesund

Tipps für den Alltag von OA Dr. Wolfgang Müller, Ärztlicher Beirat der Initiative Venengesundheit

  • Hoch das Bein: Gönnen Sie Ihren Venen eine Pause und legen Sie Ihre Beine nach langem Stehen oder Sitzen hoch. Der Vorteil: Das Blut fließt zum Herzen, Stauungen gehen zurück.
  • Wasser marsch: Duschen Sie Ihre Waden regelmäßig morgens und abends in kreisenden Bewegungen mit kaltem Wasser ab. Das lindert die Schmerzen und hilft, Schwellungen zu beseitigen.
  • Leicht und ausgewogen: Ernähren Sie sich gesund und achten Sie auf ballaststoffreiche, leichte Kost. Das verhindert Verdauungsprobleme und zusätzliche Belastungen Ihrer Venen.
  • Jeder Schritt macht fit: Nutzen Sie das Treppensteigen in Wohnhäusern, Einkaufszentren oder Bürogebäuden als Venengymnastik. Benutzen Sie keinen Aufzug – Ihre Beine werden es Ihnen danken.
  • Schatten statt Sonne: Verzichten Sie auf pralle Sonne und legen Sie sich lieber in den Schatten – Ihrer Haut und Ihren Venen zuliebe. Zu viel Wärme begünstigt Schwellungen und Schmerzen in den Beinen.
  • Bewegung erleben: Bringen Sie Ihre Venen auf Trab und treiben Sie regelmäßig Sport. Wählen Sie dabei eine Sportart, die Ihr Venensystem nicht belastet. Positiv wirken sich vor allem regelmäßige Bewegungen wie Schwimmen, Wandern und Laufen sowie Tanzen und Radfahren aus. Nicht zu empfehlen sind dagegen Sportarten mit abrupten Bewegungsabläufen wie Tennis, Squash, Kampf- bzw. Kraftsport oder Snowboarden.
  • Verwöhnen Sie Ihre Beine: Die Haut ist sehr anspruchsvoll und benötigt viel Feuchtigkeit. Unser Tipp: Tragen Sie abends nach dem Ablegen der Kompressionsstrümpfe eine feuchtigkeitsspendende Pflegecreme auf Ihre Beine auf und massieren Sie diese mit kreisenden Bewegungen ein. So wird die Haut über Nacht beruhigt und kann regenerieren.

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