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Sensible Blase

Blasenentzündungen gehören zu den häufigsten Infektionskrankheiten – vor allem bei Frauen. GESUND+LEBEN sagt Ihnen, wie Sie diese lästige Geschichte in den Griff bekommen und lässt Omas Vorsorgetipps vom Experten prüfen.


„Der Harnwegsinfekt kommt nicht ‚von außen‘, sondern ist immer eine Selbstinfektion, also eine Infektion mit eigenen Bakterien“, Univ.-Doz. Dr. Karl Höbarth, Urologe im Landes­klinikum Waidhofen/Ybbs.

Ständig muss man zur Toilette, beim Wasserlassen geht nicht viel und es brennt höllisch: Harnwegsinfekt! Tatsächlich gehören Blasenentzündungen zu den häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt, und dabei entzündet sich jenes Gewebe, das die ableitenden Harnwege auskleidet. Der bei weitem häufigste Auslöser sind Bakterien, und: „Der Harnwegsinfekt kommt nicht ‚von außen‘, sondern ist immer eine Selbstinfektion, also eine Infektion mit eigenen Bakterien“, stellt Univ.-Doz. Dr. Karl Höbarth, Urologe im Landesklinikum Waidhofen/Ybbs, klar. „Diese Bakterien werden meist vom Darmausgang – wo sie natürlicherweise vorkommen – in die an sich keimfreien Harnwege verschleppt. Dort breiten sie sich aus und es kommt zu einer Entzündung, die letztlich die Symptome des häufigen Harndrangs und der Schmerzen beim Wasserlassen nach sich zieht.“

Frauen besonders betroffen

Von der lästigen, aber an sich relativ harmlosen Blasenentzündung sind vor allem Frauen betroffen, und dies in erster Linie aus anatomischen Gründen. Denn zum einen mündet die weibliche Harnröhre, verglichen mit der des Mannes, recht nah am Anus. Bakterien aus dieser Region gelangen daher rascher in die Harnwege. Zum anderen ist die weibliche Harnröhre relativ kurz. Dies erleichtert den Keimen den Aufstieg in die Harnblase, wo sie sich sehr gut vermehren können. Und: Es gibt eine Reihe von Faktoren, die die Schutzfunktion der Scheide herabsetzen können.
Dazu zählt zum Beispiel übertriebene Intim­hygiene (vor allem mit stark parfümierten Substanzen), durch die die natürliche Bakterienflora im Genitalbereich ungünstig verändert wird. Aber auch falsche Hygiene kann für Infekte verantwortlich sein: Frauen und Mädchen sollten sich immer von der Scheide in Richtung After abtrocknen – und nie in Gegenrichtung.
Was noch eine Rolle spielt, ist der Hormonhaushalt der Frau, der Einfluss auf das Scheidenmilieu nimmt: „Hormonelle Veränderungen sind ein wichtiger Grund, warum viele Frauen während und nach den Wechseljahren verstärkt mit Harnwegsinfekten zu tun haben“, weiß Urologe Höbarth, der auch darauf hinweist, dass ein weiterer „Gipfel“ für Harnwegsinfekte bei Frauen jene Lebensphase ist, in der sie sexuell besonders aktiv werden. Bei der sogenannten „Honeymoon-Zystitis“ vermutet man, dass die mechanische Reizung der Schleimhäute im Genitalbereich Bakterien den Weg in den Harntrakt erleichtert.

Männer ab 60

Bei Männern ist der Harnwegsinfekt vor dem 60. Lebensjahr selten, aber danach steigt die Wahrscheinlichkeit, erklärt Höbarth: „Viele Männer haben in diesem Alter eine gutartige Prostatavergrößerung. Die Blase kann dadurch schlechter entleert werden, und der dort verbleibende Restharn begünstigt die Entstehung einer Entzündung.“ So weit, so schlecht, doch andererseits lässt sich der „einfach“ genannte Harnwegsinfekt auch relativ einfach behandeln, und das mitunter in Eigenregie: „Mit reichlicher Flüssigkeit kann man diesen Harnwegsinfekt ‚vertrinken‘, indem man sozusagen den Harn verdünnt“, erklärt der Experte. „Gut geeignet dazu sind neben Wasser auch Tees, die nicht aggressiv sind: also kein russischer Tee, sondern eher Früchte- und Kräutertee. Kohlensäurehältige Getränke und Nahrungsmittel, die sehr sauer oder scharf sind, sollte man meiden.“

Wann Antibiotika nötig sind

Führt die Selbstbehandlung nicht zum Erfolg, so ist der Gang zum Arzt angesagt. Er wird den unkomplizierten Harnwegsinfekt kurzfristig mit Antibiotika behandeln. Studien zeigen übrigens, dass in diesen Fällen schon eine einmalige Dosis ausreichen kann, um die Krankheitserreger zuverlässig abzutöten. Wann das der Fall ist, entscheidet der Arzt. Sehr wichtig zu wissen ist auch, dass Fieber, Schüttelfrost und Nierenschmerzen als Begleitsymptome eines Harnwegsinfekts unbedingt einer ärztlichen Abklärung und Therapie bedürfen, denn dahinter verbirgt sich oft ein nicht mehr banaler „aufsteigender Harnwegs­infekt“. Aber auch komplizierte Harnwegsinfekte mit Beteiligung der Nieren führen bei fachgerechter Therapie nicht zu bleibenden Schäden.

Wie Sie vorbeugen

Stellt sich noch die Frage, wie man der lästigen Geschichte vorbeugen kann. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Empfehlungen. Ausreichend trinken ist dabei die oberste Prämisse: Wasser und normale ungesüßte Tees sind die richtige Wahl. Manchmal werden auch spezielle Blasen- und Nierentees sowie Bärentraubenblättertee empfohlen, und da Säure nicht das Milieu ist, in dem Bakterien wachsen und gedeihen können, kann man auch vorbeugen, indem man den Harn ansäuert – zum Beispiel mit Preiselbeeren, die Chinin- und Hippursäure enthalten und den pH-Wert des Urins für die Bakterien unangenehm absenken, also sauer machen.
Und für all jene, die wirklich sehr häufig, also in Monats- oder gar Wochenabständen unter Harnwegsinfekten leiden, steht auch eine vorbeugende Schluckimpfung zur Steigerung der Immun­abwehr  zur Verfügung.

5 Tipps – Omas Vorsorgetipps im Experten-Check

Univ.-Doz. Dr. Karl Höbarth über nasse Bade­anzüge, bauchfreie Tops und Co.

Viel trinken und oft zur Toilette gehen
Höbarth: Ausreichend zu trinken ist immer eine wichtige Empfehlung, aber man braucht dabei nicht zu übertreiben. Eineinhalb Liter Flüssigkeit pro Tag genügen in der Regel, und was den Toilettengang betrifft: Eine gesunde Blase entleert sich ohnedies in regelmäßigen Abständen.

Keine Miniröcke und bauchfreien Tops tragen
Höbarth: Miniröcke und die nabelfreie Mode stellen tatsächlich ein gewisses Problem dar, das nicht von der Hand zu weisen ist: Trägerinnen dieser Mode reagieren vor allem in der kalten Jahreszeit nicht selten mit Harnwegsinfekten.

Sich immer warm halten und vor allem für warme Füße sorgen
Höbarth: Eine Blasenentzündung wird zwar nicht durch Kälte hervorgerufen, Unterkühlung kann aber eine Zystitis begünstigen. Und: Tatsächlich gibt es bei besonders empfindlichen Menschen mitunter das Phänomen der sogenannten Kaltfußzystitis, bei der schon kalte Füße einen Risikofaktor darstellen.

Keinesfalls Motorrad fahren
Höbarth: Natürlich ist auch Wind ein Faktor, den man meiden sollte, aber wenn man einen Nierengurt trägt, ist Motorradfahren unbedenklich.

Nach dem Schwimmen immer gleich den Badeanzug wechseln
Höbarth: Für Nässe gilt dasselbe wie für Kälte. Prinzipiell ist es von Vorteil, diese zu meiden.