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Wenn die Seele Hilfe braucht

Seit elf Jahren bekommt man bei der NÖGKK Psychotherapie „auf Krankenschein“. Die Clearingstelle Psychotherapie hilft dabei, den richtigen Therapeuten zu finden. Für Kinder und Jugendliche ist die Versorgung unlimitiert.


Feierten elf Jahre Psychotherapie auf Krankenschein und ein Jahr Clearingstelle: (v.l.) Michael Pap (Obm.-Stv. NÖGKK), Mag. Sandra Waigmann-Pölzl (Zentrum für Psychotherapie und Achtsamkeit in Baden), Landesrat Ing. Maurice Androsch, Generaldirektor Mag. Jan Pazourek, Dir.-Stv. Dr. Martina Amler (beide NÖGKK), Dr. Christian Korbel (NÖ Gesellschaft für Psychotherapeutische Versorgung)

Wird der Körper krank, gehen wir zum Arzt. Doch auch wenn die Psyche krank wird, braucht man Hilfe und Unterstützung. Einen zunehmend wichtiger werdenden Beitrag leistet die Psychotherapie, die bei vielen psychischen Erkrankungen genauso wichtig ist wie die medikamentöse Versorgung bzw. auch Therapie erster Wahl ist.
Mit der 50. ASVG-Novelle wurde ab 1. Jänner 1992 Psychotherapie durch Personen, die in die Psychotherapeutenliste des Bundes eingetragen sind, leistungsrechtlich der ärztlichen Hilfe gleichgestellt – haben also die Sozialversicherungsträger die Pflicht, wie die ärztliche auch die psychotherapeutische Versorgung zu finanzieren. In jedem Bundesland fanden die Krankenkassen eigene Lösungen.

Keine Kontigentierung mehr

In Niederösterreich gibt es nun seit elf Jahren Psychotherapie für die Versicherten und ihre Angehörigen auf Kassekosten. Mit vielfältigem und ständig steigendem Angebot, freut sich Dr. Martina Amler, stellvertretende Direktorin der NÖGKK und unter anderem für den Bereich
Psychotherapie zuständig. Der Themenbereich liegt ihr sehr am Herzen, besonders die Versorgung von Kindern und Jugendlichen, für die es ab heuer keine Kontingentierung der Therapien gibt – ein Meilenstein: „Kinder und Jugendliche, bei denen es so wichtig ist, dass die Therapie möglichst frühzeitig einsetzt, müssen auf ihre Therapie nicht warten. Denn es gibt Entwicklungsfenster, in denen eine Therapie am besten wirkt. Wenn man sie verpasst, wird es wesentlich aufwändiger, Kindern und Jugendlichen zu helfen.“

95.000 Therapiestunden

95.000 Therapiestunden finanzierte die NÖGKK im Vorjahr vollständig, sie kosteten insgesamt 5,7 Millionen Euro, berichtet Mag. Daniela
Ludwan, Juristin im Ärztereferat-Innenrevision-Controlling der NÖGKK und unter anderem für den Bereich Psychotherapie zuständig. „Vor dem Jahr 2003 konnte man – was heute noch immer möglich ist – nur die bezahlten Therapiestunden bei der Krankenkassa einreichen und bekam einen Anteil zurück. Doch den Löwenanteil musste man selber tragen.“
2013 zahlte die NÖGKK zusätzlich zu den komplett finanzierten Therapiestunden weitere 1,9 Millionen Euro an Zuschüssen für Psychotherapien aus – das sind bei 21,80 Euro Zuschuss etwa 88.000 unterstützte Therapiestunden.
Insgesamt profitierten 2013 ca. 7.500 Patienteninnen und Patienten von der Psychotherapie auf e-Card. 218 Therapeutinnen und Therapeuten stehen dafür unter Vertrag.

Therapie auf e-Card

Seit elf Jahren nun gibt es diese Kassa-Therapieplätze, am 1. Juli 2003 startete die landesweite Versorgung mit psychotherapeutischer Behandlung durch Verträge mit Therapeutinnen und Therapeuten. Seither sind die Zahlen deutlich gestiegen.  Vertragsvereine sind der „Verein für ambulante Psychotherapie“ und die „Niederösterreichische Gesellschaft für Psychotherapeutische Versorgung“ sowie einige spezialisierte Vereine und Institute. Und seit einem Jahr gibt es die Clearingstelle für Psychotherapie, bei der die Fäden für eine zielsichere und rasche Vergabe von Therapieplätzen zusammenlaufen (siehe
Kasten).

Anrufen & Hilfe für alle

Die Clearingstelle soll auch den Zugang zur psychotherapeutischen Versorgung vereinfachen. Sie soll die psychotherapeutische Behandlung für psychisch kranke Menschen zielsicher und mit geringstmöglichen Wartezeiten ermöglichen. Und sie informiert über die Regelungen aller Krankenkassen. Vor allem aber dient sie sowohl Patienten und ihren Angehörigen als auch den Experten im Gesundheitswesen als Anlaufstelle.

Ein Folder informiert über die Aufgaben und Angebote der Clearingstelle für Psychotherapie. Download unter www.noegkk.at

Die Clearingstelle 

Einfach anrufen und Hilfe bekommen. Seit 1. Jänner 2013 gibt es in Niederösterreich eine Clearingstelle für Psychotherapie. Ziel ist es, den Zugang zur Psychotherapie besser zu steuern und damit mehr Versicherte, insbesondere auf Kassenkosten, zu betreuen. Dadurch sollen die Gruppentherapien forciert und Wartezeiten reduziert werden. Die Clearingstelle wird von ausgebildeten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten geführt.

Die Clearingstelle ist:

  • Serviceeinrichtung für Patientinnen und Patienten, um Indikationen zur Psychotherapie festzustellen und die Behandlung auf kürzestem Weg zu vermitteln
  • kompetente Informationsstelle zu Psychotherapie
  • Anlaufstelle für Expertinnen und Experten im Gesundheitsbereich, um deren Patienten rasch und unbürokratisch zur psychotherapeutischen Behandlung zu vermitteln
  • Vernetzungsstelle der Angebote, wodurch die Gesamtqualität der psychotherapeutischen Versorgung verbessert wird

Angebote:

  • Informationen zu psychotherapeutischen Angeboten in NÖ
  • Informationen zu den Regelungen in den einzelnen Krankenkassen hinsichtlich Selbstbehalten
  • Informationen über Schwerpunkte im Behandlungsangebot wie Kinder-, Jugend- und Gerontopsychotherapie
  • Information und Vermittlung von Gruppentherapie

Informationen: Tel.: 0800 202 434, clearing(at)psychotherapieinfo.at, www.psychotherapieinfo.at