Wenn der Puls hämmert
GESUND+LEBEN-Redakteurin Ingrid Vogl über ihre erste Cardio-Tennis-Einheit, die ordentlich an die Substanz ging, aber auch mächtig Spaß machte.
Tennis spielen – das war für viele Jahre meine große Leidenschaft. Mittlerweile ist zwar der Ehrgeiz verschwunden, mich unbedingt mit anderen bei Turnieren oder Meisterschaften messen zu müssen, aber trotzdem ist und bleibt es jene Sportart, bei der ich mich am ehesten zu Hause fühle. Cardio-Tennis sollte also quasi so etwas wie ein Heimspiel werden. Hab ich mir zumindest gedacht. Wenn dir von Kindesbeinen an eingebläut wird, dass es auf einem Tennisplatz ruhig zu sein hat, weil Tennis ja schließlich ein Konzentrationsspiel ist, dann ist Cardio-Tennis schon ein ziemliches Kontrastprogramm. Von Stille ist da nämlich keine Spur. Sich auf einem Tennisplatz zu lauter Musik zu bewegen, ist für mich also absolutes Neuland; aber eine ziemlich reizvolle Erfahrung, das muss ich zugeben. Weit gewöhnungsbedürftiger ist da schon die zweite Neuheit: Tennis spielen mit Pulsuhr und umgeschnalltem Brustgurt, womit schonungslos aufgedeckt wird, wie gut oder schlecht meine konditionelle Verfassung ist. Auweia, da kann ich meine Faulheit der letzten Monate vermutlich nur schwer kaschieren. Aber mal sehen, vielleicht wird’s ja halb so wild. Das war der nächste Irrtum.
Ein anstrengendes Vergnügen
Los geht’s mit dem Aufwärmen. Bei den unterschiedlichen Lauf- und Sprungübungen schnellt mein Puls gleich ziemlich in die Höhe. Naja, es ist zehn Uhr und ich bin alles andere als ein Morgenmensch, lege ich mir gleich eine erste Ausrede zurecht. An den hohen Pulswerten ändert sich aber auch bei der Ausdauereinheit nichts, bei der wir zusätzlich zu den Laufübungen schon erste Bälle schlagen. Im Gegenteil. Meine Werte sind die höchsten der gesamten Gruppe. Na, das kann ja heiter werden. Bin ich wirklich so schlecht beisammen oder stimmt mein Eindruck, dass ich die Einzige bin, die wirklich bei allen Stationen Gas gibt? Egal. Schließlich hab ich mir sowieso vorgenommen, mich wieder einmal auszupowern und meine körperlichen Grenzen auszuloten.
Das mache ich auch bei den Intervall-Einheiten, die mich an mein Tennistraining in alten Zeiten erinnern. Endlich wieder einmal Drill-Training, endlich Spielsituationen, die aus einem wirklichen Match stammen könnten. Da blühe ich förmlich auf und sprinte um jeden Ball, als ginge es um mein Leben – mindestens jedoch um meinen Stolz als Tennisspielerin. Dass das, was ich da gerade tue, nicht unbedingt der Sinn von Cardio-Tennis ist, ist mir zwar schon bewusst, aber es macht einfach viel zu viel Spaß, um jetzt einen Gang zurückzuschalten, nur um in den optimalen Pulsbereich zu kommen. Auch wenn die Beine schön langsam machen, was sie wollen, und ich nicht mehr wirklich leichtfüßig über den Platz schwebe, kommt mir die Anstrengung gar nicht mehr so groß vor, denn diese Art von Belastung bin ich seit ewig gewohnt. Trotzdem zeigt meine Pulsuhr weiterhin Werte um die 180 an. Der einzige Unterschied: Ich bin damit nicht mehr alleine, denn meine Kollegen haben mich mit den Pulswerten eingeholt und teilweise sogar übertrumpft. Ich dürfte ja doch nicht schlechter trainiert sein als die restliche Gruppe – eben nur anders, stelle ich zu meiner Erleichterung fest. Dass ich nicht gerade die Parade-Ausdauersportlerin bin, ist ja prinzipiell nichts Neues.
Nach 75 Minuten, in denen absolut keine Zeit für Langeweile war, bin ich zwar ziemlich fertig, habe geschwitzt wie nie zuvor auf einem Tennisplatz, aber ich bin schwer begeistert. Cardio-Tennis – ja, das sollte sich auch in Österreich durchsetzen. Und eines ist mir auch noch klar geworden: Hätte es Cardio-Tennis zu meiner aktiven Zeit schon gegeben, dann hätte wohl sogar ich Lust auf Konditionstraining gehabt …
Fotos: Wolfgang Danzer





