Was Gelenke brauchen
Schmerzen in den Gelenken machen Bewegung nicht gerade leichter – aber nur Bewegung hilft, die Gelenke langfristig vor Schmerzen durch Abnützung zu bewahren.

Mit gezielter Physiotherapie kann man lernen, Gelenke richtig zu bewegen und die schützenden und stützenden Muskeln aufzubauen. FOTO: Gesundheitsresort Königsberg
Dr. Sabine Stangl, Ärztliche Leiterin des Bereichs Stütz- und Bewegungsapparat im Gesundheitsresort Königsberg
Früher oder später nützen sich unsere Gelenke ab, Arthrose nennt man das. Es ist eine der Krankheiten der zweiten Lebenshälfte, sagt Dr. Sabine Stangl, Ärztliche Leiterin des Bereichs Stütz- und Bewegungsapparat im Gesundheitsresort Königsberg. Die Kur- und Ernährungsmedizinerin beschäftigt sich in ihrem beruflichen Alltag intensiv mit Menschen mit Arthrose. Ab 50, sagt sie, kommt es bei vielen Menschen irgendwann zu Arthrose. In manchen Familien trete die Erkrankung der Gelenke auch früher auf – meist sei das dann genetisch bedingt. Bei den meisten sei es aber schlicht und einfach die Abnützung der Gelenksknorpel, die früher oder später spürbar wird.
Stadien der Abnützung
Besonders häufig finde man Arthrose in der Folge von Traumata durch Unfälle: „Der Klassiker sind Fußballer, die sich die Bänder im Knie ruiniert haben – sie leiden dann auch bald unter einer Arthrose im Kniegelenk.“ Auch durch Fehlhaltungen kann ein Gelenk falsch beansprucht und damit schneller abgenützt werden. Deshalb ist es wichtig, etwa Fehlhaltungen der Wirbelsäule früh zu diagnostizieren und mit entsprechendem Muskeltraining gegenzusteuern.
Stangl erklärt die unterschiedlichen Stadien von Arthrose. Es beginne mit bewegungsabhängigen Schmerzen: „Wenn man zum Beispiel die Knie einmal besonders belastet, dann tun sie weh. Das kann bereits der Anfang einer Arthrose sein.“
Der Klassiker einer sich bemerkbar machenden Arthrose sind die Anlaufbeschwerden nach langem Sitzen: Wenn man aufsteht und die ersten Schritte weh tun, man sich steif fühlt, deutet das auf eine Abnützung im Gelenk hin. „Morgensteifigkeit“ sei so ein typisches Symptom, weiß Stangl. Sie äußert sich zum Beispiel auch darin, dass man in der Früh die Finger nicht zur Faust ballen kann. „Das löst sich dann im Laufe des Tages.“
Bei einer fortgeschrittenen Arthrose hat man auch im Ruhezustand Schmerzen, zum Beispiel spürt man sie meist relativ bald nachts, wenn man sich umdreht.
Risikofaktor Übergewicht
Begünstigt werden die Gelenksabnützungen vor allem durch Übergewicht, weiß Stangl, und verschärft durch Bewegungsmangel. „Übergewicht sollte man schleunigst loswerden, um die Gelenke möglichst zu schonen.“ Und es sei extrem wichtig, sich täglich und ausreichend zu bewegen. Stangl betont, dass dafür wirklich jedes bisschen Bewegung zählt: „Studien zeigen uns, wie viel Bewegung man allein damit im Alltag macht, wenn man jede Treppe nimmt oder möglichst viele Alltagswege zu Fuß statt mit dem Auto oder dem öffentlichen Verkehrsmittel erledigt.“
Diagnose & Behandlung
Was ist zu tun, wenn man an den genannten Symptomen leidet? Wie immer führt der erste Weg zum Hausarzt, erklärt Stangl. Der klärt die Risikofaktoren ab und erhebt den genauen Status der Abnützung. Er unterstützt Patientinnen und Patienten auch bei einer Lebensstiländerung, etwa durch den Verweis auf das Programm »VorsorgeAktiv« der Initiative »Tut gut!« (siehe Kasten Seite 24). Für die exakte Diagnose kann ein Röntgen nötig sein. Und zur Behandlung gibt es ein breites Spektrum an physikalischen Therapien, wie Stangl sie auch im Gesundheitsresort Königsberg einsetzt: Elekrotherapien, Ultraschall, Packungen und vor allem gezielte Physiotherapie. Denn das wichtigste Rezept der Expertin lautet: Trotz der Schmerzen muss man einfach Bewegung machen, und zwar die richtige – um die Muskulatur so zu stärken, damit sie das betroffene Gelenk entlastet: „In einer Physiotherapie lernt man, unter Anleitung die Muskeln entsprechend zu kräftigen. Je kräftiger zum Beispiel der Quadrizeps ist, der Oberschenkelmuskel, desto besser kann er das Arthrose-geschädigte Knie entlasten.“ Und bei starken Schmerzen helfen medikamentöse Behandlungen. Der Orthopäde kann beispielsweise am Knie mittels Injektionen den Knorpel-Aufbau unterstützen. Und wenn die Schmerzen sonst nicht mehr zu bewältigen sind, braucht man einen Gelenksersatz, eine neue Hüfte oder ein künstliches Kniegelenk. „Das ist nur eine Lösung, wenn sonst nichts mehr hilft. Denn natürlich ist jede Operation und jeder implantierte Fremdkörper ein Risiko. Deshalb tun wir alles, um derartige Eingriffe möglichst hinauszuzögern“, betont Sabine Stangl.
Walken & schwimmen
Und was kann man in Sachen Bewegung tun, wenn man bereits an Arthrose leidet? „Laufen ist dann vielleicht nicht mehr so gut“, meint Stangl. „Aber Walken tut gut, und beim Ergometertraining oder beim Radfahren kann man die Knie entlasten. Schwimmen ist überhaupt wunderbar, weil das Wasser die Gelenke entlastet. Und schauen Sie einfach, dass Sie sich im Alltag genug bewegen. Starke Muskeln und das richtige Körpergewicht sind eine gute Prävention vor verfrühter Abnützung und den gefürchteten Schmerzen!“
VorsorgeAktiv
Ein nachweislich wirksames Programm zur Lebensstil-Änderung ist »VorsorgeAktiv« der Initiative »Tut gut!«: Über ein halbes Jahr begleiten Experten aus den Bereichen Bewegung, Ernährung und mentale Gesundheit eine Gruppe in Ihrer Gemeinde dabei, sich einen gesünderen Lebensstil anzugewöhnen.
Informationen: »tut gut«-Hotline: 02742/22655, www.noetutgut.at
Arthrose – das können Sie tun
Vorbeugen:
- Übergewicht abbauen
- Muskeln stärken
Behandeln:
- Untersuchung beim Hausarzt
- Lebensstil-Änderung
- sanfte Bewegungsprogramme




