Wandern – das perfekte Familien-Erlebnis
Wandern eignet sich für Familien mit Kindern aller Altersstufen.

Erika Loichtl Ist diplomierte Wellness- und Fitnesstrainerin, Motogeragogin, Nordic-Walking-Trainerin
Erika Loichtl kennt die 45 »tut gut«-Wanderwege wie ihre Westentasche, denn die Wanderwege-Projektleiterin hat sie gemeinsam mit den Gemeinden entwickelt. Im Gespräch mit GESUND&LEBEN gibt sie Tipps für gelungene Familien-Wanderungen.
Die mittlerweile 45 Wanderwege der Initiative »Tut gut!« sollen Menschen aller Trainingsstufen zum Wandern animieren. Warum sind sie speziell für Familien geeignet?
Wandern eignet sich für Familien mit Kindern aller Altersstufen. Die 45 Wanderwege bieten jeweils bis zu vier unterschiedliche Routen mit verschiedenen Längen und Herausforderungen. Bei der Entwicklung der Wege haben wir darauf geachtet, dass es fast überall eine kinderwagentaugliche Route gibt. Auf den »tut gut«-Karten gibt es Pictogramme – da ist auch ausgewiesen, ob sie für Kinderwägen geeignet sind. Mit einem geländegängigen Wagen mit Luftreifen kommt man dort überall durch, das hab ich größtenteils selbst ausprobiert.
Ist es nicht ganz schön anstrengend, den Wagen über Waldwege und Wurzeln zu schieben?
Bei den meisten Wegen ist es kein Problem. Und wenn das Baby über acht Monate ist und schon sitzen kann, ist es ein tolles Training für den Papa, das Kleine in der Rückentrage mitzunehmen. Die Kinder lieben es, schauen neugierig herum – und schlafen meist bald ein bei dem gemütlichen Geschaukel. Eine Rückentrage ist oft praktischer als das Wagerl.
Wie ist es mit den etwas größeren Kindern, die schon selber gehen können?
Viele der »tut gut«-Wanderwege bieten tolle Attraktionen, die Kinder sehr anziehend finden. So gibt es zum Beispiel bei vielen Wegen Spielplätze. Kirchberg hat einen Sagen-Wanderweg, den die Kinder der Volks- und der Hauptschule mitgestaltet haben. In Schrems ist der Weg mit dem Unterwasser-Reich verbunden und bietet wunderschöne Einblicke in das Hochmoor und mit der Himmelstreppe eine attraktiven Ausblick über das ganze Waldvierte. Hochbärneck/St. Anton hat einen riesigen Spielplatz, eine Aussichtswarte und einen Kräutergarten. Bei der Route 1 in Lackenhof gibt es den Lacki-
Barfußweg und vieles mehr.
Wie wandert es sich gut mit größeren Kindern?
Ich bin in einer Wandergruppe, für die sich mehrere Familien mit Kindern zwischen fünf und zwölf Jahren zusammengefunden haben – da sind auch die Fotos auf diesen Seiten entstanden. Für die Kinder ist eine gemeinsame Wanderung super. Denn die Größeren motivieren die Kleineren und alle kommen auf ihre Rechnung. Allerdings sollte man bei der Routenplanung mitdenken, dass die Kids so viel nebenbei zu sehen und zu erleben haben; deshalb sollte man eher kürzere Strecken wählen, um sie nicht zu überfordern. Bei unserer letzten Wanderung haben wir zehn Feuersalamander gesehen, und natürlich mussten wir jeden ausgiebig beobachten. Und die Kids haben Fußball bergauf gespielt – da kommt man natürlich nicht allzu weit, von der Streckenlänge her gesehen.
Aber darum geht es ja eigentlich nicht, oder? Worauf muss man denn mit Kindern noch achten?
Nein, darum geht es wirklich nicht, sondern um das gemeinsame Erleben. Wichtig ist, die Route immer gut zu planen und die Wettervorhersagen genau zu studieren. Oft ist das Ziel nicht das Wichtigste. Rechnen sollte man, dass man zwei- bis dreimal so lang braucht mit Kindern. Wichtig ist auch, oft Pausen zu machen und darauf zu schauen, dass die Kinder genug trinken, zum Beispiel Wasser oder verdünnte Fruchtsäfte. Und kleine Snacks brauchen sie auch – Studentenfutter, ein Butter-Vollkornbrot, Gemüsesticke oder Äpfel sind perfekt.
Haben Sie weitere Tipps?
Gutes Schuhwerk für Kinder und Funktionswäsche kann ich nur empfehlen. Und Kinder lieben es, einen eigenen Rucksack zu tragen. Da kann beispielsweise ein Ersatz-Leiberl hinein, das Lieblings-Kuscheltier und ein bisschen Proviant. Eltern sollten auch immer ein kleines Erste-Hilfe-Paket mitnehmen – Pflaster, Mullbinde und so. Da wir in einer Zecken-Region wandern, habe ich auch immer eine Pinzette dabei. Und wenn Sie Sorge haben, dass der Weg nicht genug Attraktionen bietet – was eigentlich bei allen »tut gut«-Wanderwegen kein Thema ist –, dann nehmen Sie doch sicherheitshalber einen Ball mit. Dann haben Sie alle Spaß am Wandern. Freude an der Bewegung ist so wichtig. Denn wenn Kinder das Wandern als positive Freizeitbeschäftigung erleben, werden sie als Erwachsene wahrscheinlich wieder ganz von selbst darauf zurückgreifen – und das ist langfristig wirklich gut für die Gesundheit.
Die Wanderkarten zu den mittlerweile insgesamt 45 »tut gut«-Wanderwegen finden Sie unter www.noetutgut.at oder können Sie bestellen an der »tut gut«-Hotline: 02742/22655. Im Herbst kommen einige neue Wege dazu.




