Sich selber nah sein
Wandern hat viele Gesichter – es entspannt, stärkt das Herz-Kreislauf-System, verschafft wunderbare Ausblicke und Bilder und tut einfach rundherum gut. Heuer lockt besonders das Mostviertel.

Der Naturpark Ötscher-Tormäuer ist der größte Naturpark Österreichs, mit einem Wechselspiel aus bizarren, vom Wasser geformten Felsen und tiefen Schluchten, Wasserfällen, Höhlen, ruhigen Wäldern, Almen und Seen und herrlichen Aussichtspunkten. Foto: Erika Loichtl, Initiative »Tut gut«
Die Natur mit allen Sinnen genießen – das reizt immer mehr Menschen, sich gute Schuhe anzuziehen und einfach zu gehen. In der Gruppe oder mit der Familie, als Paar oder allein. Schweigend oder singend, plaudernd oder tiefgehende Gespräche führend. Durch Wälder und Wiesen, entlang von Seen und Bächen, überall sanft geschwungene Hügel oder im steilen Gebirge. Weiter, immer weiter. Und irgendwann ist man am Ziel. Erschöpft und gleichzeitig erfrischt, mit oder ohne Blasen. Viele Regionen in Niederösterreich bieten geeignete Wege und Möglichkeiten (siehe unten).
Faktor Gesundheit
Auszeit vom Alltag, Entspannung, neue Kraft gewinnen, Naturerlebnis – Gründe fürs Wandern gibt es viele. Ein guter Grund, sich aufzumachen, ist die eigene Gesundheit. Wandern stärkt die Muskeln, trainiert das Herz-Kreislauf-System und sorgt für mentale Entspannung.
Für den staatlich geprüften Bergführer Hubertus Johannes Lindner gehören Bergsport und Gesundheit in einem sehr umfassenden Sinn zusammen: Wandern, Bergsteigen, Klettern, Schitourengehen – all diese Bewegungsarten in den Bergen fordern den ganzen Menschen und helfen ihm dabei, so Lindner, sich aus der materialistischen Leistungsgesellschaft unseres Alltags herauszulösen. „Am Berg geht es nicht um das Beherrschen von etwas. Natürlich muss man die technischen Fähigkeiten mitbringen. Aber den Berg kann man nicht bezwingen oder beherrschen – der zeigt einem dann nämlich besonders schnell seine Grenzen, wenn man das versucht.“
Und worum geht es dann? „Ganz einfach ums Menschsein in seinem tiefen Sinne, um Idealismus, um das pure Erleben“, sieht es der Bergführer Lindner: In der freien Natur stellen wir meist ganz schnell alle Sinne auf Empfang, denn es gibt so viele unglaubliche Reize zu verarbeiten, „gute Eindrücke, die einen nähren“, sagt der in Göstling an der Ybbs aufgewachsene 39-Jährige: „Raum, Weite, Licht und Farben, bizarre Schönheit und Vollendung – all das sieht und fühlt man eigentlich auf jeder Tour in der Bergwelt.“ Dafür muss man nicht extrem sportlich sein und in steilen Wänden klettern, wie es Lindner leidenschaftlich tut. Eine entspannte Wanderung auf einem der »tut gut«-Wanderwege des Mostviertels des Mostviertels beispielsweise bietet all dies. Naturerlebnis, Pflanzen und Tiere, wilde Wasser, schroffe Felsen, weiße Schneefelder oben an den Gipfeln, selten sonst zu sehende Farben und Lichtverhältnisse, ein besonders klarer oder aber auch ein wild bewölkter Himmel – Bilder, die die Seele nähren und uns einfach Mensch sein lassen, weitab von Terminstress und To-do-Listen.
Denn die Welt der Berge und Wälder, der Moore und Seen ist eine ganz andere Welt als das, was unser Leben in den kleinen und großen Städten, am Arbeitsplatz und im Haushalt uns Tag für Tag bietet. „Ganz in eine weitgehend unberührte Landschaft einzutauchen heißt abschalten. Man ist ganz einfach bei sich selbst, spürt besonders in alpinen Bereichen die Macht dieser so ursprünglichen Natur“, weiß Lindner. Er sieht sie als Schule für ein Leben jenseits von gesellschaftlichem Leistungsdruck, Materialismus und harten Zielvorgaben: „Wer beim Wandern und Klettern an seine Grenzen geht, kann sich dabei einerseits gut selbst begegnen und andererseits aus dem gemeinsamen Erleben schöpfen.“
Die vielen schönen Eindrücke unterstützen den Einzelnen dabei, weg von allen Alltagssorgen zu kommen und „einfach nur Mensch zu sein“, wie Lindner es nennt. Und das ist mit Sicherheit gut für die Gesundheit.
Der NaturWaldWeg – Lebensräume verbinden
Die Eisenwurzen ist eine unverwechselbare Kulturlandschaft. Jahrhunderte einer blühenden Eisenindustrie haben den Tälern im Dreiländereck der Bundesländer Steiermark, Ober- und Niederösterreich ihren Stempel aufgedrückt. Um die einzigartige Naturregion mit ihrem kulturellen Erbe erlebbar zu machen, haben die drei Schutzgebiete Nationalpark Kalkalpen, Nationalpark Gesäuse und Wildnisgebiet Dürrenstein gemeinsam mit den Alpinvereinen und engagierten Einwohnern der Region einen NaturWaldWeg zusammengestellt, der die drei international anerkannten Schutzgebiete in dreizehn Tagesetappen miteinander verbindet. Dabei werden auch die Naturparke steirische und niederösterreichische Eisenwurzen durchquert. So lässt sich die atemberaubende Vielfalt dieser besonderen Region im Herzen Österreichs erwandern – je nach persönlichem Geschmack: Sportlich anspruchsvoll in einem Stück oder man kommt mehrmals und erlebt den Naturraum Stück für Stück im Wandel der Jahreszeiten.
Der NaturWaldWeg ist in dem soeben erschienen Regionsführer Erlebnis Eisenwurzen von Franz und Philipp Sieghartsleitner (Anton Pustet Verlag; ISBN 978-3-702507800, 23 Euro) spannend beschrieben. Außerdem haben die Initiatoren des NaturWaldWeges eine Karte vom Weitwanderweg aufgelegt (2,90 Euro). Auf der Rückseite der Karte, die von der Fa. Carto.at in Steinbach gestaltet wurde, erfährt man mehr über das Projekt Netzwerk Naturwald, den Biotopverbund und ausgewählte Zeigerarten.
Bestellung: Nationalpark Zentrum Molln, Tel.: 07584/3651 oder nationalpark
kalkalpen.at
ICH – einmal anders!
Wanderung mentales Gesundsein in »Gesunden Gemeinden« 2015
Es darf auch einmal um mich gehen! Welche Alltagsroutinen habe ich? Wie entstehen Routinen und weshalb sollte ich etwas daran ändern? Bei den Wanderungen geht es um Perspektivenwechsel und darum, Alternativen zu sehen, aufmerksam zu sein, was einem selber gut tut und Neues entdecken zu können. Die Herausforderungen im täglichen Leben, in all unseren Lebensbereichen leichter anzunehmen, die eigenen Ressourcen dabei zu finden und zu stärken. Man kann an jedem Tag neu durch-starten.
Diese Wanderung können »Gesunde Gemeinden« buchen: »tut gut«-Hotline: 02742/22655, www.noetutgut.at
Lassen Sie sich (ver)führen!
Alpinweg Mostviertel: Geführte sechstägige Wanderung Hochkar – Dürrenstein – Ötscher
Einmal richtig weit wandern, in wild romantischer Gegend, auf erprobten Wegen, mit professionellem Bergführer – das bietet die geführte Wanderung über den Alpinweg, zusammengestellt von Bergführer Hubertus Johannes („Hubs“) Lindner und angeboten von der Bergschule Hinterstein. Die teilweise hochalpine Tour eignet sich für alle, die beispielsweise regelmäßig dreimal pro Woche Sport machen und sich täglichen Etappen von etwa acht Stunden (samt Pausen und Essenszeiten) gewachsen fühlen. Der Lohn: überwältigende Ausblicke in eine wilde, ursprüngliche Landschaft, abschalten und den Alltag weit hinter sich lassen und das Gefühl, eine echte Herausforderung geschafft zu haben.
Termine:14. – 19. August 2015
28. August – 2. September 2015
11. – 16. September 2015
25. – 30. September 2015
Sechs Tage Führung durch staatlich geprüften österreichischen Ski- und Bergführer oder geprüften Bergwanderführer, Übernachtung plus Halbpension auf den Hütten (exkl. Getränke), jegliche Bustransporte, 795 Euro pro Person
Mindestanzahl Teilnehmer: 4
Maximale Anzahl Teilnehmer: 12
Informationen & Buchung: www.mostalpen.at
»tut gut«-Wanderwege
rund um die Landesausstellung
Natur entdecken, gesund bewegen, Niederösterreich erwandern
In die alpine Welt des Mostviertels entführt die NÖ Landesausstellung 2015, ÖTSCHER.REICH – Die Alpen und wir: Die Mostviertler Alpen beherbergen drei Naturparke, Hochmoore und Urwälder. Rund um den Ötscher entstand 1970 der Naturpark Ötscher-Tormäuer, der größte Naturpark Österreichs, mit einem Wechselspiel aus bizarren, vom Wasser geformten Felsen und tiefen Schluchten, Wasserfällen, Höhlen, ruhigen Wäldern, Almen und Seen und herrlichen Aussichtspunkten. Durch die Mariazellerbahn mit Ausgangspunkt in St. Pölten ist die Region umweltfreundlich und praktisch erreichbar und man kann schon bei der Anreise zum Wanderausflug entspannen.
Dazu hat die Initiative »Tut gut!« eine eigene Broschüre mit Wanderwegen in der Region zusammengestellt. So lassen sich Landesausstellung und ein wunderbares Wander-Erlebnis bestens verbinden. »tut gut«-Wanderwege sind mehrfach erprobt, gut ausgeschildert, bieten zusätzliche Informationen über Natur und Umwelt sowie Fitness und Gesundheit und zeichnen sich durch passende Wege für jeden Bedarf aus: Zu jedem Weg gibt es drei Varianten, fast immer auch eine, die kinderwagentauglich ist. Attraktionen wie Aussichtspunkte, Spielplätze, Burgen und Ruinen sind jeweils aufgelistet und immer gibt es Tipps für die Wirtshäuser.
Die »tut gut«-Wanderwege:
- Frankenfels im Pielachtal
- Kirchberg an der Pielach
- Rabenstein an der Pielach
- Hollenstein an der Ybbs
- Lackenhof im Ötscherland
- Lunz am See
- Randegg – Hochkogelberg
- Sonntagberg
- St. Anton – Hochbärneck
- Texingtal
- Waidhofen an der Ybbs
Bestellen Sie die »tut gut«-Wanderwege-Broschüre oder die Sonderausgabe zur Landesausstellung gratis unter der »tut gut«-Hotline: 02742/22655 oder www.noetutgut.at




