Bauen fürs Leben
„Die Vernunft baut das Haus und die Liebe hält es warm“: Dieses Sprichwort trifft auf kein Gebäude mehr zu als auf ein Passivhaus.
Die Entscheidung, ein Haus zu bauen, ist keine einfache. Möchte ich die Ruhe in den eigenen vier Wänden genießen, dafür aber selbst für alle Reparaturen zuständig sein? Möchte ich – teilweise mehrere Jahre lang – schuften, um dieses Heim erbauen zu können? Oder möchte ich eigentlich in eine fertige Wohnung, bei der sich im Winter ein Hausmeister um die Schneeräumung vor der Haustür kümmert? Sind die Vor- und Nachteile abgewogen und die Entscheidung ist auf ein eigenes Haus gefallen, beginnt die Planungsphase. Soll es ein Ziegelbau werden? Dann muss man mit einer langen Bauzeit rechnen. Dafür kann man das Haus ganz nach seinen Wünschen planen. Schneller geht das bei einem Fertigteilhaus. Dieses ist zwar innerhalb kurzer Zeit aufgebaut, dafür sind Sonderwünsche oft schwer umzusetzen oder verursachen Extrakosten. Dennoch: Jedes dritte Wohnhaus wird bereits in Fertigteilbauweise errichtet.
Vorausplanen wichtig
Neben der kurzen Bauzeit liegen auch die anderen Vorteile auf der Hand: Für die angebotenen Häuser gibt es Festpreise und man kann Musterhäuser begutachten, um schon im Vorfeld erleben zu können, wie es ist, in seinem zukünftigen Wohnbereich zu stehen. Doch Vorsicht: Die Fundamentplatte oder der Keller, auf dem das Haus stehen soll, ist im Preis normalerweise noch nicht inbegriffen. Dadurch können die Kosten für das Projekt Eigenheim schnell um mehrere zehntausend Euro steigen (siehe Seitenleiste Seite 43). Außerdem sollte im Vorfeld geklärt werden, wer für die Wärmedämmung zwischen Haus und Fundamentplatte bzw. der Kellerdecke zuständig ist.
Denn nur ein anständig gedämmtes Haus schützt vor horrenden Heizkosten und schont gleichzeitig die Umwelt. Dass dies den Häuslbauern immer wichtiger wird, zeigt die Statistik: Jedes fünfte Fertigteilhaus ist ein Passivhaus. Ein Gebäude also, das wegen seiner starken Wärmedämmung keine klassische Heizanlage benötigt.
Energieausweis prüfen
Ob auch Ihr neues Fertigteilhaus diesem Anspruch gerecht wird, können Sie vom Energieausweis ablesen. Ökologisch vorbildliche Häuser verfügen zumindest über die Energieeffizienzklasse A, ihre Öko-Kennzahl ist kleiner als 50 Punkte und sie verursachen weniger als 15 Kilogramm CO2-Ausstoß pro Quadratmeter Bruttogeschoßfläche. Ein
Passivhaus hat die Energieeffizienzklasse A++, eine Öko-Kennzahl von weniger als zehn Punkten und verursacht maximal acht Kilogramm CO2 pro Quadratmeter. Sie sollten mit Ihrer Baufirma bereits im Vorfeld vertraglich festlegen, welche Ausführungsqualität laut Energieausweis Sie sich für Ihr Haus wünschen. Dieser Ausweis, den Sie auch für einen eventuellen Weiterverkauf brauchen, kann nach der Fertigstellung des Hauses eingefordert werden.
Schwachstellen vermeiden
Um die Werte A, A+ und A++ zu erreichen, ist es aber auch wichtig, die äußeren Faktoren in die Planung mit einzubeziehen. So sollten so viele Fensterflächen wie möglich nach Süden ausgerichtet sein, damit die Sonne den Wohnraum erwärmen kann. Im Norden sollten nur wenige Fenster geplant werden. Ebenso ist eine kompakte Bauweise des Hauses von Bedeutung. Damit ist nicht gemeint, dass das Gebäude möglichst klein sein muss, sondern dass auf Erker, Gaupen oder sonstige Vorsprünge verzichtet werden sollte. Denn diese stellen Schwachpunkte dar, über die viel Wärme verloren geht.
Apropos Wärme: Durch das Lüften mit offenem Fenster geht im Winter sehr viel Heizenergie verloren. Deshalb sollte in jedem neuen Haus eine automatische Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung verbaut werden. Sie verbessert die Luftqualität, sodass das Fenster nicht mehr geöffnet werden muss und senkt so den Energieverbrauch und damit die Heizkosten.
Ein weiterer wichtiger Punkt in der Planung, der vor allem von jungen Bauherren oft vergessen wird, ist die Barrierefreiheit des Neubaus, die in der Planungsphase mit bedacht gehört und dann kaum Kosten verursacht. Schlussendlich werden wir alle älter und müssen mit dem Risiko leben, irgendwann krank zu werden oder uns zu verletzen. Ein bestehendes Haus dann so umzubauen, dass man sich mit einem Rollstuhl leicht darin bewegen kann, ist oft ein großer finanzieller Aufwand und nur sehr schwierig zu bewerkstelligen.
Förderung für Passivhäuser
Für die Errichtung von Passivhäusern in Niederösterreich gibt es eine erhöhte einkommensunabhängige Förderung. Kostenlose Beratung zur Sonderförderung und Planungsbegleitung erhalten Sie bei der Donau-
Universität Krems unter der Telefonnummer 02732/8932667.
Informationen: www.noel.gv.at/Bauen-Wohnen/Bauen-Neubau.html
Vorsicht: versteckte Kosten!
Oft vergessen Häuslbauer in ihrer Planung, dass es mit den vier Wänden des Hauses, einem Dach, ein paar Fenstern und einer Tür nicht getan ist. Was Sie auf keinen Fall bei Ihrer Kostenkalkulation
vergessen dürfen:
- Verlegung von Kanalisationsleitungen und sonstige Erdarbeiten
- Zählerkasten
- Blitzschutzanlage mit Fundamenterdung
- Außenanlagen (Stiegen, Terrassen, Gehwege usw.)
- Umzäunungen
- Garagen oder Carports
- Aufschließungskosten
- Behördengebühren (z. B. für Baugenehmigung oder Grundbuch)
- Notargebühren
- Finanzierungskosten





