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Vom Überleben zum Leben

Nach einer Krebserkrankung unterstützt ein Rehabilitations-Aufenthalt Betroffene dabei, mit der Krankheit und den Behandlungsfolgen besser zurechtzukommen und Zuversicht und eine gute Lebensqualität zu finden.


Prim. Univ.-Prof. Dr. Alexander Gaiger, Leiter der onkologischen Rehabilitation des Lebens.Med Gesundheitszentrums in Bad Erlach

Die Diagnose Krebs ist ein Schock für Betroffene und ähnelt einem Sturz aus dem Alltag. Schon alleine die Worte „Krebs“ oder „gute und böse Zellen“ rufen das Gefühl hervor, Mitschuld an der Krankheit zu haben und dass die „bösen“ Zellen die Folge von schlechtem Lebensstil seien, weiß Prim. Univ.-Prof. Dr. Alexander Gaiger, Leiter der Onkologischen Rehabilitation sowie Wissenschaftlicher Leiter des Lebens.Med Zentrums Bad Erlach. „Dabei spielt Lebensstil – mit Ausnahme von Nikotin- und Alkoholkonsum – bei den meisten Krebs­erkrankungen nur eine geringe Rolle. Oft ist unser Lebensstil auch nicht die Folge einer freien Entscheidung, die die Voraussetzung von Schuld wäre, sondern die Folge von sozialen Umständen, Symptome zugrundeliegender anderer Krankheiten oder Verbrechen“, erklärt Gaiger. „Der Krebspatient ist nicht schuld an der Erkrankung. Viel wichtiger und beeindruckender ist, wie viel an Kraft und Gesundheit Betroffene mobilisieren, wie viele Herausforderungen in einer schwierigen Zeit bewältigt werden.“ Langwierige und komplexe Therapien müssen die Patienten bewusst und gezielt mittragen. Es ist herausfordernd, Medikamente wie Hormonpräparate über lange Perioden einzunehmen: „Sie senken das Rückfallrisiko statistisch gesehen deutlich, während die Nebenwirkungen ganz konkret Tag für Tag ganz erlebt werden.“

Krebs ist eine „Systemerkrankung“ – das ganze soziale Umfeld eines Menschen ist betroffen. „Nicht nur die Menschen, die wir Patienten nennen, sondern Partner, Kinder, Eltern, enge Freunde.“ Bei der Rehabilitation unterstützt Prim. Univ.-Prof. Dr. Alexander Gaiger mit seinem multiprofessionellen Team die gesunden Anteile und die Kompetenzen, die Patienten und ihr familiäres Umfeld mitbringen und zeigt auf, wo Ressourcen sind. Die medizinische Trainingstherapie wirkt – wissenschaftlich belegt – nicht nur auf Lebensqualität, Kraft und Ausdauer, sondern auch gegen die Krebserkrankung und verbessert das Gesamtüberleben von Krebspatienten. Neben Sportmedizin und Ernährungsberatung spielt in der onkologischen Rehabilitation die Psychoonkologie eine wichtige Rolle.

Drei Wochen dauert der Aufenthalt in einem Rehabilitationszentrum – das sieht Gaiger als einen ersten Anschub, der langfristig hilft und dessen Wirkung auch noch nach einem Jahr nachweisbar ist. „Unser Ziel ist die Nachhaltigkeit“, betont Gaiger. Das Drei-Säulen-Modell der onkologischen Rehabilitation (körperliche, seelische und soziale Faktoren) ermöglicht es, den Patienten dort abzuholen, wo seine Stärken sind und diese zu unterstützen. Weiters soll das Vertrauen in den eigenen Körper gestärkt werden, um so Kraft für den Weg vom Überleben zu einem – durch die Erfahrungen der Erkrankung und Behandlung veränderten – Lebensalltag zu haben.
Informationen: Lebens.Med Zentrum, Tel.: 02627/81300, www.lebensmed-baderlach.at