Gesundheit für Frauen
Jedes Alter bringt besondere Themen für das Gesundbleiben von Frauen. Mit den wichtigsten Gesundheits-Checks sind Sie auf der sicheren Seite.

Prim. Priv.-Doz. Dr. Andreas Brunner, Leiter der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Landesklinikum Mödling
In jeder Lebensphase stehen Frauen hinsichtlich der Gesundheit von Brust, Eierstöcken, Gebärmutter und Vagina vor anderen Ansprüchen und Anforderungen, weiß Prim. Priv.-Doz. Dr. Andreas Brunner, Leiter der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Landesklinikum Mödling. Für GESUND&LEBEN erklärt er, worauf Frau achten sollte:
Kindheit & Jugend
Die erste gynäkologische Vorsorgeuntersuchung sollten Mädchen in Angriff nehmen, sobald sie geschlechtlich aktiv werden. „Es ist gut, wenn sie auf ihren ersten Geschlechtsverkehr gut vorbereitet sind“, betont Brunner. Wichtig ist ihm die HPV-Impfung, deren erster Teil in den 4. Klassen der Volksschulen angeboten wird. „Ich sehe so viele HPV-Opfer“, berichtet der zweifache Vater, Vorstand einer der größten gynäkologischen Abteilungen in Niederösterreich. Seine beiden Kinder sind deshalb geimpft. Für ihn ist völlig klar, dass der Schutz durch die HPV-Impfung sehr wirksam ist und damit wesentlich mehr wert als das, was an Nebenwirkungen bei einer Impfung passieren kann. „Warzen am Scheideneingang, Entzündungen von Muttermund und Gebärmutterhals, Krebsvorstufen – all diese durch das HPV-Virus entstehenden Veränderungen können verhindert werden.“ Wer mit dem Virus infiziert ist, muss noch lange nicht krank werden, aber der Ausbruch von Erkrankungen ist jederzeit möglich.
Bei der ersten Vorsorgeuntersuchung bei einer niedergelassenen Frauenärztin oder einem niedergelassenen Frauenarzt geht es meist vorrangig um das Thema Verhütung und den ersten sogenannten Krebsabstrich, den PAP-Test. Dafür werden oberflächliche Zellen vom Muttermund und dem Gebärmutterhals entnommen.
Thema Verhütung
Beim Thema Verhütung geht es darum, in der jeweiligen Lebensphase und -situation jene Lösung zu finden, mit der Mädchen und Frauen am besten zurechtkommen. „Eine perfekte Lösung gibt es nie“, weiß Brunner, „aber es gibt so viele alternative Verhütungsmethoden – Pille, Hormonpflaster, Vaginalringe, Hormonstäbchen, Spirale, mechanische Verhütungsmittel wie das Kondom oder natürliche Verhütungsmethoden mit all ihren Vor- und Nachteilen – man findet immer einen Weg.“
Zeit für den Nachwuchs
Bis etwa 35 Jahren ist es meist nicht allzu schwer, Nachwuchs zu bekommen, sagt Brunner: „Vier von fünf Frauen werden innerhalb eines Jahres schwanger, wenn sie das wollen. Später wird das deutlich schwieriger, weil die Qualität des Eisprungs nachlässt. Auch die Chance auf eine Spontangeburt sinkt ab dem 35. Lebensjahr, danach steigt die Kaiserschnitt-Rate.“ Die liegt in Mödling knapp unter 30 Prozent, Tendenz allgemein steigend, weil die Erstgebärenden älter werden. Wunschkaiserschnitten gegenüber ist Brunner skeptisch. Meist liegen hinter diesem Wunsch Gründe wie große Angst, weiß der Frauenarzt. „Darüber muss man im Vorfeld sprechen – und auch nach jedem Kaiserschnitt tut ein Gespräch gut.“
Weiterhin jährliche Vorsorge
Auch in diesen fruchtbaren Jahren ist es dem Gynäkologen wichtig, dass Frauen jedes Jahr zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Der zytologische Vorsorge-Abstrich bleibt immer auf dem Programm, ebenso eine Tastuntersuchung der Brüste sowie die Anleitung für die regelmäßige Selbstuntersuchung, denn natürlich kann auch in jungen Jahren Brustkrebs auftreten. Eierstöcke und Gebärmutter werden bei der jährlichen Vorsorgeuntersuchung ebenfalls kontrolliert, Thema in dieser Lebensphase sind unter anderem Zysten an den Eierstöcken.
Ob Zysten entfernt werden müssen, wird beim niedergelassenen Arzt oder im Krankenhaus abgeklärt, ebenso wie es weitergeht, wenn der PAP-Abstrich auffällig ist. „Derartige Befunde erzeugen immer große Unruhe und Besorgnis. Aber wir schauen uns das ganz genau an und entscheiden dann gemeinsam, wie es weitergeht.“
Bei Zysten ist entscheidend, ob und welche Beschwerden sie machen. Oft reicht es, wenn man sie per Ultraschall beobachtet. Heute kann man sie, wenn es erforderlich ist, meist laparoskopisch (per „Knopfloch-Chirurgie“) so entfernen, dass der Eierstock erhalten bleibt. Und bei einem auffälligen Abstrich steht eine Konisation des Muttermundes an, eine sogenannte Cone-Biopsie. Dabei wird Gewebe vom Muttermund entfernt: „Das ist gleichzeitig ein diagnostischer und therapeutischer Eingriff, der meist tagesklinisch, also ohne Übernachtung im Spital, gemacht werden kann“, erklärt Brunner.
Unterwegs zum Wechsel
Ab 40 sollten Frauen regelmäßig zur Brust-Ultraschalluntersuchung und Mammografie (röntgenologische Untersuchung der Brust) gehen, denn ab da steigt langsam das Risiko, eine von im Durchschnitt neun Frauen zu werden, die Brustkrebs bekommt. Der Wechsel selbst ist „ein Zeitraum über mehrere Jahre ähnlich der Pubertät, in der es zur Hormonumstellung kommt. Das Klimakterium ist so etwa zwischen 45 und 55 angesiedelt und nicht genau eingrenzbar“, sagt Brunner. „Es beginnt, wenn man Wechselbeschwerden hat – Hitzewallungen, Schlafstörungen, einen höheren Blutdruck, einen plötzlich unregelmäßigen Zyklus, oder wenn man, ohne mehr zu essen oder sich weniger zu bewegen, einfach ein paar Kilo zunimmt.“
Leidet eine Frau unter starken Wechselbeschwerden, findet sie in Absprache mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt bestimmt einen guten Weg, diese zu lindern, denn dafür gibt es die verschiedensten Methoden. Ob und wie stark Beschwerden auftauchen, ist von Frau zu Frau verschieden. Jedenfalls ist der Wechsel an sich, die Umstellung des Hormonsystems, eine normale und natürliche Lebensphase und keine Krankheit.
Myome – kein Grund zur Panik
In dieser Lebensphase, rund um den Wechsel, bekommen viele Frauen Myome – gutartige Wucherungen des Muskelgewebes in der Gebärmutter. Ob es ausreicht, sie zu beobachten oder ob sie entfernt werden müssen, hängt ab von ihrer Größe, Form und Lokalisation und davon, ob die Frau noch einen Kinderwunsch hat. „Oft reicht es aus, das Myom über viele Jahre einfach nur zu beobachten“, erklärt Brunner. Entfernen kann man Myome heute laparoskopisch oder per Bauchschnitt – „das entscheiden wir von Fall zu Fall ganz individuell“, erklärt der Mödlinger Gynäkologie-Chef. „Es hängt von den Beschwerden ab und von den Wachstums-Tendenzen, der Größe und der Lokalisierung des jeweiligen Myoms.“ Wenn Myome schnell wachsen oder sehr groß werden, muss mitunter auch manchmal die gesamte Gebärmutter entfernt werden. Und Brunner ist es ein Anliegen, dass sich Frauen keine falschen Hoffnungen machen, das Myom mit anderen Methoden behandeln zu können: „Ob antihormonelle Behandlung oder interventionell-radiologische – diese Methoden funktionieren meist nicht so gut, wie sich das betroffene Frauen erwarten. Da sind die Erfolgschancen auf Besserung aus meiner Erfahrung eher als gering einzuschätzen.“
Noch fruchtbar?
Irgendwann steht dann die Frage an, ob Frau noch schwanger werden kann oder nicht. Dann rät die Frauenärztin oder der Frauenarzt dazu, einen Hormonstatus machen zu lassen. Die Frage der Fruchtbarkeit lässt sich per Status abklären. „Die Stärke der Wechselbeschwerden hängt aber nicht unbedingt mit dem Hormonstatus zusammen“, erklärt Brunner. „Manche Frauen mit starken Beschwerden haben noch sehr hohe Hormonwerte, andere, die kaum Beschwerden hatten, haben niedrige Werte – darüber sagt der Hormonstatus nicht immer etwas aus.“ Wichtig ist für die weiteren Gesundheitsuntersuchungen der Zeitpunkt der letzten Regelblutung, deshalb sollten Frauen auch nach dem Kinderwunsch ihre Zyklen dokumentieren. Auch Schmierblutungen – Verfärbungen im Ausfluss ohne helles Blut – gelten als Blutungen, betont Brunner. Diese letzte Blutung gibt es irgendwann zwischen Mitte 40 und Mitte 50. Ab einem Jahr nach der letzten Regelblutung gehört jede weitere neuerliche Blutung abgeklärt, denn sie kann ein wichtiges Indiz für Erkrankungen sein, erklärt Brunner: „Postmenopause-Blutungen sind verdächtig, denn sie können bedeuten, dass es Wucherungen an der Gebärmutter-Schleimhaut gibt, und diese gehören genauer untersucht, und zwar alle. Dafür entnehmen wir eine Gewebeprobe, die auf Krebs untersucht wird.“ Die Gewebeprobe kann ambulant oder tagesklinisch gemacht werden, „meist ist es vernünftiger, das Gewebe per Curettage mit Kurz-Narkose zu entnehmen, dann hat die Probe mehr Aussagekraft.“ Diese Wucherungen entstehen meist durch Hormonschwankungen und können im ungünstigsten Fall auch Vorstufen von Gebärmutterkrebs oder bereits eine Krebserkrankung sein. Da Brunner sich mit diesem Thema für seine Habilitation zum Privatdozenten an der Universität Wien befasst hat, kennt er sich damit besonders gut aus: „Risikofaktoren sind erhöhtes Körpergewicht, hoher Blutdruck oder Diabetes.“ Bei Gebärmutterkrebs ist es notwendig, die Gebärmutter zu entfernen; auch diese Operation kann zumeist laparoskopisch gemacht werden, in ungünstigeren Fällen ist ein Bauchschnitt erforderlich.
Thema Brustkrebs
Über alle Jahre bleibt die Vorsorgeuntersuchung zur Entdeckung von Brustkrebs ein Thema für jede Frau. In Familien mit erhöhtem Brustkrebs-Risiko (und ebenso Eierstockkrebs-Risiko) sollten Frauen mit ihrer Ärztin, mit ihrem Arzt abklären, wie hoch ihr persönliches Risiko ist. Die hohe genetische Veranlagung mancher Frauen, wie sie durch die Schauspielerin und Regisseurin Angelina Jolie bekannt wurde, kann durch einen (sehr teuren) Gentest ermittelt werden. Ab wann dieser Test indiziert ist, dafür haben die Gynäkologen einen klaren Index, der davon abhängt, wie oft und in welchem Alter diese Krebsarten bei nahen Verwandten aufgetreten sind. Wichtig ist es Brunner, dass sich Frauen für die genetische Beratung an speziell qualifizierte Zentren wie das Landesklinikum Mödling wenden, damit sie optimal beraten werden können. Wo es solche Zentren gibt, wissen die niedergelassenen Frauenärztinnen und -ärzte.
Gefahrenquelle Nikotin
Für Brustkrebs spielen Lebensstil-Faktoren eine wichtige Rolle, ist sich Brunner sicher: „Lifestyle-Faktoren wiegen deutlich mehr als die genetische Disposition! Dazu gehört das Rauchen, hoher Alkoholkonsum sowie Übergewicht. Nikotin konsumieren heute leider bereits sehr viele junge Frauen, und auch Übergewicht wegen Bewegungsmangel und falscher Ernährungsgewohnheiten ist bei jungen Menschen gehäuft zu bemerken.“
Die späten Jahre
Auch in den späten Lebensjahren sollten Frauen weiterhin einmal pro Jahr zur Vorsorgeunter-suchung gehen, wünscht sich Gynäkologe Brunner: „Dann geht es um Veränderungen im Bauchraum, und zwar auch noch, wenn die Gebärmutter und sogar die Eierstöcke bereits entfernt sind.“ Und vor allem am Scheideneingang kann es in diesen Jahren zu verdächtigen Hautveränderungen kommen, möchte Brunner zwar nicht verunsichern, aber doch warnen: „Dann können sich Hauttumore bilden, und die sollte man rechtzeitig erkennen.“ Auch permanenter Harndrang untertags oder in den Nachtstunden sowie Harnverlust (Inkontinenz) sind mitunter in diesem Lebensabschnitt Faktoren, die die Lebensqualität stark einschränken können. „Hier gibt es sowohl medikamentöse als auch operative Behandlungsmöglichkeiten, die wir Frauenärzte Betroffenen anbieten können“, ermuntert Brunner Betroffene, sich auch bei derartigen Problemen der Gynäkologin, dem Gynäkologen anzuvertrauen.
Blasenentzündung
Bei einem Harnwegsinfekt entzündet sich jenes Gewebe, das die ableitenden Harnwege auskleidet. Bakterien werden meist vom Darmausgang, wo sie natürlicherweise vorkommen, in die an sich keimfreien Harnwege verschleppt. Die weibliche Harnröhre mündet nah am Anus. Und sie ist relativ kurz, dies erleichtert den Keimen den Aufstieg in die Harnblase, wo sie sich sehr gut vermehren können.
Frauen und Mädchen sollten sich daher immer von der Scheide in Richtung After abtrocknen – und nie in Gegenrichtung. Übertriebene Intimhygiene (vor allem mit stark parfümierten Substanzen) kann die natürliche Bakterienflora im Genitalbereich verändern.
Unter Harnwegsinfekten leiden Frauen oft, wenn sie sexuell besonders aktiv sind: Bei der sogenannten „Honeymoon-Zystitis“ dürfte die mechanische Reizung der Schleimhäute im Genitalbereich Bakterien den Weg in den Harntrakt erleichtert. Und hormonelle Veränderungen sind ein Grund für Blasenentzündungen während und nach den Wechseljahren.
Vorbeugen: Ausreichend Wasser und ungesüßte Tees trinken. Blasen- und Nierentees sowie Bärentraubenblättertee können helfen. Da Bakterien in saurem Milieu nicht so gut wachsen und gedeihen können, kann man den Harn ansäuern – zum Beispiel mit Preiselbeeren, die Chinin- und Hippursäure enthalten.
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