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Voller Durchblick

Ob Joggen, Radfahren oder Bergsteigen: Für jede Sportart gibt es die passende Brille. Welche unterschiedlichen Modelle es gibt und warum auch Kinder unbedingt eine brauchen, zeigt Ihnen GESUND&LEBEN.


Landesinnungsmeister KR Herbert Grünwald, Augenoptik- und Hör­geräteakustikermeister, Kontaktlinsenspezialist – Foto: FELICITAS MATERN

Gutes Sehen spielt nicht nur im Alltag eine Rolle, sondern vor allem auch im Sport: Ob als Sonnenbrille für Outdoor-Sportarten, spezielle Golfbrille oder eine für den Wassersport – Sportbrillen bieten Sicherheit, Schutz und perfekte Sehleistung in einem. „Nur ein relativ geringer Anteil an Fehlsichtigen, die eine Brille tragen, haben eine eigene Sportbrille“, weiß Landesinnungsmeister und Augenoptiker KR Herbert Grünwald, und warnt: „Entweder die Alltagsbrille wird oben gelassen – diese kann allerdings zu Bruch gehen – oder sie wird abgenommen. Dadurch erhöht sich die Unfallgefahr allerdings immens.“ Für eine ungetrübte Sicht beim Sport eignen sich daher Sportbrillen, die einerseits die Sehschwäche korrigieren und gleichzeitig alle Anforderungen einer bestimmten Sportart erfüllen.

Warum eine Sportbrille?

„Es gibt drei Gründe für eine Sportbrille: Sicherheit, perfekte Sicht und UV-Schutz“, erklärt Grünwald. Durch eine gute Sicht beim Sport erkennt man Hindernisse, entgegenkommende Bälle oder den Gegenspieler schneller und besser. Das erhöht  die Sicherheit, aber auch die Leistung, denn man kann mehr an die eigenen Grenzen gehen. „Bei Sportbrillen werden Rot- und Grünanteile des Lichts verstärkt, während der blaue blendende Anteil aus dem Spektrum herausgenommen wird. Auch bei Licht-Schatten-Wechsel habe ich eine konstante Sehsituation“, so der Augenoptiker.
UV-Schutz ist vor allem bei Outdoor-Sportarten wie Radfahren, Schifahren oder Wandern unerlässlich. Auch wenn die Sonne nicht scheint, ist die UV-Belastung für das Auge hoch. Gerade bei Schnee oder Sportarten am Wasser wird die Sonne stark reflektiert und eine Sportbrille ist ein absolutes Muss: „Wir wissen heute, dass die UV-Strahlung ein wesentlicher Hauptgrund für die Makuladegeneration ist. Deshalb sollten neben Sportbrillen auch Alltagsbrillen, die im Freien getragen werden, einen UV-Schutz bis mindestens 380 Nanometer haben.“
Aber nicht nur Menschen mit Sehschwäche wird eine extra Sportbrille empfohlen: Auch jene mit guter Sehleistung sollten bei Outdoor-Sportarten zumindest eine Sport-Sonnenbrille und bei gefährlichen Indoor-Sportarten wie beispielsweise Squash eine Schutzbrille tragen. Und: Meist betreibt man nicht nur eine einzelne Sportart, sondern geht neben dem Radfahren auch mal gern Schwimmen oder im Winter Langlaufen – dafür gibt es mittlerweile gute Allround-Brillen, die eine Breite an Sportarten abdecken.

Was beim Kauf beachten?

Vor jedem Kauf gilt: Wenn Sie fehlsichtig sind, sollten Sie zuerst beim Augenarzt eine optometrische Vermessung durchführen lassen. Dann ab ins Fachgeschäft und dem Augenoptiker genau erklären, für welchen Zweck und welche Sportarten Sie eine Sportbrille benötigen. „Die exakte Brillenglasbestimmung findet dann bei uns statt und wird an die jeweilige Sehanforderung angepasst. Generell sollte man sehr genau auf den Sitz achten, das heißt, dass die Brille sich leicht anfühlt und nicht drückt. Weiters sollte das Brillenglas die Sehleistung erhöhen und Kontraste verstärken. Seitlich und von oben muss die Brille den Lichteinfluss gut einschränken, da auch hier UV-Strahlung ins Auge gelangen kann“, erklärt der Fachmann, und weiter: „Es gibt heutzutage schon gute Allround-Sportbrillen, bei denen ich einerseits einen optischen Einsatz mittels Clip-in-System in die Brille innen ‚einclippen‘ und andererseits die Gläser vorne austauschen kann. Somit kann ich beispielsweise mit und ohne Kontaktlinsen Sport treiben oder meine Brille auch an verschiedene Lichtverhältnisse anpassen wie am Gletscher, im Tal, in der Halle oder am Golfplatz.“
Zusätzlich kann man bei vielen Sportbrillen auch die Bügel abnehmen und durch ein elastisches Band ersetzen, das beispielsweise beim Schifahren um den Helm gespannt wird. Schaumstoff-Clip-ins sorgen gerade bei Sportarten bei hoher Geschwindigkeit dafür, dass das Auge vor Wind und Staub optimal geschützt ist.

Brauchen Kinder eine Sportbrille?

Gerade die viel empfindlicheren Kinderaugen gilt es besonders vor negativen Umwelteinflüssen wie UV-Strahlung, Wind und Staub zu schützen. „Ich sehe viele Eltern, die wie selbstverständlich Sonnenbrillen tragen, während das Kind ohne im
Kinderwagen sitzt. Das ist etwas leichtsinnig: Gerade Kinder, die vielleicht einmal hundert Jahre alt werden, werden mit der Problematik einer Augenerkrankung der Netzhaut viel mehr konfrontiert sein als vielleicht noch wir. Und dem muss man schon in jungen Jahren mit speziellen Alltags- oder Sonnenbrillen vorbeugen“, warnt Grünwald. In jedem Fall ist man in einem Augenoptik-Fachgeschäft gut beraten – und dann steht dem sportlichen Vergnügen nichts mehr im Weg!

So reinige ich meine Sportbrille:

Sportbrillen sind oftmals Schmutz und Staub ausgesetzt und sollten regelmäßig geputzt werden. Dabei gilt: Mit sauberem, lauwarmem Wasser und etwas Geschirrspülmittel reinigen, da dieses fettlöslich ist. Anschließend mit einem Baumwoll- oder Mikrofasertuch abtrocknen. Auf keinen Fall Spiritus, Aceton, Benzin oder andere chemische Substanzen verwenden.

Die richtige Sportbrille für alle Fälle

  • Ballsport: Für Ballsportarten sollte ein Glas gewählt werden, das bruchsicher ist und für optimales Tiefen- und Bewegungssehen sorgt. Denn die häufigste Ursache von Augenverletzungen sind Flugkörper wie Tennis- oder Squashbälle, die Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h erreichen können. Ein elastisches Band sollte je nach Anforderungen gegen den Bügel getauscht werden können.
  • Outdoor-Sportarten: Beim Radfahren, Joggen oder Inlineskaten sollte die Sportbrille den idealen Schutz vor Fahrtwind, UV-Strahlen, Insekten oder kleinen Steinchen bieten. Wichtig: Die Bügel dürfen unter dem Helm nicht drücken oder sollten gegen ein elastisches Band getauscht werden können. Die Brillengläser müssen UV-Schutz bieten und kontraststeigernd getönt sein.
  • Wintersport: Schnee reflektiert ca. 95 Prozent des Lichts – hier kann das Auge schnell überbelastet werden. Deshalb müssen Wintersportbrillen neben einem guten UV-Schutz auch einen höheren Tönungsgrad als normale Sonnenbrillen haben. Empfehlenswert ist auch ein sogenannter Polarisationsfilter, der das stark reflektierende Licht absorbiert.
  • Wassersport: Eine Schwimmbrille schützt das Auge vor Bakterien, Chlor und Salzwasser. Hautfreundliche Silikondichtungen, verstellbare Augenmuscheln und Bänder sorgen für einen hohen Tragekomfort. Für Kontaktlinsenträger eignet sich eine normale Schwimmbrille. Schwimm- oder Taucherbrillen sind aber auch mit optischen Gläsern erhältlich.
  • Kinder-Sportbrillen: Generell gelten für Kinder die gleichen Anforderungen wie für Erwachsene – das Kinderauge ist sogar wesentlich empfindlicher und sollte gut geschützt werden. Sportbrillen für Kinder sollten deshalb perfekt auf den Kopf abgestimmt werden, aus bruchfestem Material bestehen und besonders weiche Nasenauflagen und Bügel oder Brillenbänder haben.