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Trautes Heim – Glück allein

Was sagt die individuelle Gestaltung unseres Eigenheims über uns selbst aus? Wie können wir mit Licht und Farben auch Stimmung ins Haus zaubern? Und wie wohnen wir gesund und sicher?


Foto: fotolia

Wie mögen Sie es in Ihren eigenen vier Wänden? Lieben Sie es rustikal-gemütlich, puristisch-elegant oder traditionell-klassisch? Sind Ihre Wände alle schlicht weiß, setzen Sie hier und da einen Farbtupfer oder mögen Sie es kunterbunt? Und die Deko? Zieren zahllose Erinnerungsstücke und Co Ihr Daheim oder ist Ihr persönliches Refugium ohne allen individuellen „Klimbim“ eingerichtet?  
Wie auch immer Ihr Zuhause gestaltet ist, sagt es naturgemäß auch etwas über Ihren Geschmack, Ihre persönlichen Vorlieben und vielleicht auch Ihren Charakter aus. „Zeige mir, wie du wohnst, und ich sage dir, wer du bist“, sagte der deutsche Dichter Christian Morgenstern, und wenn es auch nicht ganz so simpel ist, so hat dieses alte geflügelte Wort in gewissem Sinn dennoch seine Bedeutung. Heute beschäftigt sich sogar ein ganzer Berufszweig mit seinen differenzierten Hintergründen: Die Wohnpsychologen erforschen unter anderem, was sich aus dem Wohn- und Lebensraum eines Menschen ablesen lässt, und sie meinen etwa, dass zum Beispiel schon  Dekorationselemente einen ersten Eindruck darüber vermitteln können, wie der Bewohner gestrickt ist. So soll die Wohnung eines eher extrovertierten, geselligen Menschen eher dadurch gekennzeichnet sein, dass überall persönliche Andenken und Erinnerungsstücke stehen, während das Zuhause einer überwiegend introvertierten Persönlichkeit eher minimalistisch und ohne viele persönliche Gegenstände eingerichtet ist. Wer seine Wohnung mit auffallend vielen Fotos von Familie und Freunden ausstaffiert, sei höchstwahrscheinlich ein sehr emotionaler Mensch, und wer Bilder von sich selbst an verschiedenen Plätzen seines Heims aufstellt, vielleicht ein Zeitgenosse mit narzisstischen Tendenzen.
Weiter geht’s mit den Bücher- und Plattenregalen, die für nicht wenige Menschen geradezu identitätsstiftend sind – oder aber auch dazu dienen können, anderen ein ganz bestimmtes Bild der eigenen Person zu vermitteln.
Auch wer einer bestimmten Farbe den eindeutigen Vorzug in seiner Wohnung gibt, verrät dadurch etwas über sein Wesen: Viel Orange kann für Lebensfreude oder Sehnsucht nach Kommunikation und Wärme stehen, die Dominanz kühler Farben wie Blau und Grün für den Wunsch nach Ruhe und Erholung.

Stimmungsmacher Farbe

Soweit ein kurzer Ausflug in die Wohnpsychologie, die den Bewohner eines fertig gestalteten Heims ein wenig enträtseln kann, doch nun stellt sich auch die Frage, wie dieser Bewohner ganz bewusst Gestaltungselemente einsetzen kann, um nicht nur funktionell das Beste herauszuholen, sondern auch Stimmung und Wohlgefühl nach seinen Wünschen zu erzeugen.
Bleiben wir doch gleich bei den Farben, denn sie sind nicht nur das billigste Gestaltungsmittel, sondern auch Stimmungsmacher, die zudem noch das Temperaturempfinden und die gefühlte Raumgröße beeinflussen können.
Tatsächlich kann man mit Farben Räumen eine völlig neue Ausstrahlung und Atmosphäre geben, und dabei ist nicht unbedingt Buntheit gefragt, sondern ein wohl abgestimmtes Arrangement der verschiedenen farbtragenden Elemente eines Wohnraums. Oft reicht schon der geschickte Einsatz von Accessoires, Teppichen, Kissen oder Vorhängen, um eine große Wirkung zu erzielen, und ein bisschen Wissen um die Farbenlehre hilft, auch die Funktion und Nutzung von Räumen zu unterstützen.

Kleine Farbenlehre

Demnach wirken helle Farben leicht und freundlich, vermitteln den Eindruck von Weite und lassen Räume größer erscheinen. Empfohlen werden sie für kleine Räume und Menschen, die an weiße Wände gewöhnt sind. Außerdem wird zwischen kalten und warmen Farben unterschieden, wobei kalt vor allem für blau und grün steht, und warm für Gelb-, Orange- und Rottöne. Letztere schaffen Nähe, gemütliche und anheimelnde Atmosphäre, erstere Distanz, aber auch Beruhigung, Entspannung und Erfrischung.
Die Experten empfehlen daher etwa im Wohnbereich, der für Gemütlichkeit, Nestwärme und Kommunikation steht, warme Farben wie rot, orange, gelb, braun, beige oder grün zu verwenden. Als günstig für den Essbereich gelten helle Farbtöne wie hellgrün, grün, gelb, orange oder rot, im Schlafbereich, in dem Ruhe und Entspannung angesagt sind, sollte man eher kalte Farben und Blau in allen Variationen zum Tragen kommen lassen.
Was den Arbeitsbereich betrifft, in dem Aktivität und Konzentration gefragt sind, werden zarte Tönungen von gelb, grün und orange empfohlen, und für das Kinderzimmer, in dem es sowohl um Spielen und Lernen als auch um entspanntes Schlafen geht, gelten je nach Bereich zarte Tönungen von rot, orange, gelb und blau als günstig.

Individuell & flexibel

Doch natürlich sollen auch persönliche Vorlieben eine Rolle bei der Wahl der Farben spielen, und wer nicht genau weiß, mit welchen Farben er Stimmung in die Wohnung bringen will, kann sich zum Beispiel nach seinem Ferienort orientieren, denn er verrät viel darüber, welche Temperatur man bevorzugt und welche Atmosphäre man sich im eigenen Wohnbereich wünscht.
Eines noch dazu: Bevor man sich für einen Farbton entscheidet, sollte man auch bedenken, wie dieser im Winter oder im Sommer wirkt. Und wenn man sich darum nicht fix auf eine Farbe festlegen will, kann man auch mit Accessoires wie etwa Vorhängen arbeiten, die man je nach Jahreszeit austauscht.  

Gezieltes Beleuchten

Für das Wohlgefühl in den eigenen vier Wänden spielt aber auch Licht eine entscheidende Rolle, Licht, das von jeher eine große Bedeutung in unserem Leben hatte, und das in einem Wohnraum nicht nur den Zweck erfüllt, zu erhellen, sondern das auch Atmosphäre schaffen kann.
Für den Wohlfühleffekt in Haus oder Wohnung ist das Tageslicht ein ganz besonders wichtiger Faktor, denn kaum etwas anderes steigert das Wohlbefinden so sehr wie die ersten Sonnenstrahlen des Tages. Manche Experten meinen, dass man richtig liegt, wenn man den gesamten Wohnbereich wenn nötig auch abends so hell ausleuchten kann, dass die Stimmung eines Sommertages entsteht.
Was nun die Beleuchtungszonen in Räumen betrifft, so gibt es deren drei: Man braucht Licht im Hintergrund zum Ausleuchten des Raumes, punktuelles Licht zum Arbeiten, Kochen, Lesen etc. und Licht als Akzent auf interessante Raumdetails.
Einrichtungsprofis wissen weiters, dass Licht, das besondere Akzente im Raum setzen soll, in etwa dreimal so hell sein muss wie das Licht im Hintergrund. Das kann zum Beispiel von einem opulenten Kronleuchter oder einer besonders schönen Stehleuchte kommen, und wer sich nicht auf ein bestimmtes Licht und seine jeweilige Intensität festlegen will, greift einfach zum Dimmer. Dieser verändert das Licht je nach Bedarf von schummrig-gemütlich bis zu glasklar-leuchtend.  
Übrigens wirkt auch die sogenannte Lichtfarbe stark in unser Unterbewusstsein hinein. Üblicherweise wird daher in unseren Breiten warm-weiße Lichtfarbe für Wohnräume verwendet, während kalt-weißes Licht eher für Flure, Arbeitsräume, Garagen und Keller geeignet ist. Ein Tipp noch für den Winter, wenn die Tage grau und dunkel sind: In dieser Jahreszeit können spezielle Tageslichtleuchten auch für Wohlbefinden im gesundheitlichen Sinn sorgen.

Gesund gebaut

Stichwort Gesundheit: Wie und mit welchen Materialien wir unser Heim bauen und einrichten, kann natürlich auch unsere Gesundheit beeinflussen. Heute ist die sogenannte Baubiologie, welche die diesbezüglichen Hintergründe untersucht, aus dem modernen Bauwesen nicht mehr wegzudenken. Denn Baumaterialien haben einen großen Einfluss auf das Wohlbefinden: So empfindet man etwa einen Raum mit „warmen“ Oberflächen wie Holz behaglicher als einen mit „kalten“ Oberflächen wie Fliesen oder Metall, doch es ist nicht nur die psychische Komponente, die die Baubiologie berücksichtigt. Es gilt auch auf gesundheitsverträgliche Baumaterialien zu achten. Eines davon ist Ziegel, der gut für Innen- und Außenwände geeignet und gesundheitlich unbedenklich ist.
Holz, der „nachwachsende“ Rohstoff, stellt gesundes Baumaterial dar, das Feuchtigkeit in großen Mengen aufnehmen und abgeben kann und ein angenehmes Raumklima begünstigt. Wichtig bei der Verwendung von Holz ist, den konstruktiven Holzschutz zu beachten und auf chemische Holzschutzmittel zu verzichten.
Lehmputz ist ein weiterer gesunder Baustoff, der Schadstoffe absorbiert, elektrostatische Aufladung verhindert und pflegeleicht ist.
Kalkputz verhindert Schimmelbildung, und Naturfaserputze sind atmungsaktiv, wärmedämmend und schallabsorbierend.
Und auch bei außen anzuwendenden Dämmstoffen gibt es von Flachs, Hanf, Kork, Schilf bis Zellulose ein breit gefächertes Angebot an Naturdämmstoffen, die man braucht, um die Bewohner vor zu viel Kälte und Hitze zu schützen.
Sie sehen also: Es gibt genug Möglichkeiten, durch den bewussten Einsatz von entsprechenden Baumaterialien auf Ihre Gesundheit Rücksicht zu nehmen.

Sicher wohnen

Rücksicht nehmen sollte man beim Bauen und Einrichten auch auf die sichere und altersgerechte Ausstattung des Eigenheims. Noch immer belegt nämlich die Unfallstatistik, dass rund 80 Prozent der Unfälle von über 65-Jährigen im eigenen Haushalt passieren. Türschwellen, zu enge Gehbereiche, mangelnde Beleuchtung, zu hohe Stufen oder fehlende Handläufe bei Stiegenaufgängen sind die häufigsten Ursachen, die sich leicht eliminieren lassen, wenn man diese zunächst zukünftigen Problembereiche rechtzeitig berücksichtigt. Das hieße unter anderem Barrierefreiheit bei den Zugängen, Türen, die mindestens 80 Zentimeter breit sind und Sanitärbereiche, die so geplant sind, dass sie in jeder Lebenssituation etwas taugen.
Sicherheit heißt aber andererseits auch geeignete Maßnahmen zum Schutz vor Einbruch und Diebstahl zu treffen. Das Land Niederösterreich fördert übrigens die Sicherheit Ihres Zuhauses, wenn Sie eine Sicherheitstür, eine Alarmanlage oder eine Videoüberwachungsanlage einbauen lassen wollen.    

Herbststimmung im Eigenheim

Fragt sich nun noch, was wir tun können, um unsere eigenen vier Wände jetzt im Herbst so richtig auf Gemütlichkeit einzustellen. Draußen die leuchtenden Farben, die würzigen Gerüche und die kräftigen Stürme – jetzt wollen wir uns drinnen wirklich kuschelig-geborgen fühlen. Wenn Tageslicht als natürliche Lichtquelle mangelt, kann man kleine „Helfer“ einsetzen: Holz- oder Papierleuchten erhellen auch große Räume stimmungsvoll und eignen sich zudem hervorragend als Stilelemente. Der Blick in ein kleines Meer von Kerzenlichtern kann wie eine Extraportion Glückshormone wirken, und flauschige Wolldecken und viele, bunte Kissen tun ein Übriges, um nicht nur Herbst-, sondern auch echte Wohlfühlstimmung hervorzulocken. Zögern Sie nicht: Gestalten Sie Ihren Lebens- und Wohnbereich ganz nach Ihrem Geschmack, denn trautes Heim ist bekanntlich Glück allein.

Kleine Kulturgeschichte des Wohnens 

Die heutigen Assoziationen mit dem Begriff „Wohnen“ und auch viele Ausprägungen des Wohnens haben ihre grundlegenden Wurzeln im 19. Jahrhundert, im aufkommenden bürgerlichen Zeitalter. In dieser Zeit wurden Wohnung und Familie zum Rückzugsraum und Intimbereich des Bürgertums, auch weil die Industrialisierung das Arbeiten an andere Orte verlagert hatte. Die nun von Arbeitsfunktionen befreite Wohnung wurde zum trauten Heim, zum Gegenentwurf zur rauen Außenrealität. Gerade im Biedermeier wurde dieser neuen bürgerlichen Wohnkultur eine ästhetische Ausprägung gegeben, die teilweise bis heute fortwirkt.
Auch heute noch werden im westlichen Kulturkreis dem Wohnen eher Funktionen zugeordnet, die innerhalb dieses Kulturkreises als eher privat oder intim angesehen werden und die deshalb zum Teil aus dem öffentlichen Raum verbannt sind: Schlafen, Körperpflege, Zusammensein und Pflege von Gemeinschaft mit den vertrautesten Menschen, Austausch von Zärtlichkeit, Sexualität, Aufbewahren persönlicher Gegenstände sowie private Haushaltsführung.