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Volkssport Fußball – gesund oder gefährlich?

Wer sich für den Fußballsport entscheidet, sollte bereits eine körperliche Fitness mit auf den Sportplatz bringen.


 

OÄ Dr. Andrea Podolsky, Leiterin des Instituts für Präventiv- und Internistische Sportmedizin (IPAS) am Landesklinikum Krems

70.000 Zuschauer in der Münchner Allianz-Arena, Finale der UEFA Champions League. Einmal vor solch einer Kulisse einzulaufen, das ist der Traum vieler kleiner, aber auch etwas größerer Buben. Die Stimmung, das Interesse der Medien und Fans auf der ganzen Welt machen Fußball zu einer der faszinierendsten Sportarten der Welt. Auch in Niederösterreich träumen viele Kinder davon, einen Weg zu gehen wie etwa Christian Fuchs aus Pitten, Jahrgang 1986, der mittlerweile beim FC Schalke 04 einer der Stars in der deutschen Bundesliga geworden ist. Doch neben dieser tollen Seite am vermutlich beliebtesten Sport der Welt hört man immer
wieder von teilweise schweren Verletzungen. Sollte man den Nachwuchs zum Fußball schicken oder ihm doch lieber eine andere, ungefährlichere Sportart schmackhaft machen?

Koordination und Kondition

„Betrachtet man den Gewinn an koordinativen und konditionellen Fähigkeiten, der durch regelmäßiges Fußballspielen entsteht, kann man Fußball durchaus als gesund bewerten“, sagt Oberärztin Dr. Andrea Podolsky, Leiterin des Instituts für Präventiv- und Internistische Sportmedizin (IPAS) am Landes­klinikum Krems. „Man sollte körperlich fit sein, um verletzungsfrei Fußball spielen zu können. Wenn man das ist, trägt regelmäßiges Fußballspielen zur Aufrechterhaltung der Fitness bei“, sagt Podolsky.
Die Belastungen beim Fußball sind vielfältig. Acht bis zwölf Kilometer legen Fußballer in den 90 Minuten eines Spiels zurück – allerdings sind die Bewegungen völlig andere als beim normalen Laufen: Die Koordinationsfähigkeit nimmt durch Vorwärts-, Rückwärts- und Seitwärtsbewegungen mit schnellen Tempowechseln eine zentrale Rolle ein. Auswertungen aus Profiligen haben ergeben, dass Fußballer im Durchschnitt etwa 0,6 Prozent der Zeit in vollem Tempo sprinten, acht Prozent mit hohem Tempo laufen (etwa 21 km/h). Mehr als ein Drittel werden langsam gelaufen, 40 Prozent gegangen und 17 Prozent gestanden. Nur zwei Prozent der Spielzeit wird mit dem Ball am Fuß gelaufen.
Fußball stellt dadurch hohe Anforderungen an die Athletik, Sprintfähigkeit, Schnellkraft, Reaktionsvermögen sowie technisches und taktisches Geschick. Für viele Trainer ist die Körperkoordination einer der zentralen Punkte, die einen guten Fußballer ausmachen. Diesen Eindruck bestätigt auch Podolsky: „Fußball braucht viel Beinkraft und Körperwahrnehmung. Außerdem hat der Oberkörper eine wichtige Funktion bei der Kontrolle des eigenen Schwerpunkts.  Diesen kontrollieren zu können ist für gute Balltechnik und zur Verletzungsvorbeugung essentiell.“

Guter Start in ein bewegtes Leben

Schon die Kleinsten können mit etwa fünf bis sechs Jahren mit dem Fußballsport beginnen. Dann sollte man allerdings das Hauptaugenmerk auf den Umgang mit dem Ball legen. Empfehlenswert ist es auch, verschiedene Bewegungen zu lernen und sich nicht zu früh zu spezialisieren. Zwischen dem zehnten und zwölften Lebensjahr spricht man von einem „goldenen Lernalter“.
Zu diesem Zeitpunkt fällt es Kindern besonders leicht, koordinative Fähigkeiten zu erwerben. „In diesem Alter sollten verschiedene sportliche Techniken exakt erlernt und geübt werden“,
rät Podolsky. Schnelligkeit sollte gezielt gefördert werden, aber auch Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit mit Hilfe von funktionsgymnastischen Übungen. Nachdem in der Pubertät vor allem
darauf geachtet werden sollte, das Erlernte beibehalten zu können, kann nach Einsetzen der Geschlechtsreife mit dem Leistungssport begonnen werden.

Verletzungsrisiko Match

So schön der Fußballsport oft sein kann, Ver­letzungen bleiben bisweilen nicht aus. Etwas mehr als die Hälfte der Verletzungen betreffen die unteren Extremitäten, ein Drittel den Rumpf und die oberen Extremitäten, gefolgt von Kopf und anderen Körperteilen. „Etwa zwei Drittel sind leichte Verletzungen wie Abschürfungen, Prellungen und leichtere Sprunggelenksverletzungen“, sagt Podolsky. Nur etwa jede zehnte ist eine schwere Verletzung – hier dominieren Knieverletzungen. Am riskantesten ist dabei der Wettkampf, treten doch Verletzungen drei- bis viermal so oft im Spiel als im Training auf. Zudem ist das Verletzungs­risiko für Frauen beim Fußball höher als bei Männern. „Im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen verletzen sich Frauen etwa zwei- bis dreimal so oft am Knie, vor allem das vordere Kreuzband ist stark gefährdet“, sagt die Sportmedizinerin. In der Mehrzahl der Fälle ist allerdings kein besonders heftiger Zweikampf die Ursache für solch schwerwiegende Verletzungen. Zumeist entstehen Kreuzbandrisse ohne Fremdeinwirkung durch plötzliche Richtungsänderungen.
Vorbeugen kann man durch gezieltes Training, wie Podolsky erklärt: „Es gibt viel wissenschaftliche Evidenz dafür, dass ein gutes propriozeptives (Körperwahrnehmung, Anm.) Training, in dem die nervale Ansteuerung der Muskeln trainiert wird, die Verletzungshäufigkeit für vordere Kreuzbandläsionen um mehr als 70 Prozent senken kann.“ Darüber hinaus tragen auch eine gute konditionelle Basis, gute Technik und ausführliches Aufwärmen zur Verletzungsvorbeugung entscheidend bei. Ebenfalls nicht vergessen werden sollte auf ausreichende Ruhephasen und eine sportartgerechte Regeneration.

Nur gut trainiert auf den Platz

Vorsicht sei laut Podolsky bei sogenannten „Alt­herren-Partien“ geboten. „Mangelnde Kondition und Koordination machen verletzungsanfällig und daher sind solche Spiele oft gefährlich.“ Schwere Gelenksverletzungen, die daraus resultieren, können oft dazu führen, dass keine sportliche Tätigkeit mehr ausgeübt werden kann. „Das kann dann der Anfang von zunehmendem Übergewicht und sich ent­wickelnden chronischen Erkrankungen sein“, warnt sie. Wer sonst wenig Bewegung macht, sollte lieber auf ein Fußballmatch verzichten.
Wer aber fit genug ist, für den ist Fußball ein toller Sport – egal, ob hobbymäßig im kleinen Dorfverein oder bei großem Talent vielleicht einmal in der neugebauten NV-Arena in St. Pölten oder gar beim Champions-League-Finale.

 

Fußball in Niederösterreich

Dem Niederösterreichische Fußballverband (NÖFV), im Vorjahr 100 Jahre, gehören mehr als 500 Vereine mit 60.000 aktiven Fußballern an. Vier Profimannschaften aus NÖ spielen in der Saison 2012/13 Bundesliga:
In der tipp3-Bundesliga Admira (Maria Enzersdorf) und SC Wiener Neustadt, in der Heute für Morgen Erste Liga der SKN St. Pölten
und der SV Horn (nach Sieg in den Relegationsspielen gegen die WSG Wattens erstmals im Profifußball).
Vier Vereine des NÖFV (1. SC Sollenau, SKU Amstetten, Admira Amateure und SC Retz) nehmen an der gemeinsam mit dem Wiener und dem Burgenländischen Fußballverband ausgetragenen Regionalliga Ost teil. Darunter beginnen die Ligen des Landesverbands: In der 1. NÖN Landesliga wird der Landesmeister ausgespielt (derzeit der SC Retz, erstmals in der Vereinsgeschichte).
Die weiteren Ligen:

  • 2. Landesliga Ost und West
  • Gebietsliga Süd/Südost, West, Nordwest/Waldviertel und Nord/Nordwest
  • 1. Klasse Nord, Süd, West, Ost, Waldviertel, Nordwest, Nordwest-Mitte und West-Mitte
  • 2. Klasse Ybbstal, Yspertal, Alpenvorland, Traisental, Waldviertel  Süd, Waldviertel Thayatal, Donau, Pulkautal, Wachau, Schmidatal, Ost, Ost-Mitte, Steinfeld, Triestingtal, Marchfeld, Weinviertel Nord, Weinviertel Süd und Wechsel

Die Meister steigen in die entsprechende höhere Liga auf, während die Letztplatzierten in die nächstniedrigere Liga absteigen müssen. Daneben gibt es die beiden 3. Klassen (Hornerwald und Region Mistelbach), aus denen es allerdings keine Aufsteiger in die 2. Klassen gibt.
 

AKA St. Pölten NÖ

Für besonders leistungsorientierte und talentierte junge Fußballer und Fußballerinnen gibt es die St. Pöltner Fußballakademie, die seit dem Jahr 2000 vom Niederösterreichischen Fußballverband in enger Kooperation mit dem Spitzenklub SKN St. Pölten geführt wird. Neben einer Fußballausbildung auf Profiniveau bietet die AKA St. Pölten NÖ mit dem Bundesoberstufengymnasium für Leistungssportler und der Handelsschule für Leistungssportler auch eine umfassende schulische Ausbildung. Für auswärtige Jungkicker wird auch eine Internatsform im neuen Bundesschülerheim der Sportwelt NÖ in St. Pölten angeboten. Die jungen Fußballer werden ab der 9. Schulstufe von Profitrainern ausgebildet. Mit drei Mannschaften (U15, U16, U18) nimmt die AKA St. Pölten NÖ auch an der TOTO-Jugendliga, der Bundesliga für Nachwuchsmannschaften, teil und trifft dabei auf namhafte Gegner wie Rapid Wien, Red Bull Salzburg oder Austria Wien. Bis etwa Mitte Jänner kann man sich für die Akademie anmelden, danach folgen zwei Aufnahmetesttage in der NÖFV-Sportschule Lindabrunn. Nach erfolgreich bestandenem Aufnahmetest folgt eine sportmedizinische Untersuchung. Und dann steht einer großen Fußballkarriere nichts mehr im Weg.

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