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Neulengbach ist Österreichs Frauenfußball-Hauptstadt

Der NÖ-SV Neulengbach holte bereits zehn Meistertitel in Serie.


Die Frauenfußball-Mannschaft NÖ-SV Neulengbach

Während Niederösterreich bei den Herren bislang noch auf einen Meistertitel im Fußball warten muss, sind die Frauen des NÖ-SV Neulengbach Pflegeheim Beer die klare Nummer eins in der österreichischen Fußball-Landschaft: Zehn Mal in Folge konnten die Kickerinnen aus dem Wienerwald zuletzt den Titel in der ÖFB-Frauenliga, der höchsten Spielklasse, erringen. Auch die letzten zehn Ausgaben des Cup-Wettbewerbs entschied Neulengbach für sich. Bis zur 0:1-Niederlage gegen LUV Graz im Juni blieben die Neulengbacherinnen gar 62 Spiele auf nationaler Ebene ungeschlagen.
„Diese Erfolge kommen nicht von ungefähr. Sie sind das Resultat langjähriger Aufbauarbeit“, erzählt Sabine Brand, Sektionsleiterin der Neulengbacher Frauen: Im Jahr 1994 gab es im benachbarten Alt­lengbach eine Hobby-Frauenmannschaft, die bei
Turnieren und Festen dem runden Leder nachjagte. Etlichen Damen war das aber nicht genug und so wurde eine richtige Mannschaft gegründet. „Bruno Mangl hat uns 1996 in Neulengbach aufgenommen – ohne ihn wären unsere Erfolge nicht möglich“, sagt Brand. Die Tullnerin stieß schon 1995 als aktive
Spielerin zur Mannschaft und erlebte den kometenhaften Aufstieg hautnah mit.
Nach dem Wechsel nach Neulengbach stiegen die Frauen aus dem Wienerwald in die ÖFB-Frauenliga auf, in der sie sich sofort im Spitzenfeld etablierten. 2003 ging der erste von zehn Meistertiteln an den SV Neulengbach, und von da an spielte man auch auf internationaler Ebene. „Anfangs mussten wir immer Qualifikationsturniere bestreiten, da wir ja noch ein völlig unbeschriebenes Blatt waren.“ Seither sind sie für den seit 2009 in UEFA Women’s Champions League genannten Bewerb gesetzt, qualifizierten sich drei Mal für das Achtelfinale, waren also unter den 16 besten Frauenteams Europas – eine Ehre, von der die österreichischen Herrenteams weit entfernt sind. Trotz aller Erfolge bleibt Neulengbach nicht selten die Rolle des Außenseiters. „Wir sind ja alle Amateure, die den Fußballsport nur neben der Arbeit betreiben“, sagt Brand. Daher sei es auch immer wieder etwas Besonderes, wenn sich die Kickerinnen aus dem Wienerwald mit den absoluten Topadressen im europäischen Frauenfußball messen können. „Wenn man gegen Arsenal London, Olympique Lyon, Turbine Potsdam oder FFC Frankfurt spielt, ist das schon toll. Das sind Profis, die nichts anderes machen, als Fußball zu spielen“, erzählt Brand.
Neben den Spielen gegen die ganz Großen erleben die Fußballerinnen aber auch recht abenteuer­liche Reisen. Im Vorjahr beispielsweise traf man in der ersten Runde der Champions League auf Almaty, den Meister aus Kasachstan. „Ein Horror wegen der langen Anreise – hin und zurück samt Spiel in vier Tagen. Aber ein Erlebnis war das schon – nach Kasachstan kommt man ja sonst eher nicht“, lacht Brand. Gerade da war der Unterschied zu den Herren besonders deutlich: „Das Herren-Nationalteam war schon eine Woche vorher dort, das ist natürlich ein großer Vorteil.“ Nach den drei Achtelfinal-Einzügen wollen die Neulengbacherinnen unter die besten Acht in Europa kommen. Ob sie dieses Ziel bald erreichen oder nicht – dank der Fußballerinnen kennt man die kleine Stadt im Wienerwald mittlerweile von Kasachstan bis Portugal.