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Verhüten: Aber sicher!

Pille, Kondom, Spirale & Co: Bei der Wahl der richtigen Verhütungsmethode spielen auch die persönliche Lebenssituation und das Alter der Frau eine große Rolle.


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Gynäkologin Dr. Maria Hengstberger
Dr. Eva Rothe, Gynäkologin und Spezialistin für Kinder- und Jugendgynäkologie

Mehr als drei Viertel aller Österreicherinnen entscheiden sich für Empfängnisverhütung, der Anteil an jungen Frauen zwischen 16 und 29 Jahren beträgt dabei sogar 91 Prozent. Am liebsten greifen die Österreicherinnen zur Pille, mehr als die Hälfte tut dies täglich. Beliebt sind auch Hormonspirale (9 Prozent) und Dreimonatsspritze (7 Prozent). Das Kondom ist für 58 Prozent die Methode erster Wahl, so der Österreichische Verhütungsreport 2012. Daraus lässt sich schließen: Familienplanung ist zwar angesagt, in punkto Sicherheit der Verhütungsmethoden gibt es jedoch noch Nachholbedarf*. Wichtig bei der Auswahl der richtigen Verhütungsmethode ist aber auch die persönliche Lebenssituation: Teenies verhüten anders als ihre Mütter, Frauen in der Menopause haben andere Optionen als beispielsweise stillende Mütter. Wichtig ist es daher, mit Ärztin oder Arzt des Vertrauens die richtige Methode zu finden.

Verhütung für Jugendliche

Statistisch gesehen passiert „es“ bei Mädchen im Alter von 15 und 16 Jahren zum ersten Mal. Und mehr als jedes zweite Paar verwendet dabei ein Kondom. Das ist zwar löblich, denn immerhin schützt ein
Kondom auch vor sexuell übertragbaren Erkrankungen, jedoch nicht besonders sicher, was Verhütung betrifft. So etwa ist die Pille in dieser Altersgruppe eine gute Möglichkeit, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Dr. Eva Rothe, Gynäkologin und Spezialistin für Kinder- und Jugendgynäkologie in Baden: „Junge Frauen wollen in erster Linie mit der Pille verhüten, weil sie problemlos ist. Die Hormondosierung in modernen Pillen ist sehr niedrig, und es gibt eine breite Auswahl.“ Wichtig ist es daher, nicht einfach zu irgendeiner Pille zu greifen, nur weil sie günstig ist oder die Freundin sie auch nimmt. Ärztin oder Arzt kennt den Körper der Patientin und deren Lebensmuster und kann eine passende Pille empfehlen. Für ganz junge Frauen zwischen 15 und 18 eignen sich Pillen mit sehr geringer Östrogen-Gestagen-Konzentration. Allerdings sollten sich die Youngsters klar sein, dass die Pille nur wirkt, wenn sie täglich eingenommen wird. Junge Frauen, die nicht täglich eine Pille nehmen möchten, greifen am liebsten zum
Hormonpflaster, so die Erfahrung von Frauenärztin Eva Rothe: „Das Hormonpflaster hat eine ähnlich sichere Wirkung wie die Pille und ist für Jugendliche gut geeignet. Es bleibt für eine Woche auf der Haut kleben, danach wird gewechselt, nach drei Wochen folgt eine ,pflasterfreie‘ Woche.“

Die richtige Methode finden

Kritisch sieht die niederösterreichische Gynäkologin Dr. Maria Hengstberger den Umgang junger Mädchen mit hormonellen Verhütungsmethoden. „Fast selbstverständlich nehmen sie schon bald nach dem Auftreten der ersten Menstruation die Pille ein. Aus meiner Facharztpraxis weiß ich, dass kaum mehr eine junge Frau über die körperlichen Veränderungen des Zyklus Bescheid weiß, umso mehr, weil durch den Einfluss der Hormone die natürlichen Symptome des Zyklus unterdrückt werden.“ Diese Frauen haben keine Chance die Sprache des eigenen
Körpers zu verstehen, so die Gynäkologin. Andererseits, weiß Jugendgynäkologin Eva Rothe: „Für junge Frauen ist hormonelle Verhütung auch eine Möglichkeit, den anfangs meist noch instabilen Zyklus zu stabilisieren. Viele Mädchen und junge Frauen leiden an schmerzhaften Monatsblutungen, diese Beschwerden kann man mit hormoneller Verhütung in den Griff bekommen.“  Von der Dreimonatsspritze rät die Gynäkologin jungen Frauen jedoch ab. „Während Pille und Pflaster Kombinationspräparate aus Östrogen und Gestagen sind, ist die Dreimonatsspritze ein reines Gestagenpräparat, das für junge Frauen ungeeignet ist, da es den Knochenaufbau ungünstig beeinflusst.“ Östrogenfreie Methoden seien grundsätzlich nicht empfehlenswert, außer die Betroffene ist starke Raucherin und hat ein erhöhtes Thromboserisiko. Auch die Hormonspirale sei nichts für diese Altersgruppe: „Frauen, die noch nie geboren haben, empfinden die Spirale bzw. das Einsetzen der Spirale als schmerzhaft.“ Günstiger sei ein Verhütungsring, er lässt sich leicht selbst einsetzen und bleibt drei Wochen in der Scheide, wo er an die Scheidenschleimhaut geringe Hormonmengen abgibt.

Verhütung in der Lebensmitte

Egal, ob Sie schon geboren haben und vielleicht keine weiteren Kinder möchten, oder ob Sie die Familienplanung noch ein wenig reifen lassen wollen: Verhütung ist besonders in der Lebensmitte ein wichtiges Thema, und die Vielfalt an Verhütungsmethoden ist groß. Spitzenreiter im Verhütungs-Ranking ist die Pille. „Der Trend geht heute in Richtung Pillen, die naturidente Hormone enthalten“, weiß Eva Rothe. So etwa wird der Wirkstoff Ethinylestradiol zusehends von neuen, naturnahen Substanzen ersetzt. „Das
ist gut für Frauen ab 40, denen von der Pille bisher abgeraten wurde. Ab diesem Alter steigt nämlich das Herz-Kreislauf- und somit das Thromboserisiko – mit naturnahen Hormonen kann dieses Risiko trotz Pille minimiert werden.“ 

Verhütung nach der Geburt

Und wie verhütet frau gleich nach der Geburt? Während der Zeit des Stillens bekommen Frauen meist keinen Eisprung und sind daher theoretisch unfruchtbar. In der Stillzeit bildet sich nämlich das Hormon Prolaktin, das den Eisprung verhindert.
Stillen ist keine Verhütungsmethode. In dieser Zeit sollte frau allerdings, wenn sie hormonell verhüten möchte, auf Kombinationspräparate verzichten und eher zu niedrig dosierten Gestagenpräparaten greifen, wie etwa die Hormonspirale oder Dreimonatsspritze. Für natürliche Methoden ist der Zyklus
während der Stillzeit meist zu instabil. Zwischen 40 und 44 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden,  immerhin noch bei zehn Prozent, ab 45 bei zwei bis drei Prozent. Verhüten sollte man trotzdem. Gerade in dieser Altersgruppe wird auch ein Schwangerschaftsabbruch zunehmend riskanter.

Verhütung in der Menopause

Viele Frauen erleben die Wechseljahre als eine Zeit des Umbruchs, Lust und Libido spielen auch in dieser Lebensphase eine wichtige Rolle. Gynäkologin Maria Hengstberger erklärt: „Durch die Pubertät müssen wir durch, im ‚Wechsel‘ bleiben wir bis an unser Lebensende. Im Körper jeder Frau werden auch nach dem Wechsel unterschiedliche Mengen an Restöstrogenen gebildet. Übergewichtige Frauen können in dieser Hinsicht sogar bevorzugt sein, da besonders im Unterhautfettgewebe Enzyme gebildet werden, die Hormonvorstufen aus den Neben­nierenrinden in Östrogene umwandeln können. Frauen mit mehr Restöstrogenen können tatsächlich fast beschwerdefrei sein oder gut mit der Einnahme von pflanzlichen Hormonen zurechtkommen. So erlebt jede Frau ihren Wechsel anders.“ Viele Frauen sind in dieser Zeit pillenmüde, weil sie Risiken durch die starke Hormonbelastung fürchten. Liegen jedoch keine gesundheitlichen Bedenken vor, können sie eine niedrig dosierte Pille einnehmen, sofern sie nicht rauchen und nicht übergewichtig sind. Wer zu Thrombose neigt, könnte mit einem reinen Gestagenpräparat wie etwa Hormonspirale oder Dreimonatsspritze eine Alternative finden. Expertin Rothe rät: „Frauen um die 50, die einen regelmäßigen
Zyklus haben, empfehle ich die östrogenfreie Hormon­spirale, auch die Kupferspirale ist in dieser Altersgruppe eine probate Verhütungsmethode.“ Eher verzichten sollten Sie auf natürliche Verhütung oder Verhütungscomputer, die unregelmäßigen
Zyklen sprechen gegen diese Methoden. Wie in
allen Lebens­phasen ist es auch hier wichtig, sich mit Ärztin oder Arzt zu beraten.

Die beliebtesten Verhütungsmethoden

  • Anti-Baby-Pillen enthalten eine Kombination aus Östrogen und Gestagen. Eine regelmäßige Einnahme vorausgesetzt ist die Pille eines der sichersten Verhütungsmittel. Da die Pille in den natürlichen Hormonhaushalt eingreift, kann sie eine Reihe von Nebenwirkungen auslösen, wie etwa Brustspannen, Müdigkeit oder Kopfschmerzen. Moderne Präparate sind jedoch so niedrig dosiert, dass Nebenwirkungen nur selten auftreten.
  • Dreimonatsspritze, Hormonspirale und Hormonimplantat sind ausschließlich gestagenhältige Verhütungsmethoden. Reine Gestagenpräparate haben geringe Nebenwirkungen, dafür aber den Nachteil, dass es zu Unregelmäßigkeiten, Zwischenblutungen oder zu einer nur schwachen Monatsblutung kommen kann. Diese Methoden sind ideal für Frauen, die hormonell verhüten wollen, aber keine Östrogene wollen oder vertragen (z. B. Frauen mit erhöhtem Thromboserisiko); für junge Frauen ungeeignet.
  • Hormonpflaster, „Pille zum Kleben“, sind seit 2003 auf dem Markt. 4,5 x 4,5 cm groß, hautfarben, bleibt jeweils sieben Tage am Bauch, Po, Oberarm oder Oberkörper kleben. Das Pflaster enthält eine Östrogen-Gestagen-Kombination, es verhindert den Eisprung und verdickt den Schleimpfropf im Gebärmutterhals. Gut für Frauen, die mit der Pilleneinnahme Probleme haben oder unregelmäßig leben, sowie für junge Frauen.
  • Die Spirale wird bei einem kleinen Eingriff von Ärztin oder Arzt in die Gebärmutterhöhle eingesetzt, wo sie das Einnisten eines befruchteten Eies verhindert. Sie bildet eine mechanische Barriere, um das Ei am Einnisten zu hindern. Kupfer- und Hormonspiralen wirken zusätzlich durch klein dosierte Kupfer- bzw. Hormonabgaben und bieten dadurch einen zusätzlichen Schutz. Die Spirale kann drei bis fünf Jahre in der Gebärmutter bleiben. Eignet sich jedoch nur für Frauen, die bereits geboren haben, da das Einsetzen bei Frauen, die noch nicht geboren haben, schmerzhaft ist. Hormonspiralen sind überdies östrogenfrei, daher für junge Frauen nicht geeignet, weil ungünstig für den Knochenstoffwechsel.
  • Die Kupferkette sieht zwar nicht aus wie eine Spirale, wird aber von der Wirkungsweise her zu dieser Gruppe gezählt. Sie besteht aus sechs kleinen Kupferröhrchen, die wie eine Kette an einem Nylonfaden aufgefädelt sind. Am Ende des Fadens befindet sich ein winziger Knopf – dieser wird an der Gebärmutterwand fixiert. Der Vorteil gegenüber den T-förmigen Spiralen: Sie passt sich flexibler der Gebärmutterhöhle an und verursacht daher seltener Schmerzen oder Blutungen. Sie wirkt, indem sie Kupferteilchen abgibt. Dadurch kommt es zu einer Mini-Entzündung, die auch die Spermien abtötet. Darüber hinaus behindert sie die Wanderung der Spermien. Eine befruchtete Eizelle kann sich nicht mehr einnisten.
  • Natürliche Methoden: Kalendermethode (Knaus-Ogino-Methode), Temperaturmethode (Basaltemperaturmessung), Schleimstrukturmethode (Billings-Methode), Rötzer-Methode (Symptothermale Methode) haben eines gemeinsam: Sie setzen ein hohes Maß an Selbstdisziplin voraus. Sie sollten Ihren Körper sehr genau kennen, um diese Methoden erfolgreich anzuwenden. Ein Monatszyklus schwankt zwischen 24 und 36 Tagen – Stress, psychischer Druck, ein unregel­mäßiger Lebensstil oder Medikamenteneinnahme können den Zyklus beeinflussen und so die Sicherheit der natürlichen Familienplanung verringern.
  • Mikrocomputer berechnen die fruchtbaren Tage nach unterschiedlichen Prinzipien. Einerseits können sie die Hormonkonzentration im Urin bestimmen, andererseits die Körpertemperatur am Morgen messen und statistisch verwerten. Je mehr Monatszyklen im Computer gespeichert sind, desto genauer kann er die fruchtbaren Tage hochrechnen. Verhütungsmittel ist der Computer nicht, er verbessert nur die Auswertung der Daten und kann den Zyklus relativ exakt berechnen, vorausgesetzt dieser ist weitgehend regelmäßig.
  • Pille danach: Sie ist nur im Notfall anzuwenden. Bei rechtzeitiger Einnahme (bis spätestens 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr) verhindert sie die Befruchtung bzw. die Einnistung einer befruchteten Eizelle in die Gebärmutter.
    In Österreich sind derzeit drei Produkte erhältlich. Zwei sind reine Gestagen­präparate (apothekenpflichtig), ein neues, etwas länger wirksames Präparat (rezeptpflichtig) enthält den Wirkstoff Ulipristalacetat.