< vorhergehender Beitrag

Unter Spannung

GESUND+LEBEN-Redakteurin Sonja Lechner hat EMS ausprobiert – und ließ sich unter Strom setzen.


Volle Konzentration vom Scheitel bis zur Sohle. Positiver Effekt: Danach fühlt man sich rundum fit.

Schon während meiner Ausbildung zur Physiotherapeutin war mein Verhältnis zur Elektrotherapie klar – anlegen ja, aber selbst probieren? Nein. Kein Strom durch meinen Körper. Und nun der Auftrag: „EMS ausprobieren“. Bei den Vorrecherchen am Computer sprangen sie mich quasi an, die Bilder von den Stromkabeln, die vom Anzug zum Gerät gingen. Verunsichert frage ich meine besten Freundinnen. Freundin 1 grinste süffisant und meinte trocken: „Zwei Worte: unglaublicher Muskelkater!“ Freundin 2 traf ins Schwarze: „Wenn du nicht genau beim Stromschlag anspannst, dann tut es voll weh.“ Na toll.

Analyse zu Beginn

Ich lande in den frühen Morgenstunden im Sportstudio Bader in Wiener Neustadt. Ein bestens gelauntes Team und das schöne Ambiente machen Lust auf Bewegung, den Strom verdränge ich. Erste Kunden treffen ein, vom Alter und vom Geschlecht bunt gemischt. Und nicht nur solche, denen man den Vollblutsportler schon auf den ersten Blick ansieht. Für mich steht zuerst eine Bio-Impedanz-Analyse auf dem Programm (zur Messung der Zusammensetzung des Körpers mit Muskeln, Fett, Wasser), ein Muskeltest und das Maßband. Meine Einschätzung bestätigt sich: Arme und Beine sind dem Rumpf an Muskelkraft überlegen. Mehr Muskelmasse ist nicht nötig, aber fordern muss ich die Muskeln schon.
Ich ziehe die schwarze Spezialunterwäsche an, dann die Kabeljacke. Sie ist feucht – lauwarm, aber nicht unangenehm. Arme und Beine bekommen zusätzliche Elektroden, alles wird an mir richtig festgezurrt. Im Trainingsraum mit Spiegelwand zur Selbstkontrolle werden die Elektroden mit dem EMS-Gerät verbunden. Mag. Claus Bader erklärt den Ablauf und wir starten mit der Grundposition in leichter Hocke. Der Ablauf ist bald im Kopf verankert, ein Lichtbalken auf dem Gerät zeigt Anspannungs- und Entspannungsphase an. Beim Anspannen muss ich die Ganzkörperspannung herstellen, das Gerät gibt den Stromimpuls.

Meine Angst vor Strom hatte ich verschwiegen (ist ja irgendwie peinlich), sie mit einer höheren Empfindlichkeit diskret umschrieben. Sanft schaltet Bader in den folgenden Spannungseinheiten jeweils den Strom für eine Muskelgruppe zu, bis alle Elektroden mit Strom versorgt sind. Die Dosis bestimme ich. Beim ersten Mal fühle ich ängstlich nach, ob es schmerzt. Aber es ist ein Kribbeln, das nicht unangenehm ist. Nun wird die Grundstellung variiert, Geräte wie Bälle und Stange kommen hinzu. Die Spannungseinheiten sind zwar mit wenigen Sekunden kurz, aber auch die gleichlange Pause dazwischen. Ich bin ganz schön gefordert.
Ein wichtiger Aspekt für mich als Physiotherapeutin ist bei jedem Training, wie viel ich falsch machen kann. Hier ist mein Trainer die ganze Zeit an meiner Seite und hat mich wirklich im Blick. Da gibt es kein Vergessen auf die Bauchspannung oder schlechte Rückenhaltung. Und man kann auch nicht schummeln – vergessen Sie die kleinen Tricks aus der Aerobic-Stunde wie plötzlich Schuhe binden oder trinken. Jetzt ist mir auch klar, warum eine Viertelstunde reicht – diese 15 Minuten werden trainiert. Die Stromschläge empfinde ich mittlerweile als kleine Erinnerungshilfe, auch überall anzuspannen. Einmal bin ich zu spät mit dem Anspannen, und der Strom kommt vor meiner Spannung – auch das tut nicht weh. Es ist eher ein Anstupsen zum Arbeiten.

Zeitsparend und effizient

Und plötzlich heißt es, wir seien fertig. Was, schon? – So schnell ist die Zeit beim Krafttraining noch nie vergangen. Beim Umziehen spüre ich in den Muskeln dieses angenehme Gefühl wie nach einem Training. Für mich eine Bestätigung, ein positives Feedback. Das Fazit zum EMS: Es ist genau mein Ding. Zeitsparend, effizient und dank des exzellenten Trainers präzise und sicher. Angenehmer Nebeneffekt: Egal ob man mit Stress oder Sorgen kommt, hier ist nur Raum für das Trainieren. Und danach fühlt man sich einfach topfit. Ich plane schon ein nächstes Mal. Nun kann ich das Training und meine Leistungsfähigkeit einschätzen und weiß: Da geht schon noch einiges, auch bei der Stromstärke!

Fotos: gerald lechner