„Unsere ganze Liebe steckt im Tanzen“
Sonja und Rudi Steinauer aus Waidhofen/Ybbs tanzen gemeinsam durch Dick und Dünn, teilen Erfolge wie Misserfolge, am Parkett und privat.
„Es gibt nichts Schöneres, als nach einem Arbeitstag seine Frau so nahe an sich zu spüren“, schwärmt der gebürtige Ybbsitzer Rudolf Steinauer über den intensiven Körperkontakt beim Tanzsport. Fast täglich trainieren er und Ehefrau Sonja für ihre größte Leidenschaft – und das neben Vollzeit-Jobs: Er bei Bene, sie im Landesklinikum Waidhofen/Ybbs. „Unsere ganze Liebe steckt im Tanzen.“
Im Jahr 2000 begannen die beiden hobbymäßig mit traditionellen Tanzkursen. „Sonja hat mich erst überreden müssen“, lacht Rudi Steinauer. Doch der Funke sprang schnell über. Sie besuchten alle Grundkurse, dann „Tanzclubs mit einem richtigen Tanztrainer. Und ab da ging es los“, erinnert sich das Waidhofener Paar. Nach einem halben Jahr nahmen Rudi und Sonja bereits an ihrem ersten Turnier teil: „Es lief gut und so gaben wir weiter Gas.“ Im Amateurtanzsport gibt es fünf Klassen, beginnend mit D, über C, B, A und schließlich S, die Sonderklasse. „Unser größtes Ziel war erst die Klasse B, ab da darf der Mann einen Frack und die Dame ein Turnierkleid tragen“, erklärt Rudi Steinauer. „Aber dann konnten wir nicht mehr aufhören.“ Und so kämpften sich die beiden in die Sonderklasse empor.
Training mit einem Weltmeister
Hinter ihrem Erfolg steckt ein enormer Aufwand: Die beiden trainieren derzeit mit Österreichs Top-Tanztrainer Peter Pfluger sowie einmal im Monat mit ihrem „Highlighttrainer“, dem sechsfachen Weltmeister Paolo Bosco. Dafür nehmen sie sieben Stunden Fahrtzeit nach Italien in Kauf. „Zu Paolo kommen Paare aus der ganzen Welt, aus Russland, Norwegen oder Kanada“, erzählt Sonja Steinauer. Und Rudi ergänzt: „Mit ihm zu trainieren ist extrem anstrengend, aber genial. Da kommen wir total an unsere Grenzen. Nach vier Stunden Training bei Paolo ist mein Hirn komplett leer.“ Ehefrau Sonja lacht: „Bei mir ist es voll.“
Neben dem technischen und choreographischen Training absolvieren die beiden fast täglich noch Ausdauer- und Krafttraining. Einen Tag in der Woche ist Pause. Ein Physiotherapeut unterstützt das Paar, und ihr Sportarzt ist für sie von höchster Wichtigkeit: „Man muss sich unbedingt betreuen lassen, sonst kann einen der Leistungssport kaputt machen.“
Tanzen für Ruhm und Ehre
Rudi und Sonja Steinauer sind voll berufstätig. Der gelernte Tischler arbeitet seit 20 Jahren bei der Waidhofener Firma Bene. Sonja Steinauer absolvierte die Akademie für Biomedizinische Analytik und arbeitet seit 18 Jahren im Labor des Landesklinikums Waidhofen/Ybbs, das sie seit 2004 auch leitet. Vor kurzem schloss sie berufsbegleitend eine Management-Ausbildung für Gesundheitsberufe ab.
„Viele Paare, die international vorne mit dabei sind, sind nicht oder nicht voll berufstätig. Aber wir müssen, sonst könnten wir uns den Sport nicht finanzieren.“ Neben den Tanzstunden müssen sich die beiden nämlich auch um das perfekte Aussehen kümmern – ein Turnierkleid kostet 2.000 bis 3.000 Euro. Bei den Turnieren gibt es fast nie Preisgelder, „nur Ruhm und Ehre“, lächeln die beiden, „und eine bessere Platzierung in der Rangliste.“
Bei der Weltmeisterschaft S1 am 5. Oktober in Dresden wollen Rudi und Sonja Steinauer die Qualifikation für das Semifinale erreichen. „Das ist unser größtes Ziel. Und wir möchten einmal österreichischer Meister werden!“ Und die Pläne für die weitere Zukunft? „Wir werden nie mit dem Tanzen aufhören. Bei internationalen Bewerben gehören wir aber schon zum alten Eisen. Nach zwölf Jahren sind wir am Ende unserer Leistungskapazität.“ Eine Trainerausbildung würden sie aber gerne machen und dann mit Paaren arbeiten, die Leistungen bringen wollen und die sie motivieren können. Besonders für ältere Paare sehen Rudi und Sonja Steinauer enorme Chancen im Tanzsport: „Tanzen hält geistig auf einem Mega-Niveau, ist gesund für den gesamten Bewegungsapparat und bedeutet keine Überbelastung. Es trainiert besonders den Kopf, denn man muss enorm viel denken. Die geistige Wendigkeit ist erforderlich, um den gehörten Takt bis hinunter in die Bein zu bringen. Unser zukünftiges Ziel ist es, Tanzpaaren bei Privatstunden unser Gefühl und unsere Liebe zum Tanzen zu vermitteln!“
Ihre größten Erfolge
- sechsfache NÖ-Landesmeister
- zweifache österreichische Vizemeister
- 24. Platz (Viertelfinale) bei der Weltmeisterschaft in Antwerpen, Belgien, 2012
- Finalplätze bei vielen internationalen Turnieren
Macht Tanzen gesund?
GESUND&LEBEN fragt Sportärztin Dr. Andrea Podolsky.
Was macht das Tanzen mit dem Körper?
Wenn sich zwei Verliebte zu später Stunde eng umschlungen zu Musik bewegen, bedeutet das für das Herz-Kreislauf-System und den Bewegungsapparat eine ähnlich geringe Belastung wie ganz langsames Gehen. Leistungssportliche Darbietungen wie zum Beispiel Turniertanzen fordern von den Ausführenden ein Maximum an koordinativen Eigenschaften (Gleichgewicht, Orientierungsfähigkeit, Rhythmusfähigkeit) und konditionellen Fähigkeiten (Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit). Je schneller die Bewegungen, desto höher die Beanspruchung des Herz-Kreislauf-Systems, je mehr Sprünge und Hebefiguren, desto höher der Kraftaufwand. Mit der Komplexität der Choreographie steigen die koordinativen Anforderungen.
Ist es für die Gesundheit egal, welche musikalische Richtung man bevorzugt?
Gerade beim Tanzen ist gut, was Spaß macht. Tanzen wird nur selten als Konditionstraining verwendet – Ausnahme ist das Zumbatanzen, das in letzter Zeit eine willkommene Bewegungsart für Menschen ist, die sich sonst nicht so leicht zu Bewegung motivieren können. Tanzen verbraucht Energie und ist gut für den Stoffwechsel (Verbrennung von Kohlenhydraten und Fetten in den Muskeln – allerdings nicht allzu viel). Für mindestens genauso wichtig halte ich die Schulung von Körperwahrnehmung, Haltung und Koordination, alles nicht zu unterschätzende Faktoren, die auch das Gehirn fit halten.
Wie viel Tanzen ist gesund?
Internationale Fachgesellschaften empfehlen, dass gesunde Erwachsene zwei bis fünf Stunden pro Woche mit zumindest moderater Intensität körperlich aktiv sein sollten (worunter auch die meisten Tänze fallen) oder zumindest ein bis zweieinhalb Stunden pro Woche mit höherer Intensität (z. B. Laufen, Bergsteigen, sportliches Radfahren, sehr schnelle Tänze). Tanzen kann einen Teil dieser Aktivität abdecken. Um gut tanzen zu können, ist Übung nötig, die bekanntlich den Meister macht.
Worauf muss ich achten, wenn ich neu einsteige?
Dass vor allem Springen für den Bewegungsapparat sehr anstrengend ist und dass die Füße leiden können, wenn man sich ungewohnt lang im Zehenstand bewegt. Wenn man eine neue Bewegungsform erlernt, sollte man dem Körper Zeit lassen, sich anzupassen. Bei lokalen Schmerzen in Füßen, Waden oder Gelenken sollte man besonders fordernde Elemente beim Tanzen reduzieren.
OA Dr. Andrea Podolsky ist Fachärztin für Innere Medizin und Internistische Sportmedizin und leitet das Institut für Präventiv- und angewandte Sportmedizin im Landesklinikum Krems
Landesklinikum Krems
Mitterweg 10
3500 Krems
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