Tanzen nach Buchstaben
Bokwa, der neue Fitnesstrend nach Zumba, erobert nun auch Österreich. Dabei werden Buchstaben und Zahlen nachgetanzt. Klingt einfach – ist es auch. GESUND&LEBEN hat das Workout einmal genauer unter die Lupe genommen.
„Bokwa macht unheimlich viel Spaß“, strahlt Doris Schartner, Bokwa-Trainerin aus Krems, „denn man lernt es schnell und jeder kann mitmachen.“ Das neue Tanzworkout begeistert die zweifache Mutter seit einem halben Jahr, Bokwa-Stunden gibt sie seit Anfang September. Obwohl Bokwa noch relativ unbekannt ist, findet man in Österreich immer öfter Kursangebote. Doch was genau ist Bokwa? „Es ist ähnlich wie eine Aerobic-Stunde, bei der Zahlen und Buchstaben nachgetanzt werden. Ich würde es als Mix aus Ausdauertraining und Tanzelementen beschreiben.“
Bokwa-ABC
Der Trend kommt – wenig überraschend – aus den USA. Paul Mavi, der Gründer von Bokwa, wollte ein neues Workout kreieren, bei dem es keine Choreographie gibt und wo wirklich jeder mitmachen kann. Aus dieser Idee ist Bokwa entstanden. Es setzt sich aus zwei Elementen zusammen: Dabei steht „Bo“ für Boxen und „Kwa“ für Kwaito, ein afrikanischer Kampftanz. Zusätzlich zu den Bewegungen aus Kickboxen und Kwaito fließen auch Elemente aus Step-Aerobic und Capoeira ein.
Ein weiteres Hauptmerkmal ist das „Bouncen“: „Das ist für mich das entspannendste Element, denn beim Hüpfen lockert sich die verspannte Muskulatur wie von selbst und der Alltagsstress fällt ab“, schildert Schartner. Mavi hat sich das Hüpfen angeblich bei Kindern „abgeschaut“ und kombinierte es mit einfachen Schrittfolgen. Vorlage für die Schritte sind Buchstaben und Zahlen, die man sich am Boden vorstellt und abschreitet. Jede Schrittkombination wird mit einem speziellen Handzeichen angezeigt (siehe Fotos 46). „Zeige ich zum Beispiel ‚L‘ an, wird so lange dieser Schritt getanzt, bis ich einen neuen Buchstaben anzeige“, erklärt Schartner.
Bokwa versus Zumba
„Bokwa ist so ähnlich wie Zumba, aber man tanzt Buchstaben nach“ – so ähnlich hört sich das an, wenn man jemandem Bokwa erklären will. „Das stimmt allerdings nicht“, weiß die Bokwa-Trainerin, „denn Bokwa kann man nicht mit Zumba vergleichen und umgekehrt. Bokwa ist eine neue Entwicklung im Fitnessbereich, denn es gibt hier keine Choreographie.“ Bei Zumba – und in anderen Aerobic-Stunden – wird eine Choreographie einstudiert, die anschließend öfters wiederholt wird.
Bokwa hingegen setzt auf Buchstaben und Zahlen, die abwechselnd nachgegangen, gehüpft oder gesprungen werden. Kombiniert wird das Ganze mit Kickbox-Elementen, Drehungen und „Shakes“ – Powackeln, Hüftkreisen und Co. Außerdem wird bei Zumba auf lateinamerikanische Musik gesetzt, während bei Bokwa aktuelle Charts aus den Boxen dröhnen.
Die einzige Gemeinsamkeit dürfte das Marketing-Konzept sein, das hinter den beiden Fitnesstrends steht. Zumba und Bokwa sind geschützte Marken: Das heißt, es gibt ein eigenes Logo, spezielle Kleidung, Musik und Workshops. „Bokwa wird noch nicht so stark beworben, wie das anfangs bei Zumba der Fall war, da wurde die Werbetrommel viel intensiver gerührt“, weiß Schartner, „bis jetzt ist Bokwa noch relativ unbekannt. Ich denke, das wird sich in den nächsten Monaten aber ändern.“
Für Jung und Alt
„Bei Bokwa kann wirklich jeder mitmachen“, erklärt Schartner, „denn jeder kann sich sein Level selbst wählen“. Für jeden Schritt gibt es nämlich verschiedene Schwierigkeitsstufen. Beim Grundschritt „1&1“ „bounct“ man am Schluss: Dieses Bouncen kann man entweder ganz locker machen oder man springt bzw. macht einen Wechselschritt am Stand – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Je nach Alter, Lust und Laune, Fitnesszustand oder gesundheitlichen Einschränkungen kann jeder bei einer Bokwa-Stunde mitmachen.
Für Schartner, Mutter von zwei Kindern, ist das ein großer Vorteil: „Meine siebenjährige Tochter kann ich in die Stunde mitnehmen und sie macht ganz begeistert mit. Auf der anderen Seite sind ältere Damen in meinem Kurs, die genauso gut mitkommen.“ Bokwa spricht vor allem Jüngere an, da sie die Musik kennen und sich jeder individuell auspowern kann. „Ich habe in letzter Zeit auch Anfragen erhalten, Bokwa in Schulen vorzustellen. Das freut mich besonders“, meint Schartner. Und auch Männer soll Bokwa anlocken: Einfache und relativ geradlinige Schritte, gepaart mit Kickbox-Elementen – das spricht das männliche Publikum mehr an als lateinamerikanische Schritte bei Zumba. Also ein Fitnesstraining für jeder„mann“.
Schweißtreibendes Training
„Bokwa ist ein forderndes Ganzkörpertraining, man kommt dabei ganz schön ins Schwitzen“, versichert die Trainerin. Wie auch bei anderen Aerobic-Einheiten wird vor allem die Ausdauer trainiert. „Ich mache beim Warm-up oft Kräftigungsübungen mit meinen Kursteilnehmern, damit auch etwas Muskeltraining dabei ist“, berichtet Schartner. Bei Bokwa wird hauptsächlich die Beinmuskulatur gestärkt. Kombiniert man die Schritte mit Armbewegungen, spürt man das Workout am nächsten Tag auch in den Armen. Sprünge trainieren hingegen vor allem die Waden-, Bein- und Gesäßmuskulatur. „Wenn man intensiv und auf einem hohen Level mitmacht, verbrennt man etwa 1.200 Kalorien. Ich schätze, im Durchschnitt verbrennen wir in meinen Stunden um die 500 Kalorien.“
Drehungen auf einem Bein oder spezielle Schrittfolgen fördern zusätzlich die Koordination und Beweglichkeit – Bokwa ist daher ein optimales Allround-Training.
Der neue Trend?
Die Fitnessbranche wird nicht müde, uns mit neuen Trends aus dem Aerobic-Bereich zu versorgen. Doch wird nun Bokwa Zumba überholen oder gar verdrängen? „Ich glaube, beide werden in Zukunft nebeneinander gleichwertig existieren. Die Leute, denen Zumba gefällt, aber die Choreographie zu schwierig ist, haben mit Bokwa eine gute Alternative. Sie werden sich entweder für das eine oder das andere entscheiden – oder beides machen“, meint Schartner. Jeder, der Spaß an Sport in einer Gruppe hat, sich gern zu Musik bewegt und Lust auf etwas Neues hat, ist bei Bokwa gut aufgehoben. Und allen anderen sei gesagt: Der nächste Fitnesstrend kommt bestimmt.
Bokwa in Österreich
Bokwa wird schon in einigen Fitnesscentern, privat oder in Volkshochschulen angeboten. Einfach dort nachfragen oder unter www.bokwa.at nach Kursen in der Umgebung suchen.
Die ersten Bokwa-Schritte
- 1&1: Der Bokwa-Grundschritt „1&1“ beginnt mit zwei Schritten vorwärts, beginnend mit dem rechten Bein, dann wird mit dem rechten Bein gekickt.
Es folgen zwei Schritte zurück, am Schluss wird am Stand zweimal „gebounct“. - L: Beim Bokwa „L“ beginnt man in der Ecke des L und macht zuerst den Grundschritt „1&1“. Anschließend steigt man mit dem rechten Bein einen Schritt nach rechts, schließt mit dem linken Bein und „bounct“ zweimal am Stand. Dann steigt man mit dem linken Fuß nach links und schließt mit dem rechten Bein.
- C: Beim Bokwa „C“ beginnt man am unteren Ende des C. Man steigt einmal nach links, einmal mit dem rechten Bein nach vorne, dann mit dem rechten Fuß nach rechts, „bounct“ zweimal. Anschließend steigt man das C wieder zurück.
- J: Mit „1&1“ beginnen, das ist der lange Strich des J. Dann den unteren Bogen des J einleiten: Leicht diagonal nach links hinten auf das linke Bein springen, rechtes Bein nach hinten anwinkeln. Mit dem rechten Arm
- Richtung Boden boxen, linken Arm anwinkeln. Dreimal auf dem linken Bein den unteren Bogen des J abspringen, zum Abschluss einen Schritt nach rechts.
LEXIKON
- Name: Der Name Bokwa setzt sich aus zwei Elementen zusammen: Das „Bo“ steht dabei für Boxen, das „Kwa“ für Kwaito – ein afrikanischer Tanz. Beide Elemente kommen in dem neuen Tanzworkout vor, genauso wie das typische Schreien aus dem Kampfsport.
- Gründer: Der Gründer heißt Paul Mavi und kommt aus den USA. Er wollte ein Workout ohne Choreographie und Zählschritte kreieren, bei dem jeder mitmachen kann. Der Trend breitet sich nun über die USA und den asiatischen Raum auch zunehmend in Europa aus.
- Die Schritte: Bei Bokwa steigt man Buchstaben und Zahlen nach, die man sich auf dem Boden vorstellt – etwa L, C, B oder 1 und 3. Für jeden Schritt gibt es verschiedene Variationen und Armbewegungen. Hauptmerkmal ist auch das „Bouncen“, bei dem man auf dem Vorderfuß wippt.
- Musik: Bei Bokwa wird hauptsächlich aktuelle Chartmusik verwendet. Das soll auch ein jüngeres Publikum anlocken.
- Level: Es gibt insgesamt sechs Level, in Österreich wird bisher nur bis Level 2 unterrichtet. Auch die Trainerausbildung für die höheren Levels steckt noch in den Startlöchern.
- Beanspruchte Muskeln: Bokwa ist ein Ganzkörpertraining bei dem vor allem die Beinmuskulatur trainiert wird. Wird viel „gebounct“ oder gehüpft, dann werden besonders die Wadenmuskeln beansprucht. Baut der Trainer viele Boxelemente ein, trainiert dies auch die Arme.
- Kalorienverbrauch: In einer sehr intensiven Stunde können bis zu 1.200 kcal verbrannt werden. In einer durchschnittlich anstrengenden Stunde liegt der Verbrauch etwa bei der Hälfte oder etwas darunter.
- Geeignet für: Bei Bokwa kann jeder mitmachen, der Spaß an der Bewegung und Musik hat. Das Motto lautet: „Wenn du zählen und buchstabieren kannst, dann kannst du Bokwa“. Und das stimmt: Das Workout eignet sich für Jung und Alt, Frau und Mann, denn jeder kann sich sein Level selbst wählen. Man entscheidet selbst, ob man eher mehr oder weniger springt, Armbewegungen mitmacht oder auslässt oder ob man viel oder wenig „bounct“.





