Der Missionar aus Afrika
Pfarrer, Feuerwehrmann und Sohn eines Häuptlings: Mag. Dr. Emeka Emeakaroha ist in zwei Kulturen zuhause.
Wenn in Ober-Grafendorf die Sirene heult, eilt Emeka Emeakaroha (42) zum Rüsthaus. Der gebürtige Nigerianer ist Pfarrer und der erste schwarze Feuerwehrmann Österreichs. Was für manchen ein ungewöhnlicher Anblick sein mag, ist für die Ober-Grafendorfer liebgewordene Realität: Der Herr Pfarrer muss zum Einsatz. Seit 1995 lebt Emeka bereits in Österreich, kam wegen der Partnerschaft zwischen seiner Heimatdiözese in Nigeria und der Diözese St. Pölten hierher. Er erhielt ein Stipendium und betreut derzeit die beiden Pfarren Ober-Grafendorf und Weinburg. „Als ich in die Gemeinde kam, habe ich die Feuerwehrler extrem bewundert“, verrät der Pfarrer. Die Hilfsbereitschaft hat ihn so begeistert, dass er 2004 selbst Mitglied wurde. Emeka ist für den Ernstfall ausgebildet, hat alle Grundkurse absolviert – ein Seelsorger mit Dienstgrad „Feuerwehrmann“.
Der erste Schnee
Emeka stammt ursprünglich aus Umunohu, einem Dorf mit 5.000 Einwohnern im Bundesstaat Imo State im Südosten Nigerias. Als er im August 1995 nach Österreich kam, hätte er nicht gedacht, dass er es so lange hier aushalten würde – zu groß waren die Unterschiede. „Am Anfang fühlte ich mich wie ein Fisch ohne Wasser. Ich konnte kein Deutsch und mich nur mit Händen und Füßen verständigen, hatte arges Heimweh. Aber als ich begann, Deutsch zu lernen, hat sich alles gewendet. Plötzlich konnte ich mit Menschen reden und die Kultur kennenlernen.“ Schritt für Schritt begann er, sich hier zuhause zu fühlen und sich mit allerlei Fremdem zurechtzufinden. „Der erste Schnee“, muss Emeka schmunzeln, „war ein Schock. Mein Großvater hatte schon über Schnee gehört und mir gesagt, ich darf ihn auf keinen Fall angreifen und muss im Zimmer bleiben, bis er weg ist.“ Mittlerweile war Emeka sogar schon Schifahren, eine katholische Jugendgruppe nahm in mit nach Annaberg.
Sprachbarriere überwunden
Auch sämtliche Sprachbarrieren sind überwunden, Emeka spricht nun perfekt Deutsch. Anfangs gab es einige Verständnisprobleme: Im Deutschkurs lernte er etwa, dass Afrikaner auch als „Schwarze“ bezeichnet werden. Als er beim ersten Mal U-Bahnfahren in Wien das Schild „Schwarzfahren verboten“ las, war er erstaunt über eine derart unverblümte Fremdenfeindlichkeit – bedeutete das Schild für ihn doch, dass Schwarze nicht U-Bahn fahren dürfen.
Sonst fühlt er sich in seiner Pfarre sehr gut angenommen und erinnert sich gern an die Anfänge: „Als mich der Pfarrer als seinen Nachfolger in der Kirche vorgestellt hat, haben alle geklatscht. Das war ein bewegender Moment.“ Mittlerweile hat er sich bestens eingelebt, wird oft eingeladen und ist gern gesehener Gast in seiner Gemeinde.
Projekte für die Heimat
Trotz seines starken Engagements in Österreich steht Emeka in intensivem Kontakt mit seiner Familie und initiiert und entwickelt Projekte für sein Heimatdorf Umunohu. Die Menschen dort leben in einfachsten Verhältnissen, haben wenig Infrastruktur zur Verfügung. Das größte Projekt, das Emeka bisher ins Leben gerufen hat, war der Bau eines Spitals. Die medizinische Grundversorgung in der Region ist sehr schlecht, es gibt nur wenige Kliniken für etwa 70.000 Menschen, die teilweise zu klein und schlecht ausgestattet sind. 150.000 Euro waren für den Bau eines neuen Spitals notwendig, komplett finanziert mit Spendengeldern aus Österreich. Emeka ist gerührt: „Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist enorm, so viele haben geholfen.“ 2010 wurde der Grundstein gelegt, seit Februar 2013 ist es in Betrieb: das „Madonna Austrian Hospital Ihitte“ mit 30 Betten. Auch die Innenausstattung ist großteils gespendet: Zwei Container mit Betten und Spitalsgeräten, die in den NÖ Landeskliniken nicht mehr benötigt wurden, finden nun ihre neue Bestimmung in Nigeria. Doch nicht nur Geld- und Sachspenden waren wichtig, sondern auch die konkrete Hilfe vor Ort: 25 medizinische Fachkräfte, Ärzte und Pflegepersonal aus Österreich halfen bei der Inbetriebnahme der Spitalsgeräte und schulten das einheimische Personal darauf ein.
Spender gesucht
Um die laufenden Kosten des Spitals (Personal, Medikamente, Strom etc.) zu decken, ist Emeka auf der Suche nach Menschen, die bereit sind, mit kleinen, dauerhaften Spenden den Betrieb mitzutragen: 5.000 Euro pro Monat sind notwendig. Emeka appelliert: „Wir brauchen tausend Menschen, die bereit sind, monatlich fünf Euro zu spenden.“ Eine Investition, die sich lohnt: Seit Inbetriebnahme sind bereits 57 Kinder im Spital geboren, unter hygienischen Bedingungen, alle wohlauf. Und vielen Menschen wurde bei gesundheitlichen Problemen wie Infektionen, Malaria und offenen Wunden geholfen – davor gab es keine entsprechende Behandlung.
Doch auch viele andere wertvolle Projekte sind am Laufen, aus Spendengeldern wurde etwa im Jahr 2004 ein Wasserbrunnen gebaut. Nun müssen die Einwohner nicht mehr mehrmals täglich drei bis vier Kilometer gehen, um Wasser zu holen, sondern haben es direkt vor der Haustür. Auch die Zahl der Krankheiten, bedingt durch den Mangel an sauberem Wasser, ist zurückgegangen. Emeka ist ständig auf der Suche nach Spendern, auch für viele andere Projekte: So kann man etwa mit Patenschaften für 100 Euro jährlich einem Kind aus dem Dorf den Schulbesuch ermöglichen. Auch ein kleines Berufsausbildungszentrum wurde errichtet und vieles mehr, siehe www.emeka.at
Austausch der Kulturen
Zweimal im Jahr reist Emeka für einige Tage in seine alte Heimat, um nach seinen Projekten zu sehen und Neues auf die Beine zu stellen – dabei legt er auch selbst Hand an. Heuer im August hat er beim Graben des 143 Meter tiefen Brunnens für das Spital geholfen. Emeka ist eben ein Mann mit Visionen und ein Mann der Tat. Begleitet wird er jedes Mal von einigen Spenderinnen und Spendern, die die Möglichkeit haben, ihre Patenkinder kennenzulernen oder einfach in die fremde Kultur einzutauchen. Seit 1999 organisiert er diese Reisen: „Die österreichische Kultur zu erleben und kennenzulernen war für mich eine große Bereicherung. Darum wollte ich den Österreichern ermöglichen, die afrikanische Kultur zu erleben. Bis jetzt waren alle sehr begeistert von den spannenden Begegnungen mitten im Busch in Umunohu.“ Das Dorf liegt relativ entlegen, fernab der Unruhenherde Nigerias. Anfangs waren die Österreicher, die mit Emeka reisten, die ersten weißen Menschen, die die Dorfbewohner je zu Gesicht bekommen haben. „Vor allem die Kinder sind immer sehr aufgeregt, wenn wieder Weiße kommen“, schmunzelt Emeka.
Sohn des Häuptlings
Der Großteil von Emekas Familie lebt im Dorf oder in der Umgebung, er ist das zweitälteste von neun Kindern. Groß ist jedes Mal die Wiedersehensfreude. Seine Familie ist wohlhabend – alle Kinder konnten sich ein Studium leisten – und hoch angesehen, denn sein Vater ist der „Chief“, ein sogenannter Häuptling des Dorfs. Der Häuptling ist eine Art weiser Rat, der beispielsweise Streitigkeiten schlichtet und die Mitgift festlegt. Emekas Großvater war ein besonders bedeutender Häuptling, der mit seinem großen Yams-Anbau (Yams ist eine Art afrikanischer Erdapfel) vielen Heiratswilligen die Mitgift finanzierte. Damit hat er erreicht, dass die Menschen im Dorf blieben und die Einwohnerzahl stieg. Das Amt des „Chiefs“ kann nur an den ältesten Sohn vererbt werden, Emeka ist der zweitälteste, sein Bruder also der nächste Häuptling.
Voneinander lernen
Emekas fröhliche und lebendige Art ist ansteckend. Gerade dieser lebendige, temperamentvolle Ausdruck des Glaubens ist das, was ihm in Österreich am meisten abgeht, meint er nachdenklich: „In Afrika sind die Menschen arm und zugleich reich. Arm, was materielle Güter betrifft. Aber reich, was Lebensfreude betrifft. Die Afrikaner sind zufrieden mit dem eigenen Leben und zufrieden mit Gott. Diese Zufriedenheit ist eines der Elemente, das die Europäer von Afrika lernen können.“ Umgekehrt schätzt er an Österreich das soziale Netz und die Sicherheit. So nimmt Emeka das Beste aus beiden Kulturen, um damit die andere zu bereichern.
Zur Person
Geboren am 22. Februar 1971 in Imo State, Nigeria, als zweites von neun Geschwistern
- 1989-1994: Philosophiestudium an der Hochschule des Priesterseminars in Nigeria
- 1995: Kam wegen der Partnerschaft zwischen seiner Heimatdiözese und der Diözese St. Pölten nach Österreich.
- 1995–1999: Studium der Theologie und Pädagogik an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in St. Pölten
- 1999–2003: Doktorat in systematischer Theologie an der Universität Wien
- 1999: Pastoralassistent in der Pfarre Krems St. Veit
- 29. Juni 1999: Priesterweihe, danach Kaplan in der Pfarre Ober-Grafendorf und Provisor in der Pfarre Weinburg
- Seit 2010: Leiter des Pfarrverbandes Ober-Grafendorf und Weinburg
Spendenkonto
Mag. Dr. Emeka Emekaroha, Kontonr. 6.403,
BLZ: 32585 (Raiffeisenbank Region St. Pölten),
IBAN: AT633258500000006403, BIC: RLNWATWWOBG
Vermerken Sie bitte auf dem Zahlschein, welches Projekt Sie unterstützen wollen, Sie werden dann über dessen Verlauf
informiert.
Informationen: www.emeka.at





