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Sprechstunde beim Arzt

OÄ Dr. Silvia Bodi, MSc


OÄ Dr. Silvia Bodi, MSc, Anästhesistin im Landesklinikum Baden-Mödling

G&L: Die Abteilungen für Anästhesie und Intensivmedizin des Landesklinikums Baden-Mödling sind Vorreiter in der Etablierung einer Präanästhesie-Ambulanz. Wie waren die Anfänge?

Bodi: Wir haben in Mödling bereits 1995 mit der ersten Variante einer Präanästhesie-Ambulanz begonnen. Es war damals keine Terminambulanz wie heute, sondern ein Kollege war für die Anästhesievorbereitung zuständig, und die Patienten wurden in der Kernarbeitszeit zu ihm geschickt. Seit drei Jahren besteht die Terminambulanz, das heißt, die Patienten kommen im Vorfeld der Operation zu einem vereinbarten Zeitpunkt zur Untersuchung und Aufklärung für die Narkose. Ärzte nehmen sich hierfür  genügend Zeit, gehen mit dem Patienten den standardisierten Narkoseaufklärungs­bogen und den ÖGARI-Fragebogen zur Erhebung von Blutgerinnungsstörungen durch, untersuchen ihn und räumen etwaige Ängste die Narkose betreffend aus – wie in einer Sprechstunde beim Arzt.

Wie sind die bisherigen Erfahrungen?

Sehr gut. Wir legen Wert auf eine entspannte und gemütliche Atmosphäre in der Präanästhesie-Ambulanz, es stehen bequeme Sofas, Obst und Getränke bereit. Der Patient kommt zu einem vereinbarten Termin, dadurch gibt es kaum Wartezeiten. Jede Viertelstunde ist ein Patient eingeplant, von 8:00 bis 13:30 Uhr. Aus meiner Sicht bringt dieser Ablauf der Narkosevorbereitung Ruhe in unser Arbeiten und für den Patienten eine Verbesserung, also eine Entlastung für alle. Wir arbeiten nach den ÖGARI-Richtl­inien; die Befunderhebung ist abgestimmt auf die Art der Operation und den gesundheitlichen Zustand des Patienten. Tagesklinische Patienten brauchen meist gar keine Befunde für die OP, denn meist handelt es sich um Patienten mit geringem Narkoserisiko und um kleinere Eingriffe mit geringem Blutungsrisiko. Außerdem gibt es noch den menschlichen Faktor: Wie ist der Patient psychisch belastbar? Auch das ist wichtig für die OP-Vorbereitung, aber das ist mit Blutbefunden gar nicht erhebbar. Die Anamnese  hat insgesamt einen hohen Stellenwert bekommen.