Sicher zur OP
Mehr Sicherheit und Service: Jeder Patient bekommt vor einer Operation genau die Untersuchungen, die er braucht – entschieden wird individuell je nach Patient und nicht mehr nach einem vorgegebenen Schema.

Dr. Rainer Ernstberger (Mitte) mit Oberarzt Dr. Tobias Steirer und Stationsleitung DGKS Christine Bedernik bei
Viele Patientinnen und Patienten haben es selbst erlebt: Vor einer Operation werden Routineuntersuchungen von Blutlabor über Lungenröntgen bis zu EKG angefertigt. Leider werden zu oft zu viele Befunde unstrukturiert und vor allem doppelt durchgeführt. Das wiederholt sich in Österreich zigtausende Mal pro Jahr: Die Patienten werden vom Radiologen zum Internisten, vom Hausarzt zum Lungenfacharzt im Kreis geschickt und müssen unnötige Untersuchungen über sich ergehen lassen. Negativer Nebeneffekt: fraglicher Nutzen für den Einzelnen und unnötige Kosten für das Gesundheitssystem.
08/15-Untersuchungen
Jahrzehntelang waren Blutlabor, Lungenröntgen und EKG die Standardbefunde, die man zur Operation mitnehmen musste. Doch sind diese 08/15-Untersuchungen wirklich aussagekräftig, um zu erkennen, ob ein Patient ein spezifisches Risiko trägt? Ganz klar „Nein“ sagt Dr. Rainer Ernstberger, MSc, MBA, stellvertretender Ärztlicher Direktor und Leiter der Tages- und Wochenklinik im Landesklinikum Korneuburg-Stockerau. Hier ist man schon lange davon abgegangen. „Dadurch, dass man nach Schema und nicht auf den Patienten abgestimmt untersucht hat, hat man zwar viele Laborparameter erhoben, aber vielleicht die falschen. Leidet der Patient aber an einer speziellen Krankheit, dann braucht man dafür spezielle Untersuchungen“, weiß Ernstberger aus jahrelanger Erfahrung. Prim. Dr. Eckart Wildling, der Vorstand der Abteilung Anästhesiologie und Intensivmedizin im Landesklinikum Korneuburg-Stockerau, stimmt dem zu: „Die früher gängigen Untersuchungen sind leider oft alles andere als aussagekräftig und wiegen uns in falscher Sicherheit.“
Maßgeschneidert & zielgerichtet
Den Patienten vor der Operation zielgerichtet untersuchen – das ist die Devise. Zu schauen, welche
Vorerkrankungen und Risikofaktoren er hat, damit die Ärzte bei der Operation bestmöglich darauf
vorbereitet sind. Dazu braucht es einen neuen Pfad an geeigneter präoperativer Diagnostik: die ÖGARI-Richtlinien (Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin). Die meisten NÖ Landeskliniken arbeiten bereits nach diesen Bundesleitlinien, die den Patienten nach unterschiedlichen Parametern klassifizieren – etwa nach Größe und Gesundheitszustand –, um danach die benötigten Untersuchungen festzulegen. Gesunde Patienten brauchen bei kleineren Eingriffen beispielsweise gar keine Befunde mitzubringen, manche Patienten hingegen brauchen mehr bzw. andere als die gängigen Routine-Untersuchungen. Entschieden wird individuell, maßgeschneidert auf den Patienten. Abgeklärt wird auch, ob der Patient bei einem kleineren Eingriff für eine tagesklinische OP in Frage kommt oder nicht – das heißt, dass er am selben Tag wieder nach Hause darf.
Präanästhesie-Ambulanz
Konkret schaut das im Landesklinikum Korneuburg-Stockerau etwa so aus: Ungefähr zwei Wochen vor der geplanten Operation (der Zeitpunkt variiert je nach Eingriff) kommt der Patient zu einem vereinbarten Termin in die Präanästhesie-Ambulanz und füllt den ÖGARI-Fragebogen aus. Abgefragt werden bisherige Operationen und Erkrankungen, ob Medikamente eingenommen werden, ob Allergien oder Unverträglichkeiten vorliegen und vieles mehr. Zusätzlich erhebt der Arzt den klinischen Status des Patienten, horcht ihn ab, misst den Blutdruck. Das alles wird in den Computer eingegeben, der dann auf Knopfdruck die benötigten Untersuchungen ausspuckt. Patienten mit gutem Gesundheitszustand brauchen oft keine zusätzlichen Untersuchungen vor der Operation. Andere wiederum benötigen bestimmte Laborwerte, Lungenfunktionstest, Herzultraschall, EKG, eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs etc.
Zahlreiche Vorteile
Anästhesist Wildling weiß um die zahlreichen Vorteile dieser auf den Patienten zugeschnittenen Herangehensweise, etwa im Bereich der Gerinnungsdiagnostik: „Viele Parameter werden mit dem ÖGARI-Fragebogen besser erhoben. Zum Beispiel müssen Frauen mit starker Regelblutung einen zusätzlichen Labortest machen, denn der früher übliche Gerinnungstest ist zu wenig aussagekräftig. Seit wir diesen Parameter erfragen, können wir uns gezielt darauf vorbereiten, daher kommt es kaum mehr zu Blutungen nach der OP.“ Ein Mehrwert für den Patienten mit einem Riesengewinn an Sicherheit. Und noch ein entscheidender Vorteil: Der Patient kann alle benötigten Untersuchungen gleich vor Ort in der Präanästhesie-Ambulanz machen, erspart sich eine Menge Zeit und Wege.
Auf Basis all dieser Informationen wählt der Anästhesist das geeignete Narkoseverfahren aus, klärt den Patienten über alle wichtigen Verhaltensregeln vor der Narkose, den Ablauf und über eventuelle Risiken auf. Dieses Aufklärungsgespräch ist enorm wichtig, betont Wildling: „Viele Menschen haben vor der Narkose mehr Angst als vor der Operation selbst, sei es aus Unwissenheit oder wegen dem Kontrollverlust. Doch je besser sie informiert sind, desto weniger Angst haben sie letztendlich im Operationssaal.“ Denn was man nicht außer Acht lassen darf: Bei all der modernen Apparatemedizin ist auch die menschliche Zuwendung sehr wichtig. In ruhiger Atmosphäre kann der Patient die Ärzte und das Pflegepersonal alles fragen, um sämtliche Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen und um schließlich bestens informiert sein Einverständnis zu geben. Nach dieser multiprofessionellen Aufnahme durch Pflege, Arzt und Anästhesist kriegt der Patient einen Merkzettel mit nach Hause, wohin er am Operationstag kommen soll.
Alles bereit für die OP
Der stellvertretende Ärztliche Leiter Ernstberger hebt einen weiteren positiven Faktor hervor: „Dadurch dass die Patienten schon in der Präanästhesie-Ambulanz alle Untersuchungen gemacht haben, ersparen sie sich den präoperativen Aufnahmetag und kommen direkt am Tag der OP ins Klinikum. Denn sämtliche Unterlagen liegen bereits fix und fertig auf der Station – nur der Patient fehlt noch.“
Diese mittlerweile standardisierten und gut eingespielten Abläufe erleichtern einiges im Klinikalltag, weiß Ernstberger: „Siebzig Prozent der Operationen sind geplant, daher kann man den Patienten aus medizinischen und organisatorischen Gründen gut vorbereiten. Früher kamen die Patienten mit teils unvollständigen Befunden ins Spital, mussten dann einige Untersuchungen noch einmal machen – das brachte oft Hektik und Unruhe in die Abläufe.“ Eine Zukunftsvision Ernstbergers würde noch einiges vereinfachen: „Werden eines Tages einheitliche Standards in allen NÖ Landeskliniken angewendet, dann wird es auch möglich sein, dass ein Patient seine Narkosefreigabe in Stockerau erhält, um einige Tage später in Gmünd operiert zu werden und umgekehrt. Die Vernetzung der Leistungserbringer heutzutage ist toll und meiner Meinung nach ein wichtiges Ziel!“
Doch schon jetzt gilt: Mehr Service und Sicherheit für die Patienten und durch den Wegfall von Doppelbefunden und überflüssigen Untersuchungen eine enorme Kosteneinsparung für das Gesundheitssystem – Qualitätssteigerung plus Kostenreduktion: Ein besseres Ergebnis gibt es wohl nicht.
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