Sport ist die billigste und beste Medizin
Seit 30 Jahren spendet Pater Bernhard Maier ehrenamtlich den österreichischen Sportlerinnen und Sportlern bei Olympiaden und Weltmeisterschaften seelischen Trost, seit 2008 auch den Olympioniken bei den Paralympics. Und bei den Kickern der Admira und den Handballerinnen von Hypo Südstadt ist er Kaplan.

„Sport ist ein spielerischer Wettkampf, bei dem Regeln einzuhalten sind“, sagt der Salesianer des Don-Bosco-Ordens, der seit 30 Jahren als Olympia-Kaplan die Sportlerinnen und Sportler bei den Olympischen Spielen betreut. 1998 feierte er mit Hermann Maier nach dessen schwerem Sturz einen Gottesdienst. FOTOS: Sandra Sagmeister-Pensch
Dabei sein ist nicht immer alles – auch wenn Pater Bernhard Maier mit dem olympischen Gedanken eng verbunden ist, denn seit 30 Jahren ist er Seelsorger bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Für viele Spitzensportler ist es wichtig, dass er dabei ist – der Pater lebt nämlich für den Sport. Das merkt man, wenn man den Salesianer des Don-Bosco-Ordens an seinem Arbeitsplatz in Unterwaltersdorf besucht: Pater Maier ist, wenn er nicht gerade Sportler seelisch unterstützt, Direktor am Don-Bosco-Gymnasium. Und hinter seinem prall, aber ordentlich gefüllten Tisch mit Akten – hinter einer Wand versteckt – steht ein alter Hometrainer, den der Pater und Direktor am Dachboden gefunden hat. Jeden Tag schwingt sich der 62-Jährige aufs Rad und strampelt sich fit. Der Sportkaplan hat nicht nur Theologie, sondern auch Sport studiert und ist geprüfter Sportlehrer. Maturiert hat der gebürtige Deutsche 1970 an jener Schule, der er heute vorsteht; unter seiner Leitung wurde unter anderem ein Turnsaal errichtet, der die Größe von vier normalen Turnsälen hat.
Seine gute Kondition verdankt Pater Maier dem Schulweg. Ja, dem Schulweg! Den legte er sechs Mal die Woche zu Fuß zurück, am Sonntag marschierte er in die Kirche – das waren täglich vier Kilometer hin und zurück, bergauf und bergab, am Buckel der schwere Schulranzen. Noch heute lobt sein Hausarzt seine gute Konstitution und dass die Basis dafür in seiner Kindheit gelegt wurde. „Ich war aber auch ein begeisterter Straßenkicker“ und im Garten hat er oft stundenlang Hochsprung geübt. Die fehlende und sehr bedenkliche Bewegungslosigkeit vieler Kinder und Jugendlicher heute werde noch viele Probleme mit sich bringen, „die Bewegungsunlust nimmt leider stetig zu.“
Zeit zum Feiern muss sein
Wenn der Pater alle vier Jahre den schlichten grauen Anzug gegen ein lockeres sportliches Outfit wechselt und seelsorgerisch irgendwo auf der Welt unterwegs ist, dann muss er nicht nur Trost spenden: „Nein, es gibt auch immer viel zu feiern und ich feiere intensiv mit, freue mich über die Erfolge der Sportler, auch wenn Trauer und Freude so nahe beieinander liegen. 1998 feierte er mit Hermann Maier einen Gottesdienst, nach dessen schwerem Unfall. Sportler gehen mit Niederlagen anders und besser um, „ein Sportler bleibt nicht am Boden liegen, der steht wieder auf, denn das Leben geht weiter.“ Während der Olympischen Spiele ist Pater Maiers Pfarrgemeinde das olympische Dorf, wo rund 10.000 Menschen für die Zeit der Wettkämpfe zusammenleben: Sportler, Trainer, Betreuer, Köche und mittendrin Pater Maier, der mit seiner „Fangemeinde“ die Heilige Messe feiert, denn „es ist verpflichtend, dass bei den Olympischen Spielen die Sportler sich religiös betätigen können, nur wenige Staaten entsenden – wie Österreich – einen eigenen Seelsorger“, erklärt Pater Maier, der auch nach den Wettkämpfen Kontakt zu „seinen“ Sportlern hält: Da wird geheiratet, Kinder kommen auf die Welt, die er tauft, und manchmal wird er auch zu einem Begräbnis geholt: „Die Sportler sind einfach meine Glaubensgemeinschaft.“
Man muss wissen, was man kann
Und wie steht Pater Maier zu Erfolg und Misserfolg, Siegen und Niederlagen? Wie kann man damit umgehen? Wer sich in einem Wettkampf misst, muss damit rechnen, zu versagen. „Die Sportler opfern viel Zeit für die Trainings und deshalb wollen sie auch Erfolg haben“, so Pater Maier, für den das Streben nach Erfolg grundsätzlich nichts Schlechtes bedeutet, es dürfe nur nicht zu einer Versklavung kommen. Damit das nicht passiere, rät Maier, „seine eigenen Fähigkeiten richtig einschätzen, wissen, was man kann. Wer ganz oben ist, hat die Chance auf eine Medaille, wer nicht so gut ist, der ist schon mit der Teilnahme bei den Olympischen Spielen zufrieden.“ Probleme schaffe nur die Selbstüberschätzung, „man muss wissen, was man erreichen kann, muss sich die Ziele richtig stecken“ – das sei im Sport so, und das sei im normalen Leben auch so.
Medaillen sind überbewertet
Die schlechte Bilanz bei den vergangenen Olympischen Sommerspielen in London kann man auch anders sehen, sagt der Sportlerpfarrer, denn Österreich hat in Relation zu anderen teilnehmenden Ländern, die oft viel größer sind und mehr Sportler zu den Spielen schicken, überdurchschnittlich mehr Plätze unter den Top Ten erreicht. Aber diese Erfolge sieht die Masse nicht, „über die spricht keiner, das ist sehr unfair, ein vierter Platz ist doch eine hervorragende Leistung.“ Die Medaillenhysterie findet der Olympia-Kaplan überzogen: „Was bleibt am Ende vom einmal so wichtigen Erfolg? Höchstens eine schöne Erinnerung! Medaillen sind ein schöner Abschluss, aber völlig überbewertet, die Sieger sind schnell vergessen. Was zählt, sind die nächsten Erfolge und jeder blickt in die Zukunft, keiner in die Vergangenheit.“ Und von einer Medaille alleine könne kein Sportler sein Leben bestreiten.
„Ausreden gibt es keine“
Bewegung ist für Pater Maier jedoch die billigste und beste Medizin und ein richtiges Anti-Aging-Programm; er selbst baut seine täglichen Glückshormone in Form von Bewegung ganz einfach in den Alltag ein – Alltagsbewegung nennt er das und Ausreden gibt es keine: Wie schon erwähnt, radelt er im Büro und geht immer die Stiegen im Schulgebäude rauf und runter, „den Lift habe ich erst dreimal benutzt, ich bin doch zu Fuß viel schneller, habe sogar schon Turnstunden im Stiegenhaus abgehalten. Stiegen steigen ist das beste Konditionstraining.“ Oberstes Ziel für den Pater: „Sport und Bewegung müssen Freude machen, weil nur, was man mit Freude macht, bringt auch Freude.“ Leider freut aber nicht jeden das Sporteln, auch wenn wir alle wissen, wie gesund es ist. Warum das so ist? Maier: „Die meisten geben zu schnell der Bequemlichkeit nach, man überwindet sich halt nicht gerne.“
DON-BOSCO-ORDEN
Johannes Bosco wurde 1815 im Piemont nahe Turin geboren. 1841 wurde er zum Priester geweiht und starb 1888 in Turin. Er gründete 1841 den Don-Bosco-Orden in Italien und kümmerte sich besonders um verwahrloste Straßenkinder und heimatlose Jugendliche. Don Bosco war auch ein guter Sportler, gründete Wohnheime und Werkstätten, wo die Jugendlichen eine Bleibe und Aufgabe fanden sowie eine schulische und religiöse Bildung bekamen. Sein erzieherischer Grundsatz war, dass man nicht mit Strenge, sondern mit Güte Kindern und Jugendlichen begegnen muss – das war zum Erziehungssystem seiner Zeit ein völlig neuer Ansatz. Sport war dabei immer ein wichtiger Faktor, den Jugendlichen zu helfen. 1859 gründete er die Gesellschaft des Heiligen Franz von Sales, heute Salesianer Don Boscos genannt.
Informationen: www.donbosco.at




