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Sommer, Sonne und – Insektenzeit!

Meist gibt es wenige Berührungspunkte zwischen Biene & Co und dem Menschen. Wenn es aber passiert, dann kann es sehr schmerzhaft sein.


FOTOS: Gerald Lechner

Die fünfjährige Mariella spielt friedlich mit ihren Stofftieren auf der Terrasse, als plötzlich ein lautes „Aua“ gefolgt von einem herzzerreißenden Weinen ihre Mama Jana aufschreckt. „Mich hat was gebissen“, schluchzt sie, zeigt auf ihre Armbeuge, die bereits rot, heiß und geschwollen ist. Der Übeltäter ist schnell gefunden – eine Biene liegt auf dem Boden. Für Jana Köckritz ein Alarmzeichen, gibt es doch in ihrer Familie Bienenallergiker. Daher ist es ihr wichtig, dass ein Arzt ihre Tochter untersucht. „Immer wenn es in der Familie bereits Bienenallergien gibt oder das Kind an Asthma oder Neurodermitis erkrankt ist, dann besteht ein erhöhtes Risiko einer Bienenallergie – das könnte für die Kleine gefährlich werden“, bestätigt Prim. Univ.-Prof. Dr. Hans Salzer, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Landesklinikum Tulln, diese Einschätzung.
Als erste Maßnahme empfiehlt der Kinderarzt die betroffene Stelle zu kühlen – mit Eiswürfeln in einem Plastiksackerl, eingewickelt in ein Tuch bei größeren Kindern, mit einem nassen Waschlappen bei den Kleineren. Sofort wird auch Mariellas schmerzender Arm mit einem kalten Umschlag gekühlt. Auch vom Schreck hat sie sich schon ziemlich erholt. Bei einer genauen Untersuchung kann der Arzt eine Allergie auf Bienen ausschließen. Es sind keine Allergiezeichen wie Schwellungen an Augen oder Mund zu sehen. Mariella atmet auch einwandfrei. „Ich hatte große Sorge vor einer Atemnot, falls sie allergisch reagiert. Dass ich da bloß nichts falsch mache“, ist Jana Köckritz froh über das Ergebnis der Untersuchung. Und spricht damit einen Punkt an, der dem Kinderarzt sehr wichtig ist: „Das Einzige, das Sie bei Atemstillstand falsch machen können, ist nichts zu tun. Versuchen Sie auf alle Fälle zu beatmen, bis der Notarzt eintrifft!“ Generell rät der Mediziner allen Eltern zu einem Erste-Hilfe-Kurs, damit es leichter fällt, in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren und das Richtige zu tun. Und weist darauf hin: „Fahren Sie nur dann mit dem verletzten Kind selbstständig ins Krankenhaus, wenn Sie zu zweit sind. Ansonsten rufen Sie lieber die Rettung, bevor etwas während der Autofahrt passiert!“
Mutter und Tochter haben sich vom ersten Schreck gut erholt, nun darf sie der Papa wieder mit nach Hause nehmen. Dass sich keine Allergie entwickelt hat, ist für die Eltern sehr beruhigend, hatten sich doch beide immer wieder Gedanken darüber gemacht, ob Mariella auch darunter leiden würde. Für die Sommerwochen werden zur Sicherheit aber immer ein paar Eiswürfel im Gefrierschrank bereit liegen, nehmen sie sich vor. Mariella selbst ist stolz auf ihr buntes Pflaster – der kälteliebende Pinguin kühlt den Stich besonders gut, da ist sich die Kleine sicher!

 

Mein Kind hat aus einem Glas getrunken, in dem sich ein Insekt befand – dieses hat es offensichtlich in den Mund gestochen. Was kann man tun?
Bei süßen Getränken immer aufpassen! Ist das Kind schon größer und bekommt gut Luft, dann sind Eiswürfel zum Lutschen im Mund eine gute Erste Hilfe. Gleichzeitig sollte man mit einem kalten Umschlag von außen kühlen. Wichtig ist es, immer darauf zu achten, ob das Kind genug Luft bekommt. Bei Atemnot sofort den Notarzt rufen, das Kind in eine stabile Seitenlage legen und bei Atemstillstand sofort Mund zu Mund beatmen. Auch wenn man nicht sicher ist, ob man richtig beatmet, ist es besser es zu versuchen, als nichts zu tun! Bei Stichen im Mundbereich ist immer ein Arztbesuch sinnvoll.

Bienenallergie – wie erkenne ich sie und was kann ich tun?

Kinder mit Allergien, Asthma oder Neurodermitis in der Familie haben ein höheres Risiko, an einer Bienenallergie zu leiden.
Erste Zeichen einer Allergie nach einem Insektenstich sind Schwellungen der Augenlider und Lippen, oft kommt ein Nesselausschlag (sieht aus, als wäre das Kind in die Brennnesseln gefallen) dazu. Treten eines oder mehrere dieser Symptome auf, dann sollte man zur Sicherheit einen Arzt aufsuchen. Bei Atemnot ist unverzüglich der Notarzt zu rufen. Bis zu seinem Eintreffen gilt auch hier: stabile Seitenlage und notfalls Mund-zu-Mund-Beatmung durchführen.
Ist eine Bienenallergie bekannt, ist ein Notfallset sinnvoll. Es kann im Ernstfall etwa bei einem Urlaub oder im Ausland rasch helfen. Kommt es an einem stark frequentierten Platz bei einem Allergiker zu einem Stich, ist es immer sinnvoll, lautstark um Hilfe zu rufen – vielleicht ist ja ein Allergiker mit Notfallset anwesend!

Wie gefährlich sind die Stiche anderer Insekten? Gibt es auch hier eine Allergie?
Wespenstiche, Hummelbisse, aber auch Hornissenstiche – für sie gilt alles, was auch beim Bienenstich richtig ist. Die Aussage „drei Hornissenstiche töten ein Pferd“ ist ein Mythos und stimmt nicht. Einzig richtig ist die Tatsache, dass eine Hornisse durch ihre Größe mehr Gift hat und dadurch der Ausschlag und die Schwellung größer werden.
Allergien können auch bei Wespen- oder Hornissenstichen auftreten, sie sind jedoch deutlich seltener, oft treten sie in Kombination mit einer Bienenallergie auf. Bei einer reinen Bienenallergie wirkt eine Desensibilisierung besser als bei einer gemischten Allergie.

Wie entferne ich Zecken richtig?
Was kann man falsch machen?
Worauf muss man achten?

Auch hier gilt es einen Mythos auszuräumen: Weder geben Zecken beim Kontakt mit Öl mehr Viren ab, noch muss das Herausdrehen in eine bestimmte Richtung erfolgen. Am besten ist es, mit einer Pinzette oder Zeckenzange das Tier gut zu fassen und herauszudrehen.
Reißt der Kopf ab, eitert er meist heraus. Hier kann man zur Unterstützung eine antibiotische Salbe verwenden.
Ist ein Kind noch nicht gegen FSME geimpft, sollte man zehn bis 14 Tage nach dem Biss auf Erbrechen, Kopfschmerzen, Fieber und Nackensteifigkeit achten. Treten diese Symptome auf, besteht die Gefahr einer FSME-Erkrankung.
Bildet sich jedoch nach einem bis zwei Tagen ein roter Fleck rund um die Bissstelle, der immer größer wird und dann einem roten Ring mit weißem Zentrum gleicht, so besteht der Verdacht auf Borreliose – zur Abklärung muss unbedingt der Arzt aufgesucht werden! Im ersten Stadium ist die Borreliose sehr gut heilbar, wird sie jedoch übersehen, setzen sich die Bakterien im Körper fest und verursachen chronische Erkrankungen an verschiedenen Organen.

Wann ist ein Bienenstich gefährlich?
Was erleichtert die Beschwerden?

Bei Kindern ohne Allergie ist ein Bienenstich ebenso wie ein Wespen- oder Hornissenbiss zwar schmerzhaft, aber nicht gefährlich. Zur Linderung der Schmerzen ist Kühlen der betroffenen Stelle am besten. Bei Babys und Kleinkindern ist ein nasser Waschlappen die sanfte Variante. Bei älteren Kindern sind Eiswürfel in einem Plastiksackerl, umhüllt von einem  Geschirrtuch oder einer Serviette, zu empfehlen. Immer gilt: Aus der Sonne gehen und wenn möglich einen kühlen Raum aufsuchen. Zusätzlich kann man die Beschwerden mit speziellen Salben aus der Apotheke lindern.
Bei Babys ist es grundlegend besser, einen Arzt aufzusuchen, ältere Kinder sollten beobachtet werden. Als Regel gilt: ab drei Stichen immer zum Arzt.
Mein Kind kommt weinend vom Spielen ins Haus und zeigt eine Bissstelle – woran muss ich denken?
Ein Schlangenbiss ist eindeutig an zwei nebeneinander befindlichen Punkten zu erkennen. Bei Unsicherheit besser einen Arzt aufsuchen. Die Wahrscheinlichkeit eines giftigen Schlangenbisses ist in Österreich aber sehr gering. Auch manche Spinnenarten verursachen bei einem Biss starke Hautrötungen und Schwellungen. Auch hier ist Kühlung der betroffenen Stelle die Therapie der Wahl.