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Alle Jahre wieder

„Hust, schnief, keuch“ – jedes Jahr im Herbst und Winter verfolgen uns Husten, Schnupfen und Halsweh wieder auf Schritt und Tritt. Was aber ist der Unterschied zwischen Grippe, viralem Infekt bzw. Erkältung? Und wie kann man vorbeugen?


FOTO: bildagentur waldhäusl

Prim. Dr. Karl Dam,
Leiter der 2. Medizinischen Abteilung, Landesklinikum St. Pölten

Landesklinikum St. Pölten
Propst-Führer-Straße 4, 3100 St. Pölten
Tel.: 02742/9004-0
www.stpoelten.lknoe.at

„Ich habe die Grippe“, hört man dieser Tage oft von niesenden und hustenden Kollegen. Meist haben die Betroffenen aber nur eine harmlose Erkältung. Diese kann zwar ebenso unangenehm sein, eine echte Grippe ist allerdings eine ernsthafte Atemwegsinfektion. Doch wie unterscheiden Sie die beiden Krankheiten und ab wann sollten Sie zum Arzt gehen?

Grippe versus viraler Infekt

Bei beiden Erkrankungen handelt es sich um eine Virusinfektion, bei der der Körper selbst gegen die Erreger kämpfen muss. Prim. Dr. Karl Dam, Leiter der 2. Medizinischen Abteilung im Landesklinikum St. Pölten, weiß: „Verschiedene Virusarten können eine Erkältung bzw. viralen Infekt hervorrufen. Die echte Grippe wird durch Influenza Viren A und B verursacht, gegen die man sich impfen lassen kann.“
Eine Erkältung beginnt meist mit einem Kratzen im Hals und Kopfweh, einige Tage später kommen Schnupfen, Husten und manchmal leichtes Fieber hinzu. Drei Tage nach Ausbruch ist meist der Höhepunkt erreicht. Dann klingen die Symptome innerhalb einer Woche langsam ab. Auch bei der echten Grippe bzw. Influenza machen sich oft die gleichen Symptome bemerkbar. Der gravierende Unterschied liegt jedoch am Beginn der Krankheit: „Die echte Grippe setzt ganz plötzlich ein. Von einer Minute auf die andere steigt das Fieber auf über 38° C und man liegt regelrecht ‚darnieder‘. Dazu kommen Gliederschmerzen und manchmal auch Durchfall und Erbrechen. Man fühlt sich wirklich krank“, erklärt Dam. Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch, kann sowohl bei der Influenza als auch bei der Erkältung Stunden bis Tage dauern.

Ab wann zum Arzt?

Eine Erkältung verläuft meist harmlos, Bettruhe und Hausmittel reichen hier oft aus. „Wenn der Betroffene stark beeinträchtigt ist oder das Fieber zackig verläuft, also schnell rauf und runter geht, dann sollte man schon zum Arzt gehen. Eventuell könnte sich eine bakterielle Infektion auf den Virusinfekt ‚draufgesetzt‘ haben, die man dann mit Antibiotika behandelt“, erklärt der Mediziner und warnt: „Mit fiebersenkenden Medikamenten sollte man sich zurückhalten. Damit werden nämlich nicht die Krankheit, sondern nur die Symptome behandelt. Außerdem muss der Körper selbst mit einem Virusinfekt fertigwerden und Fieber hilft ihm dabei. Möglicherweise werden damit Krankheitssymptome überdeckt, die der Arzt dann nicht erkennt – das kann auch schlimme Folgen haben.“

Grippeimpfung: Ja oder nein?

Bei der Grippeimpfung wird gegen Influenza A und B geimpft. Dies sollte man regelmäßig jedes Jahr zwischen September und November machen. Und wer sollte sich impfen lassen? „Generell ist die Impfung jedem zu empfehlen. Gerade Babys ab dem 7. Lebensmonat und ältere Menschen ab 60 Jahren sollten geimpft werden. Erstere, weil sie noch kein starkes Immunsystem haben, und zweitere, weil zusätzliche Erkrankungen wie etwa eine Herzschwäche oder eine chronische Lungenerkrankung eine Grippe gefährlicher machen. Dies kann mitunter lebensbedrohlich werden“, sagt Dam. Impfnebenwirkungen sind selten: Gelegentlich treten Rötungen, Schwellungen oder Schmerzen an der Einstichstelle auf. Achtung: Man sollte sich nur impfen lassen, wenn keine Zeichen einer beginnenden Grippe vorliegen.

Starkes Immunsystem

Das A und O beim Vorbeugen einer Grippe oder Erkältung ist ein starkes Immunsystem. Regel­mäßige Bewegung an der frischen Luft, eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung und reichlich Schlaf sind die Grundlage für gute Abwehrkräfte. Ist man allerdings schon angeschlagen, sollte man dem Körper ausreichend Ruhe gönnen, um wieder gesund zu werden. Ein Tipp zum Schluss: „Wenn jemand krank ist, dann gehört er ins Bett – egal, was Kollegen oder Bekannte sagen. Tut ihm allerdings die frische Luft gut, dann spricht nichts gegen einen Spaziergang in der Natur. Da sollte jeder auf seinen eigenen Körper hören, das müssen wir manchmal erst wieder lernen.“

10 Tipps gegen Grippe & Co

  1. Händewaschen: Waschen Sie sich mehrmals am Tag die Hände. Praktisch für unterwegs sind spezielle Hygienegels oder -tücher.
  2. Händeschütteln: Geht aktuell eine Grippewelle um, dann vermeiden Sie wenn möglich häufiges Händeschütteln – oder waschen Sie sich anschließend die Hände.
  3. Schleimhäute: Fassen Sie sich wenn möglich nicht mit den Händen ins Gesicht oder an die Schleimhäute. Sonst kommen die Erreger schnell in den Körper.
  4. Lüften: Lüften Sie daheim oder im Büro mehrmals am Tag kurz durch. Stichwort: Stoßlüften.
  5. Zwiebelschichten: Ziehen Sie Kleidung nach dem Zwiebelsystem an, die Sie drinnen Schicht für Schicht ablegen können.
  6. Ernährung: Achten Sie vor allem in der kalten Jahreszeit auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Vitamin C. Das stärkt das Immunsystem.
  7. Nährstoffpräparate: Meist ernähren wir uns im Winter nicht so vitaminreich wie etwa im Sommer. Deshalb kann man den Körper mit speziellen Nahrungsergänzungsmitteln unterstützen. Fragen Sie Ihren Arzt.
  8. Bewegung: Bewegen Sie sich – auch wenn das Wetter nicht mitspielt – regelmäßig an der frischen Luft. Auch ein flotter Spaziergang zählt dazu.
  9. Trinken: Nehmen Sie täglich etwa zwei bis drei Liter Flüssigkeit zu sich: Wasser, mildes Mineralwasser, ungesüßte Tees oder stark verdünnte Fruchtsäfte.
  10. Schlafen: Achten Sie auf reichlich und vor allem regelmäßigen Schlaf. Ein müder Körper ist anfälliger für Krankheitserreger.