Schritt für Schritt in ein gesundes Leben
Die junge Disziplin der Lebensstilmedizin hat ein breit gefächertes Angebot im Köcher, um den ebenso typischen wie gefährlichen Zivilisationserkrankungen vorzubeugen oder sie zu heilen. Entscheidend ist aber auch die eigene Motivation, mitzutun.
Wussten Sie, dass Erkrankungen, die aus einem ungesunden Lebensstil resultieren, die häufigsten Todesursachen des 21. Jahrhunderts stellen? Tatsächlich wird unser Alltag meist von Stress und Hektik bestimmt. Mit dazu gehören oft falsche Ernährung und chronischer Bewegungsmangel – die drei Kardinalsünden unserer Gesellschaft, die langfristig zu Herzerkrankungen, Adipositas, Typ-2-Diabetes, Krebs und Depression führen können. Zeit demnach, sich rückzubesinnen, neue Wege zu suchen oder auf Bewährtes zurückzugreifen, und eben das tut
die noch relativ junge Disziplin der Lebensstilmedizin, die genau genommen aber auf eine bis in die Antike reichende Tradition verweisen kann.
Wichtiger Teilbereich
Schon damals waren Ärzte hauptsächlich dafür verantwortlich, ihre Patienten gesund zu halten. Im fünften und vierten Jahrhundert vor unserer Zeit entwickelte sich die Vorstellung, dass der Mensch seine Gesundheit bis zu einem erheblichen Grad mitbestimmen kann und dafür auch Verantwortung zu übernehmen hat.
Der berühmte Arzt Hippokrates prägte in
diesem Zusammenhang den Begriff „diaita“, der freilich ein viel breiteres Bedeutungsspektrum hat als der heutige Begriff „Diät“. Er umfasste neben Essen und Trinken alle Aspekte der Lebensführung wie Arbeit, Erholung, Sport, Körperpflege, Gebrauch der Stimme, Schlafen und Wachen sowie Sexualität. Und die Diätetik galt neben Chirurgie und Pharmakologie als einer der drei wichtigsten Teilbereiche der Medizin.
Balance als Schutz
„Die Balance von Körper, Geist und Seele ist der beste Schutz vor vorzeitigem Leistungsabbau und Verlust der Gesundheit, und das beste Mittel für diesen Einklang ist ein gesunder Lebensstil“, sagt Prim. Dr. Johannes Püspök, der Ärztliche Direktor des Lebens.Resorts Ottenschlag, der Lebensstilmedizin von der ersten Stunde an gemeinsam mit den Pionieren dieser Medizinrichtung mitentwickelt hat. „Wir sehen Lebensstilmodifikation als ein zentrales Element all unserer Beratungen und Therapien, denn es geht nicht nur um die Behandlung von Beschwerden, sondern – egal zu welchem Zeitpunkt sich jemand an uns wendet – eine nachhaltige Veränderung des Lebensstils kann in gesundheitlicher Hinsicht erfolgversprechend sein.“
Rechtzeitig gegensteuern
So fußt die moderne Lebensstilmedizin unserer Zeit auf Maßnahmen der Ernährungsmedizin, der Bewegungsmedizin sowie psychologischen und sozialen Maßnahmen. Man weiß heute auch, dass wenn Symptome auftreten, eine Krankheitsentwicklung meist schon weit fortgeschritten ist.
Aber: Man kann kleine Störungen im Körper bereits Jahre vorher erkennen, und das birgt die Chance, rechtzeitig gegenzusteuern. So kann zum Beispiel das Risiko für Herzinfarkt und
Typ-2-Diabetes und auch für Krebs und Schlaganfall stark gesenkt werden, wenn entsprechend präventiv eingegriffen wird (siehe unten).
Vorbeugen ist besser als heilen
Vorbeugen ist besser als heilen: Diese alte Weisheit ist deshalb ein wichtiges Motto der Lebensstilmedizin: „Wir wollen vor allem auch jene Menschen unterstützen, deren Gesundheit aus dem Lot geraten ist oder zu kippen droht. Wichtig dafür ist, auf die drei Schlüsselelemente Ernährung, Bewegung und mentale Gesundheit zu achten. Ein umfassendes Beratungs- und Therapiekonzept setzt in all diesen Bereichen an“, sagt Püspök.
Dort, wo es medizinisch sinnvoll ist, wird auch auf die Unterschiede zwischen Frauen und Männern eingegangen. Denn heute weiß man, dass die beiden unterschiedlichen Geschlechter auch einen unterschiedlichen Umgang mit Gesundheit und Krankheit pflegen, teilweise andere Risikofaktoren haben und daher oft geschlechtsspezifisch behandelt werden müssen.
Sanft & kompetent begleitet
Oft geht es aber einfach nur darum, sich einmal eine Auszeit zu nehmen und sanft, aber wissenschaftlich fundiert und medizinisch kompetent begleitet, die Lebensgewohnheiten zu verändern. „Fachärzte, Physiotherapeuten, Psychologen, Psychotherapeuten und Diätologen können dabei unterstützen, auf den richtigen und gesunden Weg zu kommen. Doch ein ganz entscheidender Faktor dafür, dass das Ganze funktioniert, ist auch die eigene Motivation mitzutun“, erklärt Püspök.
Daher werden etwa im Lebens.Resort Ottenschlag auch in das Behandlungsprogramm integrierte anschauliche Schulungen angeboten, bei denen Kurgäste und Rehabilitations-Patienten lernen, wie sie einen gesunden Lebensstil konkret umsetzen können. Ein Beispiel dafür ist die Schauküche, in der man lernen kann, wie ausgewogene und gesunde Ernährung tatsächlich funktioniert.
Tun Sie „es“!
Mit solchem Wissen und der Motivation, „es“ auch zu tun ausgestattet, sollte es leicht „Zivilisationsangeschlagenen“ gelingen, ihr Gesundheitsverhalten und in weiterer Folge ihre Lebensqualität nachhaltig positiv zu beeinflussen. Aber auch bei bereits bestehenden Beschwerden kann man gegensteuern: „Nach einer eingehenden Untersuchung stellt ein Arzt das individuell passende Behandlungsprogramm zusammen. Neben den Beratungsmöglichkeiten rund um das Thema Lebensstil ermöglicht das Angebot an Bewegungstherapie, elektrophysikalischen Behandlungen, Packungen und Trocken- sowie Unterwassermassagen Beschwerden zu lindern“, erklärt Püspök, und: „Durch konsequente Anwendung der erlernten Möglichkeiten, den Lebensstil zu verbessern, wird der Gesundheitszustand stabilisiert, der Gesundungsprozess beschleunigt und die Risikofaktoren für den Erwerb von typischen Zivilisationserkrankungen minimiert.“
Es ist oft nur ein kleiner erster Schritt.
Tun Sie ihn!
Lebensstil, Krankheit & Gesundheit
Jede Krankheit und jedes Symptom hat eine Vielzahl von Ursachen, die leider nicht immer klar ersichtlich sind. Sehr häufig aber sind diese im Lebensstil des Betroffenen zu finden.
- Beispiel Krebs
Im Rahmen des Me-Can(Metabolic syndrome and Cancer)-Projektes analysieren Forscher relevante Zusammenhänge zwischen Lebensstilfaktoren und der Entstehung von Tumoren. „Personen, die Faktoren wie Fettleibigkeit, Bluthochdruck, veränderte Blutfettwerte und Insulinresistenz in ihrem Krankheitsbild vereinen, zeigen ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Darm-, Bauchspeicheldrüsen-, Nieren- und Leberkrebs sowie von gynäkologischen Tumoren“, so ein wichtiges Ergebnis der Langzeitstudie. - Beispiel Demenz
Eine Studie der Universitätsklinik Traunstein zeigt, dass Demenz weniger schicksalhaft zu sein scheint als vielfach angenommen: „Ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung kann schützen.“
Weitere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Rauchen und zu wenig Bewegung den Abbau des Denkvermögens fördern, während regelmäßige körperliche Aktivität und eine mediterrane Ernährung davor schützen. - Beispiel Diabetes
Forscher der Medizinischen Universität Wien fanden heraus, dass im Frühstadium des Typ-2-Diabetes eine Chance besteht, die Manifestation der Erkrankung zu verhindern. „Beim Typ-2-Diabetes kann dieses Risiko durch eine Lebensstiländerung mit viel Bewegung, Gewichtsreduktion und gesunder Ernährung sogar um bis zu 70 Prozent verringert werden“, so die Studie.





