Rad & Tat
Die Tage werden länger. Draußen wird es wärmer. Kurz: Die Fahrradsaison beginnt. Was braucht man, um sicher unterwegs zu sein? Und welches Rad ist eigentlich das richtige für mich?
Die Schwester besuchen, schnell einmal Brot kaufen, sich ein Eis gönnen – viele dieser Wege bewältigen wir mit dem Auto. Dabei ist statistisch gesehen ein Viertel all unserer Fahrstrecken kürzer als zweieinhalb Kilometer. Eine Distanz, die man leicht mit dem Fahrrad zurücklegen könnte. Doch was spricht dagegen? Schlechtes Wetter, Sturzgefahr oder doch nur der innere Schweinehund, der sich lieber ohne Anstrengung in einem komfortablen Ledersitz fortbewegen möchte, als in die Pedale zu treten?
Viel produktiver wäre es, sich anzuschauen, was eigentlich dafür spricht, den Drahtesel öfter aus dem Keller zu holen. Denn Radfahren schützt das Klima. Während ein Auto pro Kilometer im Durchschnitt 248 Gramm CO2 ausstößt, ist es beim Fahrrad nur ein einziges Gramm. In Städten vermindern Radfahrer, im Gegensatz zu Autofahrern, nicht nur die Luftqualität und tragen zur Lärmreduktion bei, weil die lästigen Motorengeräusche ausbleiben. Ein Fahrrad braucht auch nur ein Siebentel des Platzes, den ein Auto auf der Straße braucht. Deshalb müssen Radfahrer sich weder über Staus noch Parkplatzmangel Gedanken machen. Und sie sparen beim Radfahren auch noch Geld, weil sie keinen teuren Treibstoff verbrennen, sondern nur Kalorien. Radeln ist nämlich auch gesund und hält fit.
Doch welches Rad ist das richtige für mich? Es gilt die einfache Faustregel: Radeln Sie pro Jahr weniger als 2.000 Kilometer, dann genügt ein günstiges Fahrrad. Bei mehr als 2.000 Kilometern sollten Sie beim Kauf auf Stabilität, Komfort und Sicherheit achten. Außerdem sollten Sie sich im Vorhinein überlegen, wofür Sie das Fahrrad verwenden möchten. Brauchen Sie es bloß für den gelegentlichen Besuch der Tante? Dann ist wohl ein Alltagsrad wie ein Citybike die beste Wahl. Wollen Sie damit den wöchentlichen Großeinkauf erledigen oder vielleicht Haustiere transportieren, kann gar ein Lastenrad mit großem Korb empfehlenswert sein. Möchten Sie sich abseits der asphaltierten Straßen bewegen und sich sportlich betätigen, sollten Sie sich den Kauf eines Mountainbikes mit breiten Stollenreifen überlegen. Haben Sie Lust an der Geschwindigkeit, sind Sie mit einem Rennrad bestens bedient. Und für Menschen, die ihr Fahrrad im Auto, im Bus oder im Zug transportieren möchten, bietet sich ein Faltrad an.
Eine besondere Form des Citybikes ist das Elektrofahrrad. Ein eingebauter Motor verstärkt die Tretkraft des Radfahrers; so kommt man mit wenig Kraftaufwand schnell voran und kann größere Distanzen einfacher zurücklegen. Bei der Benützung eines E-Bikes entstehen keine direkten Emissionen und die Energiekosten, die beim Aufladen des Akkus entstehen, sind minimal. Diese Räder sind vor allem für Personen geeignet, die wenig trainiert sind oder unter körperlichen Gebrechen leiden.
Egal für welches Fahrrad Sie sich entscheiden – die richtige Größe ist wichtig. Man sollte Kindern kein zu großes Fahrrad kaufen, in der Hoffnung, dass sie bald „daraufwachsen“. Das kann mitunter zu Stürzen führen und sehr gefährlich sein.
Das Rad richtig einstellen
Vor der ersten Ausfahrt passt man den neu erworbenen fahrbaren Untersatz an seine Bedürfnisse an. Die optimale Sitzhöhe, den Abstand zwischen dem Sattel und den Pedalen sollten Sie so wählen, dass Sie mit gestrecktem Bein das Pedal mit der Ferse noch gut erreichen können. Der Sattel selbst sollte so waagerecht wie möglich sein und der Abstand zum Lenker so, dass Sie aufrecht sitzen können.
Ist der Lenker zu niedrig, sollten Sie über einen anderen Lenker oder einen Aufsatz nachdenken, der höhenverstellbar ist, um Rücken und Bandscheiben zu schonen.
Für kurze Fahrten mit dem Rad ist die normale Alltagskleidung in Ordnung. Bei Radtouren sollten Sie spezielle Funktionskleidung tragen. Sie nimmt den Schweiß auf und verteilt ihn großflächig, damit er abtrocknen kann. Außerdem kann man in ein Unwetter geraten. Deshalb sollten Sie immer winddichte, wasserdichte und dabei noch atmungsaktive Kleidung mit sich führen. Bei niedrigen
Temperaturen sind Sie mit winddichter und wärmender Wetterschutzkleidung gut beraten. Unabhängig vom Wetter empfiehlt sich Kleidung in hellen Farben, im Idealfall mit Reflektorstreifen versehen, um möglichst gut sichtbar für Autofahrer zu sein. Die Wetterschutzkleidung sollte gut faltbar sein, um wenig Platz in der Tasche oder dem Rucksack zu verbrauchen – alle Öffnungen wie Kapuzen, Kragen, Ärmel- oder Hosenenden sollten mit Gummizug zugezogen werden können. Die Schuhe sollten leicht und mit einer rutschfesten Sohle ausgestattet sein. Für längere Ausfahrten gibt es im Fachhandel spezielle Radschuhe.
Einfache Wartung
Im Gegensatz zu einem Auto sind Wartungsarbeiten an einem Fahrrad sehr einfach und können von den meisten Radfahrern selbst durchgeführt werden. Vor allem nach einer längeren Pause sollte ein großes Service erfolgen, das man auch zu Hause machen kann (siehe unten). Ein sauberes Fahrrad ist die Voraussetzung für ein langes Vergnügen damit. Kette und Zahnräder müssen staub- und schmutzfrei sein, damit die Schaltung richtig funktioniert. Verwenden Sie dabei aber niemals Hochdruckreiniger, sondern immer nur nasse Tücher.
Stürzt man trotz regelmäßiger Wartung des Fahrrads doch einmal, kann ein passender Helm ein wahrer Lebensretter sein. Beim Kauf sollte man darauf achten, dass er über eine harte Außenschale und Belüftungsöffnungen verfügt, die über Luftkanäle miteinander verbunden sind. Netze in den Öffnungen verhindern, dass Insekten hineinkriechen können. Der Riemen, mit dem man den Helm am Kopf befestigt, sollte leicht zu öffnen und zu schließen sein. Der Helm sollte aus einem reflektierendem Material bestehen und gut sitzen.
Eine CT-Kennzeichnung und die Norm EN 1078 versprechen eine gute Qualität des Kopfschutzes. Für Erwachsene besteht in Österreich keine Helmpflicht. Kinder bis zwölf Jahre müssen einen Helm tragen – auch wenn sie im Kindersitz oder Fahrradanhänger mitgenommen werden.
Ob eine Helmpflicht für Erwachsene in Österreich wünschenswert ist oder nicht, darüber scheiden sich die Geister. Die Einführung der Helmpflicht in Australien hatte zur Folge, dass
die Radnutzung in Städten zwischen 20 und 40 Prozent sank.
Was Radfahren bringt
Radeln für die Gesundheit lohnt sich: Für eine Steigerung der Kondition empfiehlt der Hollabrunner Sportmediziner Dr. Gunther Leeb vor allem Regelmäßigkeit: Man sollte nicht nur in der wärmeren Jahreszeit, sondern das ganze Jahr über trainieren – zum Beispiel auf dem Hometrainer. Einsteigern rät der Arzt, sich anfangs nicht zu viel vorzunehmen: „Zu Beginn ist es ausreichend, an drei Tagen in der Woche je dreißig Minuten zu starten. Nach jedem Trainingstag sollte ein Tag Pause zur Regeneration erfolgen.“ Nur langsam sollte der Trainingsumfang gesteigert werden, sagt Leeb: „Alle vier bis sechs Wochen kann man dann um fünf bis zehn Minuten pro Trainingseinheit länger trainieren. Ziel für ein gesundheitsorientiertes Fahrradtraining sind dreimal 45 Minuten bis dreimal 60 Minuten pro Woche.“
Anti-Aging-Effekt
Die gesundheitlichen Vorteile eines solchen Trainings können sich sehen lassen: Die Aufnahme von Sauerstoff und dessen Verarbeitung im Körper werden verbessert. Das wirkt sich positiv auf den gesamten Stoffwechsel, das Immunsystem und das Herz-Kreislauf-System aus. Aber auch erhöhte Blutdruck- und Blutfettwerte können gesenkt werden.
In einer 2001 veröffentlichten dänischen Langzeitstudie wurde zudem nachgewiesen, dass
körperliche Bewegung die Lebenserwartung begünstigt. Den Studienergebnissen zufolge
lebten Menschen, die rund drei Stunden in der Woche Rad fuhren, länger. Die Sterberate bei den regelmäßigen Radfahrern war um 40 Prozent niedriger als bei jenen, die nur in der Freizeit oder gar nicht sportlich aktiv waren.
Fitter & agiler
Immer häufiger greifen auch Senioren zum Fahrrad. Daten der Statistik Austria zeigen, dass die 60- bis 69-Jährigen zu den aktivsten Radfahrern zählen. Für den Sportarzt aus Hollabrunn eine positive Entwicklung: „Ältere Menschen profitieren vom Fahrradtraining ganz besonders. Ein regelmäßiges Trainingsprogramm ist eine Möglichkeit, den Alterungsprozess zu stoppen und somit Anti-Aging zu betreiben. Ein 70-Jähriger, der regelmäßig Sport treibt, kann durch sein Training eine bessere Fitness als ein 40-Jähriger bekommen. Das bedeutet auch für den Alltag eine deutliche Verbesserung der gesamten Lebensqualität.“ Also: Rauf auf den Drahtesel und losradeln!
Frühjahrs-Check
Mindestens einmal im Jahr sollten Sie Ihr Fahrrad warten, am besten nach der Winterpause:
- Ziehen Sie alle Schrauben des Fahrrads nach.
- Reinigen Sie die Kette und ölen Sie sie gut. Ist sie verrostet, muss sie ausgetauscht werden.
- Rasten die Gänge nicht leicht und schnell ein, sondern die Kette rattert, wischen Sie Kette und Zahnräder gut ab und spannen Sie die Schaltzüge nach.
- Reinigen Sie auch die Reflektoren, damit diese immer gut sichtbar sind.
- Kontrollieren Sie die Lampen. Haben Sie batteriebetriebene Lichter, sollten Sie vor längeren Ruhepausen die Batterien herausnehmen, damit diese nicht auslaufen.
- Die Bremsbeläge sind abgenützt, wenn man die Rillen an der Bremsfläche nicht mehr erkennt. In diesem Fall sollten sie ausgetauscht werden. Ansonsten muss die Bremse leicht zu betätigen sein und gut greifen.
- Der Reifendruck sollte den Angaben auf dem Mantel entsprechen. Ein Reifen mit wenig Luft kostet mehr Kraft beim Treten.
- Kontrollieren Sie Ihren Reifen auf Risse und sonstige Beschädigungen und wechseln Sie ihn bei Bedarf.
Nextbike zum Ausleihen
Besitzen Sie selbst kein Fahrrad oder haben gerade keines zur Hand, wenn Sie es brauchen, gibt es an rund 200 Stationen in Niederösterreich die Möglichkeit, sich ein „Nextbike“ auszuleihen. Ein Anruf bei der Hotline genügt und schon erhält man einen Zahlencode, der das Schloss des Rades öffnet. Der Verleihtarif beträgt einen Euro pro Stunde beziehungsweise zehn Euro pro Tag. Besitzer der Niederösterreich-Card haben einen Gratis-Tag zur Verfügung. Zum Saisonauftakt wird unter allen Neukunden, die sich im April oder Mai registrieren, Zeitguthaben verlost. Für Kunden, die schon länger dabei sind, gibt es ebenfalls eine Aktion: Unter den Nextbike-Benutzern, die den Service im April und Mai am häufigsten in Anspruch nehmen, werden fünf RADLand-NÖ-Liegestühle verlost.
Informationen: Hotline: 02743/229901, www.nextbike.at
Werkzeug für unterwegs
- handliche Luftpumpe
- Schlauchflickset oder Ersatzschlauch
- Reifenheber (zum Entfernen des Mantels)
- Multitoolset für Radfahrer
Bei längeren Touren
- Kabelbinder
- Isolierband
- Kettennieter und Kettenschloss





