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Mit dem Fahrrad um die Welt

Zwei Niederösterreicher erkunden den Globus per Rad. Seit zwei Jahren sind sie bereits unterwegs. GESUND&LEBEN erzählten sie, wie es ihnen auf ihrer Reise geht.


Ein sportliches Pärchen: Die Niederösterreicher Heidi und Markus Dangl radeln um den Globus.

Heidi und Markus Dangl (Jahrgang 1977 und 1979) sind seit dem 1. April 2013 mit dem Fahrrad unterwegs. Davor arbeiteten sie als diplomierte Pflegekräfte im Universitätsklinikum
St. Pölten. Derzeit befinden sie sich in der Wüste Kaliforniens in den USA. Die beiden wollen die Welt mit dem Fahrrad umrunden. Das Paar hat Erfahrung: Davor fuhren sie die Panamericana-Strecke von Alaska bis nach Feuerland und erlebten zahlreiche schöne, aber auch tragische Momente. Deshalb haben sie sich dafür entschieden, mit ihrer Reise Spenden für das Projekt „Leben braucht Wasser“ zu sammeln. Ihre Tour finanzieren die beiden von Ersparnissen.

Wie lange seid ihr schon im Radsport tätig?
Markus: Mit 14 habe ich mir oft das Rennrad meines Vaters ausgeborgt und die Gegend erkundet. Vor unserer Weltreise bin ich 10.000 Kilo­meter pro Jahr geradelt und gemeinsam haben wir an etlichen Radmarathons und anderen
Rennen teilgenommen. Radfahren ist für mich einfach das ultimative Gefühl von Freiheit und mitunter die schönste Sache der Welt.
Heidi: Ich habe 2005 mein erstes Mountainbike gekauft, nachdem wir uns entschlossen hatten, die Panamericana zu bezwingen. Zum Glück habe ich mich sofort in das Radfahren verliebt, denn zwei Jahre später sind wir die knapp 30.000 Kilometer von Alaska nach Argentinien geradelt. Mittlerweile könnte ich mir ein Leben ohne Radfahren gar nicht mehr vorstellen.

Wie schwer war es, die Jobs aufzugeben und rund um die Welt zu radeln?
Heidi: Da dies ja schon unsere zweite längere Reise ist, war die Entscheidung dieses Mal gar nicht schwer. Gerade in unserem Beruf als Kranken­pfleger ist man immer wieder mit dem Tod konfrontiert und sieht die Dinge vielleicht aus einem anderen Blickwinkel. Unser Motto lautet daher „Träume nicht dein ganzes Leben, sondern lebe deine Träume“.

Welche Tipps habt ihr für Leute, die ebenfalls eine lange Reise mit dem Fahrrad planen?
Markus: Geld sparen, Fahrrad kaufen, Route planen und ab auf die Straße. Im Prinzip kann das wirklich jeder machen. Man muss nur wollen, außerdem braucht man nicht einmal sonderlich
fit zu sein, weil das mit der Zeit von ganz alleine kommt. Die einzige Grundvoraussetzung ist, dass man wirklich gerne auf dem Fahrrad sitzt.

Wie motiviert ihr euch, jeden Tag weiter in die Pedale zu treten – auch bei schlechtem Wetter?
Markus: Für uns gehört Radfahren dazu wie das Atmen. Daher ist es nicht wirklich schwer, uns zu motivieren, weil wir das, was wir tun, gerne machen. Aber ehrlich gesagt: Wenn es tagelang regnet und alles pitschnass ist, wünschen wir uns manchmal nichts mehr als eine gemütliche Couch und einen warmen Kaffee.

Wie geht es nach der Weltreise weiter?
Heidi: Wir würden gerne weiterhin Radfahren und Reisen. In welcher Form auch immer. Die Rückkehr in den Alltag war nach der ersten Reise überraschend einfach. Nach so langer Zeit ohne wirk­liches Dach über dem Kopf war es damals schön, wieder die Tür schließen zu können und daheim zu sein. Denn manchmal ist es auch anstrengend, nicht zu wissen, was der nächste Tag bringt, wo man schläft oder wo und wie man etwas zu Essen bekommt. Da tut ein wenig Alltag ganz gut.

Was war euer schönstes Erlebnis?
Heidi: Es ist für uns noch immer unglaublich, wie viele hilfsbereite und auf­geschlossene Menschen es auf unserem Planeten gibt – unabhängig von Hautfarbe, Nationalität und Religion. Unzählige Male wurden wir von wildfremden Menschen zum Essen oder Übernachten eingeladen. Außerdem gibt es unzählige schöne Plätze, die in keinem Reiseführer stehen.

Wie seid ihr auf die Spendenaktion „Leben braucht Wasser“ gekommen?
Markus: Schon auf unserer letzten Reise haben wir viel Armut und Ungerechtigkeit gesehen.
Wir wollen einfach darauf aufmerksam machen und Geld für einen guten Zweck sammeln. Auf „Leben braucht Wasser“ sind wir gestoßen, weil es eine kleine österreichische Hilfsorganisation ist, deren Gründer und Betreiber wir persönlich kennen. Somit wissen wir, dass jeder Cent wirklich ankommt. Außerdem werden nicht nur Brunnen gebaut, sondern auch die Leute ausgebildet, um den Brunnen am Laufen zu halten und reparieren zu können.

War das eure letzte lange Reise mit dem Fahrrad?
Heidi: Nein, das war bestimmt nicht die letzte Reise. Aber mit Sicherheit werden wir nicht mehr für drei Jahre wegfahren, denn der Aufwand, um so ein Projekt zu realisieren, ist extrem groß. Trotzdem schwirren natürlich schon ein paar „kleinere“ Projekte in unseren Köpfen herum. Denn ist man einmal mit dem „Radreisevirus“ infiziert, kommt man nicht mehr davon los.

Web-Tagebuch & Spendenmöglichkeit für „Leben braucht Wasser“:

www.2roadrunners-on-tour.at
www.lebenbrauchtwasser.org

„Leben braucht Wasser“ ist eine Hilfs­organisation, die sich auf die Errichtung von Trinkwasserbrunnen in wasserarmen Ländern spezialisiert hat. Zudem werden junge Afrikaner zu Brunnenmachern und Solarpumpenmonteuren ausgebildet. Somit erhalten sie neben dem Zugang zu sauberem Trinkwasser auch eine Berufsausbildung und ein soziales Einkommen für ein menschenwürdiges Leben im eigenen Land.