Pollen im Anflug
Alle Jahre wieder ... kommt die Pollensaison. GESUND&LEBEN erinnert Sie an die wichtigsten Fakten zu einem Thema, das immer mehr Menschen betrifft.
Dr. Christoph Katzenschlager, HNO-Facharzt in Krems
„Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte“ … die berühmten Anfangszeilen des Gedichts „Er ist’s“ von Eduard Mörike lassen Gefühle in uns hochtauchen. Doch
während die einen sich mit ungetrübter Freude auf diese neue Jahreszeit einstimmen, müssen die anderen ihre Vorbereitungen treffen, denn: Auf sie warten nicht nur die Sonne, die grün
werdenden Bäume und die ersten blühenden Blumen, sondern auch die Pollen.
Rinnende Nase & tränende Augen
Die Folgen für Allergiebetroffene sind bekannt: rinnende Nase, tränende Augen, und: Man fühlt sich wirklich nicht gut. Was also ist angesagt? „Die beste Behandlungsform allergischer Erkrankungen ist, das auslösende Allergen vollständig zu meiden“, stellt der HNO-Facharzt
Dr. Christoph Katzenschlager aus Krems klar. Doch dass das nicht immer geht, wissen leidgeplagte Allergiker nur allzu gut. Die Experten schlagen daher zur Behandlung der allergischen Rhinitis (Heuschnupfen) als wichtigste Medikamente orale Antihistaminika und topische Kortikosteroide (Kortison) vor. „Antihistaminika sind Wirkstoffe, die die Histaminrezeptoren blockieren und somit die Wirkung des Histamins abschwächen, das verantwortlich für die Allergiesymptome ist. Die neueren Antihistaminika haben neben dieser histaminblockierenden Wirkung auch entzündungshemmende Eigenschaften. Sie werden gut vertragen und machen nicht oder kaum mehr müde, was ein Problem bei den älteren Antihistaminika darstellte“, sagt Katzenschlager. Gegen die in Mitleidenschaft gezogene Nase empfiehlt er in erster Linie nasale Glukokortikoide (Nasensprays). „Die lokalen Nebenwirkungen beschränken sich meist auf leichtes Nasenbluten und nasale Trockenheit; systemische Kortison-Nebenwirkungen bestehen nicht. Man kann diese Nasensprays daher über einen längeren Zeitraum problemlos anwenden. Besonders die neuesten Präparate, die eine Kombination aus Kortikoid und lokalem Antihistaminikum darstellen, sind sehr effektiv.“
Auch gegen die tränenden Augen gibt es neben den oralen Antihistaminika Abhilfe in Form von histaminblockierenden Augentropfen oder Kortison-Augentropfen.
Impfkur früh beginnen
So viel zur Akutbehandlung, doch man sollte auch wissen, dass diese nur die Symptome behandelt – und nicht die Allergie selbst. Neben der schon erwähnten Allergenmeidung ist die Hyposensibilisierung – auch Impfkur genannt – die einzige kausale Therapie allergischer Erkrankungen. Wie man eine derartige Behandlung bekommt? Am Beginn steht das Feststellen des auslösenden Allergens, zum
Beispiel durch einen Hauttest beim niedergelassenen HNO- oder Hautarzt.
Bei der Hyposensibilisierung werden langsam steigende Dosen des Allergens, gegen das die betroffene Person sensibilisiert ist, entweder unter die Haut gespritzt oder als Tropfen oder auflösbare Tablette über die Mundschleimhaut unter der Zunge verabreicht. Die Therapie dauert in der Regel drei Jahre. „Die Wirksamkeit der Hyposensibilisierung ist ausreichend belegt, und die Therapie sollte möglichst frühzeitig eingesetzt werden“, betont Katzenschlager. „Neben dem therapeutischen Effekt ist bei der Immuntherapie auch der präventive Aspekt wichtig: So kann man Neusensibilisierungen vermeiden – das Auftreten von Allergien gegen ein neues Allergen, also zum Beispiel zuerst Gräser und dann Birke. Wichtig ist dies auch, damit sich kein Asthma bronchiale entwickelt.“ Denn Allergien haben in der Tat die unangenehme Eigenschaft sich „weiterzuentwickeln“, und zudem gibt es immer mehr Betroffene.
Immer mehr Ältere neubetroffen
In den Industrieländern ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten eindeutig ein Anstieg der
Häufigkeit von allergischen Erkrankungen festzustellen. Mittlerweile geht man davon aus, dass in Europa etwa jeder vierte Mensch im Laufe seines Lebens an einer Allergie erkrankt. „Natürlich ist die am häufigsten betroffene Altersgruppe immer noch die der Kinder und der jungen Erwachsenen, allerdings ist heutzutage auch ein Neuauftreten im höheren Lebensalter keine
Seltenheit mehr“, sagt Katzenschlager. „Die Gründe dafür kennt man noch nicht genau, Umweltverschmutzung und Stressfaktoren scheinen aber eine große Rolle bei der Entstehung der Allergie zu spielen.“
Allergien werden uns also weiterhin
begleiten, und begleiten sollte uns auch der abschließende Expertenrat: „Nehmen Sie die Sache nicht auf die leichte Schulter und handeln Sie umgehend!“





