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Omas Hausmittel im Check

Sie sind allzeit zur Hand und zu hundert Prozent natürlich. Die Hausmittel, die schon Oma kannte und schätzte. Ihre Wirkung ist inzwischen auch mit der modernen Medizin erklärbar.


Kühlende Umschläge sind einfach anzuwenden und tun gut, das wusste man schon zu Großmutters Zeiten. FOTO: fotolia

Dr. Astrid Cisar, Ärztin für Allgemeinmedizin, Homöo­pathin in Amaliendorf-Aalfang

Traditionelle Hausmittel wurden zum Teil seit Jahrhunderten und über Generationen hinweg überliefert und wirken, obwohl oftmals niemand weiß, warum. Die meisten dieser Rezepturen bedienen sich der heilenden Wirkung von Grundnahrungsmitteln und Kräutern, die in früheren Zeiten in nahezu jedem Haus und Garten zu finden waren. Das macht sie auch heute noch so beliebt und einfach in der Anwendung.
Ein gutes Beispiel dafür sind etwa Wickel und Umschläge, bei denen neben heißem und kaltem Wasser auch Topfen, Essig oder Zwiebeln zur Anwendung kommen. Sie waren in Zeiten, in denen man noch keine Antibiotika kannte, die einzige Waffe gegen Fieber und Entzündungen, die den Menschen zur Verfügung stand.
Intuitiv greifen wir auch heute zu kalten Kompressen, um hochfiebernden Kranken Linderung zu verschaffen. „Wickel bei Fieber sind grundsätzlich eine gute Idee, wenn man sie richtig anwendet“, weiß Dr. Astrid Cisar. Die Allgemeinmedizinerin aus dem Waldviertel hat sich auf naturheilkundliche Heilverfahren und Homöopathie spezialisiert und berät täglich Patienten zu komplementärmedizinischen Behandlungen. „Umschläge bei Fieber sollten nie eiskalt sein, sondern körperwarm. Außerdem dürfen sie nicht auf ohnehin kalten Körperteilen angewendet werden, nur auf heißen Stellen wie Kopf, Rücken oder Rumpf“, rät die Expertin. Feuchte Umschläge nutzen die Verdunstungskälte, um dem Körper Hitze zu entziehen. Sie sind, im Gegensatz zu fiebersenkenden Medikamenten, eine kreislaufschonende Möglichkeit, die Körpertemperatur langsam um ein bis zwei Grad zu senken. Die berühmten „Essigpatscherl“ wirken auf dieselbe Weise, zusätzlich wird dem Essig eine lymphanregende und durchblutungsfördernde Wirkung nachgesagt. Nach der Anwendung von Wickeln steigt das Fieber zwar meist wieder, dem Körper wird aber eine kurze Erholungsphase ermöglicht. Außerdem ist Fieber, solange es nicht bedrohlich hoch ist, das beste Hausmittel überhaupt. „Temperaturerhöhung ist das Einzige, das Viren und andere Erreger gar nicht vertragen“, betont Cisar. „Deshalb ist ein richtiger Fieberschub hin und wieder sehr gesund und wichtig, da er sozusagen eine Generalreinigung für den ganzen Körper bewirkt.“
Im Bedarfsfall kann auch von außen durch Schwitzkuren nachgeholfen werden. Heiße Bäder und Holunderblüten- oder Lindenblütentee eignen sich hervorragend, um die Körpertemperatur künstlich in die Höhe zu treiben.

Gut gewickelt

Ein beliebter Umschlag ist auch der Topfenwickel, der sich besonders auf Entzündungen der Gelenke, Brustdrüsen und Venen positiv auswirkt. Wichtig ist dabei, dass der Topfen nicht direkt aus dem Kühlschrank, sondern körperwarm auf die nackte Haut kommt. Durch zu starken Kältereiz wird das entzündete Gewebe zusätzlich belastet und die Durchblutung verringert, was der Heilung abträglich ist. Der Topfen wird mit einem feuchten Tuch am Körper fixiert – sobald er trocken ist, sollte er erneuert werden. Die entzündungshemmende Wirkung des Topfens ist inzwischen wissenschaftlich belegt, für die Linderung der Symptome ist die enthaltene Milchsäure verantwortlich.
Ein weiteres altes Mittel gegen Entzündungen aller Art sind Zwiebel und Knoblauch, die bakterienabtötende Inhaltsstoffe aufweisen und deshalb als natürliches Antibiotikum gelten. Zwiebel findet als Wickel vor allem bei Ohrenentzündungen Anwendung: Dazu die Zwiebel klein schneiden, in einem dünnen Tuch verpackt um das Ohr wickeln und zum Beispiel mit einer Haube fixieren. Bei hartnäckigem Husten hilft, besonders bei Kindern, der „Schmalzfleck“: einfach einen Wickel aus Schmalz auf die Brust legen. „Das Fett erzeugt einen Hitzestau und wirkt ähnlich wie eine Infrarotbestrahlung“, erklärt Allgemeinmedizinerin Cisar. In der betroffenen Region wird also lokal eine Temperaturerhöhung erzeugt, die unter anderem den Husten lockert.

Aus Omas Kräutergarten

Bekanntlich ist ja gegen alles ein Kraut gewachsen. Kamille und Salbei wirken entzündungshemmend, Fenchel beruhigt die Verdauung und hilft bei Blähungen, Lindenbütentee bringt ins Schwitzen. Besonders bei Beschwerden im HNO-Bereich ist Tee ein wesentlicher Bestandteil der traditionellen Hausapotheke. Gurgeln mit Salbeitee lindert durch seine desinfizierende Wirkung Hals- oder Zahnfleischentzündungen. Verklebte Augen können mit Kamillen- oder Fencheltee ausgewaschen werden. Gerade Kamille kann aber manchmal, im Augen­bereich angewendet, Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen und wird von Ärzten deshalb meist nicht empfohlen. Hierbei gilt aber wie bei jedem Hausmittel: Hilft es, kann man es beibehalten. Schadet es, sollte man die Finger davon lassen. Ein einfaches und natürliches Mittel, den Körper bei Bronchitis, Kehlkopfentzündung oder Schnupfen zu unterstützen, ist Inhalieren. Dafür sollte man immer Salzwasser verwenden, weil es durch seinen Mineraliengehalt dem natürlichen Milieu unserer Schleimhäute entspricht und sie besser befeuchtet. Oft werden zur Entzündungshemmung noch Salbei oder Kamille hinzugefügt, sie haben jedoch eine eher austrocknende Wirkung auf Schleimhäute. Trotz ihres betörenden Geruchs sollten auf keinen Fall ätherische Öle zum Inhalieren verwendet werden. „Gerade bei Kehlkopfentzündungen und Bronchitis kann man durch die stark reizenden ätherischen Öle weiteren Schaden anrichten“, warnt Astrid Cisar.

Süße Seiten der Gesundheit

Man möchte fast nicht glauben, dass er als Medizin taugt, so süß und lecker, wie er ist. Doch Honig gilt schon seit Urzeiten als vielseitiges Heilmittel. Seine Inhaltsstoffe hemmen effektiv Bakterien, Pilze und sogar Viren und wurden schon früh zur Wundreinigung genutzt. Sein bekanntester Wirkstoff ist wahrscheinlich die Substanz Propolis, die inzwischen in zahlreichen Salben, Pastillen und Kosmetikartikeln auftaucht und mit der Bienen ihren Stock vor Keimen schützen. Wir können das süße Wundermittel Honig zum Beispiel bei Rachenentzündungen nutzen. „Honig sollte man aber am besten pur lutschen. Er sollte nicht über 40 Grad erhitzt werden, wie etwa in heißem Tee oder Milch, da sonst seine Wirkstoffe zerstört werden“, weiß die Expertin. 
Süß und fruchtig und dazu heilsam sind auch Äpfel und Zwetschken, zumindest wenn die Verdauung Probleme macht. Bei Durchfall einen Apfel mitsamt Schale reiben, braun werden lassen und genießen, das empfahl schon die Großmutter – und es wirkt. Das Geheimnis liegt in der Schale, denn die enthält Pektin, einen Quellstoff. Dieser wirkt erstens verdauungsfördernd, was den Apfel auch zu einem guten Mittel gegen Übelkeit macht, zweitens verdickt er den Stuhl. Sozusagen die Gegenspielerin des Apfels ist die Dörrzwetschke, die, über Nacht in Wasser eingeweicht, durch ihren Ballaststoffreichtum den Darm in Schwung bringt und bei Verstopfung hilft.
Was Obst alles kann, beweist auch die Preiselbeere. Dass sie effektiv und auf natürliche Weise Blasenentzündung und Harnwegsinfekt kuriert, hat sogar schon die Schulmedizin entdeckt. Der schmerzhafte und oft sehr hartnäckige Harnwegsinfekt wird durch Bakterien, meist Escherichia Coli, verursacht. Preiselbeeren säuern den Harn an, was den Bakterien, die in basischem Milieu gedeihen, nicht bekommt. „Preiselbeersaft wirkt sehr gut, es sind jedoch große Mengen davon nötig. Deshalb kann man auch zu Kapseln aus der Apotheke greifen“, rät Cisar. Auf jeden Fall sollte man sehr viel Flüssigkeit trinken, um die Erreger aus dem Harntrakt zu spülen.

Mit Maß und Ziel

Ein weiteres trinkbares Hausmittel, das sich gerade nach üppigen Mahlzeiten großer Beliebtheit erfreut, ist das therapeutische Stamperl nach dem Essen. Vielleicht mehr als ein Geheimtipp der männlichen Ahnen bekannt, soll der Schnaps die Verdauung erleichtern und Völlegefühl verhindern, was durchaus seine Berechtigung hat: Die in qualitativ hochwertigen Kräuterschnäpsen enthaltenen Bitterstoffe regen die Gallenproduktion an, was wiederum die Fettverdauung fördern kann. „Allerdings genügen dafür kleinste Mengen“, betont Cisar. „Ein Löffel nach dem Essen reicht vollkommen, andernfalls überwiegen die Nachteile des hohen Alkoholgehalts.“
Auch wenn sie vielleicht die medizinischen Hintergründe nicht kannten, lagen die Generationen vor uns mit ihren überlieferten Heilmethoden also nicht so falsch. Einfache Zutaten aus der Speisekammer können, richtig angewendet, einen wichtigen Beitrag zur Heilung leisten. Und das ohne Nebenwirkungen. „Wenn man diese Methoden und Mittel mit Hausverstand einsetzt, kann man keinen Schaden anrichten“, meint die Expertin. Es geht in der Behandlung von alltäglichen Beschwerden vor allem darum, einen gesunden Mittelweg zwischen Schulmedizin und traditioneller, komplementärer Heilkunde zu finden. Und auch darum, zu erkennen, wenn Hausmittel an ihre Grenzen stoßen. „Wenn ein Kind seit Tagen vierzig Grad Fieber hat, helfen keine Wadenwickel mehr, dann muss es zu einem Arzt“, betont Cisar.