Myome – kein Grund zur Sorge
Unzählige Frauen leiden unter Gebärmutter-Myomen. Viele irrationale Ängste sind damit verbunden, doch diese Wucherungen der Muskulatur sind meist harmlos, und eine damit verbundene komplette Gebärmutterentfernung ist heute nur in seltenen Fällen nötig.
Bis zu 50 Prozent aller Frauen ab 30 haben sie, drei Viertel von ihnen bemerken davon aber nichts – Myome. Diese Wucherungen der Muskulatur, die sich überwiegend in der Gebärmutter finden, sind in der Regel harmlos bzw. gutartig. Sie können aber zu sehr starken Regelblutungen und -schmerzen führen und „durch die starken Blutungen kann es letztlich zu einer Blutarmut kommen, welche die allgemeine Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Außerdem kann es bei großen Myomen durch Druck auf die umliegenden Organe zu Verdauungsstörungen und Störungen im ableitenden Harnsystem kommen“, erklärt der Leiter der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Landesklinikum Lilienfeld, Prim. Dr. Sepp Bosak.
Unbegründete Ängste
Vielleicht deshalb, vielleicht aber auch, weil die weibliche Gebärmutter ein so geheimnisvolles Organ ist, fürchten viele betroffene Frauen, dass ihre Myome zu bösartigen Veränderungen wie Krebs führen könnten und grübeln der Sache oft besorgt nach, aber: „Nur etwa 0,5 Prozent aller Myome sind bösartig“, beruhigt der Facharzt. „Diese Myome heißen Sarkome und sind durch sehr rasches Wachstum gekennzeichnet. Deshalb bedürfen rasch wachsende Myome der besonderen Aufmerksamkeit, aber da sie nur sehr selten vorkommen, gibt es in den meisten Fällen keinen allzu großen Grund zur Besorgnis.“
Behandeln muss man Myome daher in der Regel auch nur dann, wenn sie Beschwerden machen. Und durch den Verlust des weiblichen Hormons Östrogen nach dem Wechsel schrumpfen Myome in fast allen Fällen – und können in höherem Alter fast nicht mehr nachgewiesen werden.
Myome und Schwangerschaft
Selten verursachen Myome in der Schwangerschaft Probleme: Sie können durch ihre Lage und Größe zu Komplikationen führen. Und kleinere Myome werden während einer Schwangerschaft oft schnell größer, da der erhöhte Östrogenspiegel ihr Wachstum beschleunigt. Ab einer bestimmten Größe können Myome vorzeitig Wehen auslösen und auch Lageanomalien des Kindes wie die Steißlage hervorrufen. Studien belegen, dass bei Myompatientinnen die Fehl- und Frühgeburtsrate erhöht ist. Auch die Fruchtbarkeit kann beeinträchtigt sein, wenn ein Myom den Eileiter blockiert. Myome sollten aber nicht leichtfertig als Ursache für Unfruchtbarkeit angenommen werden.
Total-OP nicht mehr im Trend
Früher wurde Frauen, die unter diesen Wucherungen der Muskulatur litten, oft die Gebärmutter gleich komplett entfernt – was viele Frauen auch psychisch belastete. Denn die Gebärmutter ist nun einmal ein Symbol für Weiblichkeit, und wenn sie fehlt, haben viele betroffene Frauen das Gefühl, nicht mehr „ganz Frau“ zu sein. Außerdem kam es oft für eine Zeit zu einer schwächeren Durchblutung der Eierstöcke, was ein hormonelles Ungleichgewicht auslöste. Mitunter entstanden bei den Betroffenen durch pathologische Vernarbungen auch Beschwerden, die größer und unangenehmer waren als jene, unter denen sie vor der Operation gelitten hatten, berichtet Gynäkologe Bosak. Nicht umsonst lehnen heute viele Frauen eine Entfernung ihrer Gebärmutter ab, und die Medizin kann und will diesem Trend folgen, denn: „Die Diagnostik hat sich in den letzten Jahren wesentlich verbessert, und wir können heute vor allem durch Ultraschalluntersuchungen das Wachstum von Myomen genau beobachten und kontrollieren. Und was
störende kleinere Myome betrifft, so können sie in vielen Fällen so entfernt werden, dass die Gebärmutter erhalten bleibt“, erklärt Prim. Bosak.
Schonende Operationsmethoden
Muss „es“ dennoch sein, weil eben Beschwerden bestehen, die durch eine konservative vorübergehende Therapie nicht unter Kontrolle gebracht
werden können oder die Myome wie oben erwähnt kontinuierlich und rasch wachsen, sodass eine Abklärung notwendig ist, so gibt es heute mehrere Operationsmethoden, die häufig auch tagesklinisch abgewickelt werden können. „Nach einer Operation ist die Patientin im Idealfall beschwerdefrei; das gilt auch für eine Komplettentfernung der Gebärmutter“, betont Bosak.
Alternativen zur Operation
Wenn Myome medizinisch behandelt werden müssen, gibt es noch ein paar Alternativen zur Operation, doch manche von ihnen haben auch Nachteile: „Mit einer medikamentösen Therapie kann man die Patientin vorzeitig in den Wechsel versetzen, wodurch Myome schrumpfen. Das führt allerdings in den
meisten Fällen zu relativ starken Beschwerden wie Wallungen, Schlafstörungen und Depressionen.“
Eine andere Möglichkeit ist die Therapie mit vorwiegend Gelbkörperhormon. „Dadurch kommt das Wachstum der Myome, das von den körpereigenen weiblichen Geschlechtshormonen abhängig ist, meist zum Stillstand oder zu einer beträchtlichen Einschränkung, sodass man das Erreichen des natürlichen Endes der Hormonproduktion abwarten kann.“
Weiters gibt es die Möglichkeit einer Therapie durch die sogenannte Embolisation des Myoms. Bosak: „Dabei wird die Blutzufuhr zum Myom durch einen interventionellen radiologischen Eingriff unterbrochen, sodass das Myom abstirbt und letztlich vom Körper selbst beseitigt wird. Dieser Eingriff ist jedoch nicht bei allen Arten von Myomen möglich.“
Ganz neu ist die Methode, Myome mit Hilfe von gezieltem, starkem Ultraschall zu zerstören, wobei auch hier der Körper selbst die Aufgabe der Beseitigung von Resten übernimmt. Nachteil dieser Methode: Noch gibt es wenig Erfahrung.
Wie eine Warze auf der Nase
Gynäkologe Bosak kann betroffene Frauen also weitgehend beruhigen: „Die Diagnose Myom bedeutet in den allermeisten Fällen nur, dass das Myomwachstum dokumentiert werden muss. Das heißt, dass bei der Erstfeststellung eine Nachuntersuchung nach drei bis sechs Monaten durchgeführt werden sollte. Da Myome meist schubweise wachsen, kann das Intervall für Kontrolluntersuchungen bei gleich bleibender Myomgröße relativ rasch wieder auf einen normalen gynäkologischen Kontrollabstand von einmal pro Jahr ausgedehnt werden.“
Der erfahrene Gynäkologe sieht in der Diagnose „Uterusmyom“ also keinen Grund zur Panik. „Man kann ein Myom mit einer Warze auf der Nase vergleichen, denn das Risiko für eine bösartige Erkrankung ist in beiden Fällen ungefähr gleich hoch. Daher ist eine operative Konsequenz in den meisten Fällen nicht notwendig.“
Informationen: www.rettet-die-gebaermutter.de





