Einfache und kostengünstige Implantate
Zahnverlust spielt bei älteren Menschen eine große Rolle. Implantate helfen – und müssen nicht teuer oder aufwändig sein.
Keine Frage: Wir werden immer älter und können oft noch bis ins hohe Alter hinein unsere Fitness und Lebensqualität bewahren, nur: Die Zähne spielen dabei häufig nicht mit. Wie zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, sind vor allem entzündliche Prozesse im Bereich des Zahnfleisches und sogenannte Erkrankungen des Zahnhalteapparates dafür verantwortlich, dass ältere Menschen häufig den Verlust von Zähnen beklagen müssen. Aber auch mangelnde Zahnpflege, falsche Ernährung, übermäßiges Rauchen und Entkalkungsvorgänge im Organismus spielen dabei eine Rolle.
Leider scheuen ältere Menschen auch oft den Gang zum Zahnarzt. Die im Jahr 2005 im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen veröffentlichte Studie zur Mundgesundheit in Österreich zeigt deutlich, dass der Kontrolltermin in der Zahnarztpraxis mit zunehmendem Alter immer seltener wahrgenommen wird. Und es steigt der Anteil derer, die nur dann ihre Zahnarztpraxis aufsuchen, wenn es unumgänglich scheint. Nur noch 20 Prozent der 65- bis 74-Jährigen gehen zur vorbeugenden Kontrolle zu ihrer Zahnärztin oder ihrem Zahnarzt.
Die Crux mit der Prothese
Ebenso halten Experten fest, dass viele ältere Zahnpatienten sich mit mangelhaft passenden, schlecht sitzenden Prothesen zufrieden geben – und darunter leiden, weiß der Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und Implantatspezialist, Prim. DDr. Franz Schuster: „Der Verlust von Zähnen führt mit der Zeit auch zu einem Verlust von Knochen und Weichgewebe. Damit wird das Problem mit schlecht sitzenden Totalprothesen verstärkt.“ Schuster ist Chefzahnarzt der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse (NÖGKK). Er kennt viele Biografien gerade älterer Menschen und es ist ihm ein Anliegen, ihnen zu helfen. Denn: „Viele meiner Patienten berichten von zahlreichen damit verbundenen psychosozialen Einschränkungen, und nicht wenige gehen gar nicht mehr außer Haus, weil sie ästhetische und Sprachprobleme fürchten“, sagt der Fachmann. „Zudem haben Studien gezeigt, dass Patienten mit konventionellen Unterkieferprothesen harte und zähe Lebensmittel wie Rohkost und Fisch meiden, was sich wiederum negativ auf den Ernährungs- und Gesundheitszustand auswirkt.“
Implantatgestützte Lösungen
In vielen Fällen könnten bei dieser und anderen Problematiken implantatgestützte Restaurationen Abhilfe schaffen, aber obwohl Zähne eine entscheidende Rolle für Sprache, Ästhetik und Ernährung spielen, sind implantatgestützte Lösungen unter Senioren noch immer nicht sehr verbreitet. „Der Wunsch nach Implantaten hat zwar in den letzten Jahren allgemein stark zugenommen, aber hohe Kosten und vor allem Angst schrecken noch immer viele Senioren davor ab, sich für eine implantatgestützte Prothese und damit auch für eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität zu entscheiden“, sagt Schuster. Von Luxuslösungen wie festsitzenden Zahnversorgungen mittels Implantaten rät der erfahrene Zahnspezialist aber ab: Diese sind nicht nur teuer, sondern erfordern auch größere chirurgische Eingriffe. Er plädiert für einfache, gesundheitlich wenig belastende und kostengünstige Lösungen. „Einzelne Implantate zur Abstützung lassen sich problemlos in bestehende Prothesen eingliedern. Das spart Kosten, verkürzt die Behandlungsdauer und verbessert den Prothesenhalt deutlich.“ Tatsächlich zeigen auch Studien, dass nur zwei Implantate im Unterkiefer einen langlebigen Therapieerfolg und eine signifikante Verbesserung des Prothesenhalts bewirken. Zudem schaffen solche Lösungen auch hinsichtlich der Kaueffektivität deutliche Verbesserungen.
Dass dieser Zahnersatz nicht festsitzend ist, stellt meist kein großes Problem dar, denn viele ältere Patienten sind den herausnehmbaren Zahnersatz ohnehin gewöhnt. Und auch der Eingriff, der für das Setzen von Implantaten notwendig ist, ist in der Regel nur wenig belastend. „Derartige Zahnimplantate können mit lokaler Anästhesie gesetzt werden. Nach dem Aufschneiden der Mundschleimhaut wird mit Bohrern vorgebohrt und anschließend kann das Implantat in den Knochen eingedreht werden. Davon spürt der Patient nichts. Die vernähte Wunde kann nach einer Woche, nachdem die Naht entfernt wurde, wieder belastet werden. Die Implantate müssen jedoch in Ruhe einheilen können – im Unterkiefer drei Monate, im Oberkiefer sechs Monate lang“, erklärt der Experte das herkömmliche Procedere, zu dem es allerdings heute auch schon eine noch schonendere Variante mit einer speziellen Planungssoftware, Computertomographie und Erstellung einer Bohrschablone gibt. Schuster dazu: „Dabei wird im Mund des Patienten nicht einmal mehr geschnitten, der operative Aufwand ist also minimal. Wichtig ist aber, dass eine solche Operation von geschulten Spezialisten und mit Top-Produkten durchgeführt wird, denn Expertenwissen und -erfahrung sind hier absolut notwendig. Und man muss auch wissen, dass es bei unterschiedlichen Implantaten Qualitätsunterschiede gibt.“
Was es kostet
Sehr wichtig sei zudem ein ausführliches Aufklärungsgespräch mit dem Zahnarzt des Vertrauens. Dabei sollten Risikofaktoren wie etwa Rauchen oder ein nicht gut eingestellter Diabetes mellitus besprochen werden, denn diese Faktoren könnten die Langlebigkeit der Implantate negativ beeinflussen. Außerdem rät Schuster generell dazu, darauf zu achten, dass der Implantologe eine Garantie abgibt, sodass keine zusätzlichen Kosten entstehen, wenn einmal etwas nicht ganz funktioniert. „Die Kosten für zwei Top-Implantate belaufen sich auf rund 3.000 Euro. Allerdings gibt es nur im Ausnahmefall eine finanzielle Unterstützung durch Sozialversicherungsträger. Und was das Alter betrifft: Man ist nie zu alt für ein Implantat.“
DDr. Franz Schuster steht in den zwölf Zahnambulatorien der NÖGKK zur Gratis-Sprechstunde zur Verfügung. Außerdem gibt es in NÖ Fachärte für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, die kompetent Auskunft geben können.





