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Moderne Frauen – traditionelle Rollenbilder

Wie geht es jungen Frauen mit der Lebensplanung? Was geben ihnen Ausbildung, Jobeinstieg und Familiengründung? Und was wünschen sie sich? GESUND&LEBEN befragte drei junge Frauen, die symbolisch für eine ganze Generation stehen.


Foto: bildagentur waldhäusl

„Im Grunde finde ich es richtig, dass sich die Frauen um den Haushalt und die Kinder kümmern und die Männer das Geld verdienen.“
Dieser Aussage stimmen in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Spectra derzeit 54 Prozent der Österreicher (sehr bzw. eher) zu, 2005 lag dieser Anteil bei 49 Prozent. Und andererseits gibt es so viele Uni-Absolventinnen wie nie zuvor.
Frauen sollen heutzutage alles eins: erfolgreich im Job, gute Managerinnen zuhause, wo sie sich so lang wie möglich um Kinder kümmern. Einige wenige schaffen das gut, vielen macht das gerade in der Entscheidung für die Lebensplanung Kopfzerbrechen. Und daher
lassen sich Frauen heute länger Zeit, bis sie das erste Kind bekommen. Die Statistik Austria belegt: Das durchschnittliche Fertilitätsalter liegt in Österreich bei rund 30,2 Jahren bzw. bei 28,7 Jahren beim ersten Kind. In den 1980er Jahren lag das durchschnittliche Fertilitätsalter noch bei 26 Jahren, bei etwa 24 Jahren beim ersten Kind.

Beruf & Familie?

Was ist dran am Mythos Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Wo bleiben die Wünsche der Frauen selbst? GESUND&LEBEN hat mit jungen Frauen gesprochen, alle zeichnen ein ähnliches Bild: Frauen wollen eine gute Ausbildung, Zeit mit ihrem Partner, Mutter sein. Doch alles zu seiner Zeit. Junge Frauen wollen Familie. Junge Frauen haben aber Sorgen, Wünsche und Herausforderungen, die es ernst zu nehmen gilt. Christina, 22, sagt: „Mein Studium ist überhaupt nicht familienfreundlich, noch dazu, wo der Studienabschluss erst der Anfang ist. Um Rechtsanwältin zu werden, müsste ich nach dem
Studium noch einige Jahre arbeiten, bis ich die Rechtsanwaltsprüfung machen kann. Ich habe Bedenken, dass ich mich irgendwann zwischen Job und Familie entscheiden muss.“
Martina, 30: „Sowohl die Gesellschaft als auch die Wirtschaft üben großen Druck aus. Gibt man sein Kind mit sechs Monaten in eine Krippe, ist man in den Augen vieler eine Rabenmutter. Bleibt man zu lange daheim, kann man die Karriere vergessen.“

Flexible Arbeitszeitmodelle

Junge Frauen haben das Gefühl, dass sie sich im Endeffekt entscheiden müssen und die Vereinbarkeit Beruf und Familie in der Praxis nicht klappt. Valentina, 24, wünscht sich zumindest das Aufbrechen eingefahrener Strukturen: „Ich bin überzeugt, dass Flexibilität in der Arbeitswelt und somit auch die Vereinbarkeit von Job und Familie noch mehr gefördert werden müssen. Als junge Frau will ich mich nicht für das eine oder andere entscheiden müssen.“
Das Bedürfnis nach Familie toppt dann oft das Bedürfnis nach Karriere – und das hat rein menschliche, biologische Gründe. Für Martina ist die Entscheidung ganz klar: „Für eine Familie. Weil ich nie das Gefühl verpasst wissen möchte, wie es ist, allumfassende, bedingungslose Mutterliebe zu empfinden.“ Auch Christina kann sich nicht vorstellen, auf Kinder zu verzichten. Gefragt sind Arbeitsmodelle, die junge Familien besser unterstützen. Und ausreichende Kinderbetreuungsplätze in der Nähe des Wohnortes oder der Arbeitsstelle.

Eigener Lebensbereich

Erwerbstätigkeit ist für die Frauen mehr als wirtschaftlich notwendig. Wer im Beruf steht, hat soziale Kontakte – gut fürs Selbstbewusstsein. Dr. Carmen Stadelhofer von der Universität Ulm hat viele wissenschaftliche Beiträge zum Thema Frau-Familie-Beruf verfasst und weiß: „Frauen wollen einen eigenen, selbstverantwortlichen Lebensbereich, der ihnen außerhalb der Mutterrolle Kommunikations- und Identifikationsmöglichkeiten gibt. Bei dem Gerangel um die sich ständig verknappenden Arbeitsplätze wollen sie sich ihren Anteil sichern und nicht zwangsweise auf die Mutterrolle eingeschränkt werden, von der sie wissen, dass sie ihnen nur sehr spärlich Dank und Anerkennung bringt und ihnen längerfristig, wenn die Kinder aus dem Haus sind, keine Lebensperspektiven bietet.“

Paradigmenwechsel notwendig

Martina hat einen Wunsch: „Es muss ein Paradigmenwechsel stattfinden, Männer müssen mehr in die Kindererziehung eingebunden werden. Hier könnte beispielsweise die Politik ansetzen: Bildungspolitik in Schulen, Karenzmöglichkeiten auch für Männer in der Privatwirtschaft – Stichwort Papamonat.“
Die Motive sind breit, warum ja oder nein zum Kind oder zum Job. Die Fragen werden weder diese noch die nächsten Generationen loslassen, sie werden wahrscheinlich noch komplexer. Frauen sind immer geforderter in allen Bereichen, auch weil sie von sich selbst erwarten alles perfekt zu machen. Und: Ganz selbstverständlich rücken auch die Männer stärker in die Verantwortung. Bald wird man gemeinsam vor der Frage stehen: Familie oder Karriere? Ein
reines Frauenthema scheint es nicht mehr lange zu bleiben.

Anlaufstellen für Frauen:

Familie & Beruf:

  • Oma/Opa-Börse
  • Tagesmütter
  • Nachmittagsbetreuung an Schulen
  • Kindergärten und HorteAuskunft gibt die NÖ Familienhotline: 02742/9005-1-9005

Beruf & Karriere:

  • www.woman-network.at(Kooperationsprojekt zwischen Land NÖ und Wirtschaftskammer NÖ zur Beratung rund um den Schritt in die Selbständigkeit)
  • Frau in der Wirtschaft (Service der Wirtschaftskammer NÖ für Unternehmerinnen): Tel.: 02742/85113402, Landsbergerstraße 1, 3100 St. Pölten