Ein Zentrum der Hoffnung
Die Kinderärztin Dr. Erika Hronicek betreut seit einigen Jahren eine Gesundheitsstation in Ruanda. Was als kurzfristiger Einsatz begann, ist nun ihre Lebensaufgabe.
In ihrem Haus in Zwettl fühlt man sich wie in einer anderen, bunt-fröhlichen Welt. An den Wänden hängen afrikanische Bilder, zwischen den heimischen Holzmöbeln taucht Exotisches auf. Auf einem Tisch warten kleine braune Stoffpuppen mit Rasterlocken um zehn Euro auf einen Käufer – Finanzhilfe für ihr Projekt.
Die mittlerweile pensionierte Kinderärztin Dr. Erika Hronicek (64) sprüht vor Lebensenergie, ihre blonden Haare im Zopf gezähmt, ihr Lachen eine einzige Freude. Im kleinen Zimmer neben der Küche liegen in einer Schüssel bunte Ketten, wie Rosenkränze ohne Kreuz: „Das sind Geburtenkontrollketten für die afrikanischen Frauen, damit sie ihre fruchtbaren Tage berechnen können“, sagt Hronicek. Verteilt werden sie in dem kleinen Gesundheitszentrum in Ruanda, das sie seit Jahren betreut. Das kleine Zentrum der Hoffnung liegt an der Grenze zum Kongo, eine politisch sehr unruhige Grenzregion, auch klimatisch extrem: Savanne mit wenigen fruchtbaren Plätzen. Sie fühlt sich in beiden Welten zuhause, auch wenn es in Ruanda „katastrophal anders ist“.
Veränderung notwendig
Die ehemalige Primaria der Kinderabteilung im Landesklinikum Zwettl startete im Jahr 2006 ihren neuen Lebensabschnitt. Sie absolvierte einen tropenmedizinischen Kurs an der Universität Heidelberg, zudem Kurse über natürliche Medizin in den Tropen und begann Französisch zu lernen. Ihr erster Einsatz als helfende Kinderärztin führte die Mutter von drei Kindern nach Ghana. Ihr derzeitiges Einsatzgebiet ist nun Ruanda, wo sie ein Gesundheitszentrum betreut – 16 Mal war sie bereits dort. Seit 2009 ist sie in Pension und widmet sich nun voll und ganz diesem Projekt. „Viel bekommt man zurück, ich bin heute viel fröhlicher als noch vor einigen Jahren“, sagt Hronicek nachdenklich. In ihrem alten Job war sie am direkten Weg in Burnout und Depression – der neue Lebensabschnitt war wichtig, um wieder neue Eindrücke zu bekommen und Kraft zu tanken.
Erster Einsatz in Ghana
Zu ihrem ersten Einsatz nach Ghana lud sie ein Waldviertler Pfarrer auf seine Missionsstation ein, um die Menschen der Kleinstadt Ntronang und der umliegenden Dörfer medizinisch zu betreuen. „Ich blieb zwei mal fünf Monate bis 2006. Danach bat mich Dr. Maria Hengstberger, die Leiterin der ‚Aktion Regen‘, das von ihr gebaute Gesundheitszentrum Rurenge in Ruanda zu besuchen, den derzeitigen Stand der Dinge fotografisch zu dokumentieren und die Bedürfnisse festzustellen. Seitdem war ich bereits sechzehnmal für jeweils ein bis zwei Monate dort und sammle selbst Spenden für den Verein.“ Ganz schlimme medizinische Fälle bringt sie auf eigene Kosten nach Österreich, wie etwa Maurice (6). Er hatte eine angeborene Verschlussstörung des Unterbauches; Genitale, Harnblase, alles war offen, der Harn ist herausgeflossen, alles war infiziert und stank. Maurice wohnte bis zur Operation bei der Kinderärztin in Zwettl, ein Monat war sie bei ihm im Spital, pflegte ihn gesund: „Maurice hätte so nie in die Schule gehen können, er wäre zum Bettler geworden“, schildert Hronicek. Das Engagement für Kinder ist ihre Herzensangelegenheit, denn „Kinder muss man schützen, weil sie sich nicht selbst schützen können.“ Heute geht
Maurice in Ruanda in die Schule. Stolz zeigt Hronicek ein Video, wo das ganze Dorf tanzend und lautstark die Genesung von Maurice feiert.
Zuhause in zwei Ländern
Wenn Hronicek in Kigali, der Hauptstadt Ruandas, mit dem Flugzeug ankommt, muss sie noch eine halbtägige abenteuerliche Reise überstehen, bis sie im 150 Kilometer entfernten Ruenge ist, ihrem zweiten Zuhause. In der Kirche wird dann verkündet, dass sie wieder da ist. Dann machen sich die Menschen zu Fuß auf den Weg, oft stundenlang, um sich behandeln zu lassen oder Medikamente abzuholen. Vieles ist hier anders, besonders die hygienischen Verhältnisse in dem kleinen Spital: „Leintücher gibt es, aber die Betten werden nur bezogen, wenn eine Kontrolle vom Staat kommt“, schildet Hronicek. Es sollte auch über jedem Bett ein Moskitonetz hängen, besonders auf der Geburtsstation: „Haben wir aber nicht“, so die nüchterne Erklärung.
Hoffnung & Zuversicht
Im März war sie das letzte Mal in Ruanda, im November will sie wieder hin, obwohl „ich mich einbremse, früher war ich zwei Monate dort, zwei Monate zu Hause.“
Die Reisen werden ihr auf Dauer zu teuer, sie finanziert sie nämlich aus eigener Tasche, jeder Spendencent geht eins zu eins nach Ruanda. Trotzdem möchte sie es so lange wie möglich machen – so lange es ihre Gesundheit erlaubt. Deshalb hält sie Vorträge über das Land und ihre Arbeit, sammelt unermüdlich Spenden für ihre Gesundheitsstation in Ruenge und steht unermüdlich im Dienst der guten Sache – um den Menschen in ihrer zweiten Heimat Hoffnung und Zuversicht zu geben.
Spendenkonto:Gesellschaft für ganzheitliche Förderung und Therapie GmbHKontonr. 35071, Blz. 32990 (Raiffeisenbank Region Waldviertel Mitte)Kennwort:Spende für Ruanda
Informationen:
www.gfgf.at





