Leih mir dein Ohr
Kann man Sätze nicht mehr richtig erfassen und muss dauernd nachfragen, ist es Zeit für einen Arztbesuch.

Dr. Jafar-Sasan Hamzavi, Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten in Klosterneuburg

Viel mehr Lebensqualität mit Hörgerät: Susanne Pitschko aus NÖ
Unsere Zeit ist mobiler, aber auch lärmreicher geworden. Nach Ergebnissen der letzten von der Statistik Austria 2011 durchgeführten Mikrozensus-Erhebung gaben vierzig Prozent der Bevölkerung an, sich in ihrer Wohnung durch Lärm gestört zu fühlen. Mit rund 62 Prozent nimmt Verkehr den überwältigenden Anteil unter den Lärmquellen ein. Der Geräuschpegel von Verkehrslärm, der sich zwischen 35 Dezibel (ruhige Wohnstraße bei Nacht) und 80 Dezibel (Autobahn) bewegt, kann das Wohlbefinden und die Gesundheit beeinträchtigen. Die negativen Effekte der Lärmbelästigung reichen von Konzentrations- und Lernschwierigkeiten über Kommunikations- und Schlafstörungen bis hin zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die für die Gesundheit kritische Grenze wird mit einem mehr als acht Stunden täglich andauernden Geräuschpegel von 85 Dezibel erreicht. Problematisch ist auch der Konsum von lauter Musik. Länderstudien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigen, dass fast die Hälfte der 12- bis 35-Jährigen beim Musikhören oder beim Besuch von Clubs und Sportveranstaltungen einer gesundheitsschädlichen Lautstärke ausgesetzt ist.
In Deutschland gibt es seit 2015 sogar einen DJ-Führerschein, um die Lärmbelastung in Diskotheken und Clubs zu senken. Dr. Jafar-Sasan Hamzavi, Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten in Klosterneuburg, rät: „Ab einer bestimmten Lautstärke werden die Haarzellen im Innenohr irreversibel beschädigt. Durch regelmäßige Discobesuche oder laute Musik leiden viele junge Menschen unter Tinnitus und einer Hörminderung. Bei Musikveranstaltungen ist es besser, immer einen Gehörschutz mitzuhaben. Wird die Lautstärke als unangenehm oder sogar als schmerzhaft wahrgenommen, sollte man sofort zu Ohrstöpseln greifen.“
Was tun bei Hörminderung?
Mit zunehmendem Alter nimmt das Hörvermögen ab. HNO-Experte Hamzavi empfiehlt, einmal im Jahr den Facharzt aufzusuchen. Bei Verdacht einer Hörstörung führt der HNO-Arzt eine Audiometrie, eine Hörmessung, durch. Wann die Altersschwerhörigkeit eintritt, sei individuell verschieden: „Bei manchen Menschen beginnt es früher, bei anderen später.
Etwa ab dem 50. Lebensjahr nimmt die natürliche Leistungsfähigkeit des Gehörs auf beiden Ohren ab. Faktoren wie Lärmbelästigung, Stoffwechselkrankheiten, Nikotinkonsum und erbliche Veranlagung beschleunigen die Altersschwerhörigkeit.“
Auch die Niederösterreicherin Susanne Pitschko macht Erbanlagen für ihre Hörprobleme verantwortlich: „Schon mein Vater und mein Großvater hatten Hörgeräte.“ Die ersten Hörschwierigkeiten machten sich bereits mit Mitte Vierzig bemerkbar: „Ich habe viele Wörter entweder falsch oder gar nicht mehr verstanden, vor allem wenn jemand leise gesprochen hat. Ich musste ständig ‚Wie bitte?‘ fragen. Man wird von anderen dann leicht als dumm abgestempelt.“
Vor vier Jahren entschied sich die Pensionistin für ein Hörgerät: „Meine Lebensqualität hat sich damit stark verbessert. Außerdem ist das Gerät trotz meiner Kurzhaarfrisur nicht sichtbar, weil es so klein ist.“




