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Lebenselixier Singen und Schmäh-Führen

Er bringt die Leute zum Lachen, zum Weinen und wieder zum Lachen, pflegt die Tradition des Wienerliedes, kann wie Hans Moser reden, lachen und husten und ist noch kaum einem Promi nicht auf die Nerven gegangen: Oskar Kainz – ein bescheidener Floridsdorfer macht Musik.


Unzählige Fotos mit Promis schmücken Oskar Kainz‘ Wände – sei es mit Till Schweiger, Johannes Heesters, Heinz Conrads oder Harry Prünster. FOTO: Sandra Sagmeister

Über 5.000 Fotos finden in seiner 27 Quadrat­meter großen Wohnung Platz – wie? Das weiß Oskar Kainz auch nicht so genau. Er kann es einfach nicht lassen! Kaum ist ein Weltstar in Wien, pirscht er sich in die vordersten Reihen und sagt keck: „Grüß Sie, wie geht’s, kömma a Foto machen?“, und schwupp ist das Foto im Kasten. Mit Ex-Finanzminister Hannes Androsch telefoniert er jeden 18. April, da gratuliert der Kainz dem Androsch und der Androsch dem Kainz, beide haben am 18. April Geburtstag und kennen sich aus Floridsdorf. Peter Alexander hat er auf ein Schnitzel eingeladen und ging mit dessen Mutter oft auf einen Kaffee: „Es gibt kaum jemanden, dem ich noch nicht auf die Nerven gegangen bin.“

Bescheiden mit viel Herz

Aber der Kainz ist kein Promi geworden, dafür ein bescheidener Sänger, ein Sänger zum Anfassen, nicht abgehoben, nicht eingebildet, ein Mensch mit viel Herz, der sich nicht scheut, in die Altersheime zu gehen und den Senioren mit den unvergesslichen Wienerliedern ein paar glückliche Momente zu bringen. „Für diese Menschen bin ich da.“ Oskar Kainz, ein Mensch mit viel guter Laune in den Augen und in der Stimme: „Schon als Kind war ich Alleinunterhalter und hab mit den Leuten beim Heurigen Schmäh geführt, ich bring die Leute zum Weinen vor Freude.“

„Es kommt, wie es kommt“

Singen ist für ihn die schönste Nebensache der Welt, ein Lebenselixier, das ihm und den anderen ganz einfach gut tut. Vor 25 Jahren hatte er Auftritte bei Heinz Conrads und bei „Jolly Joker“; in „Am Schauplatz“ und bei „Willkommen Österreich“ wurde er porträtiert. „Nur leider wurde aus der großen Karriere nichts, der Heinzi Conrads starb kurze Zeit nach meinem Auftritt und den
Helmut Frodl (Anm.: Frodl moderierte die Sendung „Jolly Joker“) haben’s wegen Mord verhaftet.“ Aber ihm mache es „kan Kummer“, die große Karriere verpasst zu haben, denn der Dank seines Publikums kommt auch so, ohne dass er berühmt ist. Sein Lebensmotto: „Es kommt, wie es kommt.“

Silbernes Verdienstzeichen

Kainz möchte ganz einfach Freude bringen, das hält ihn jung. So einfach ist das für ihn. Und weil er auch ein Faible für junge Leute hat, hilft er lieber den anderen als sich selber: „Ich habe für viele junge Leute Jobs und Wohnungen gefunden oder Auftritte organisiert, nur mir selber kann ich nicht helfen.“ Gearbeitet hat er immer hart und viel, hat sich vor keiner Arbeit gescheut, „ich war Bügler, hab beim Billa gearbeitet, bin kein Geistesblitz, aber auch nicht ganz verblödet.“ Er habe sich sein Leben lang immer ehrlich weitergebracht, heute druckt er am Magistrat Strafmandate aus. Lob und Anerkennung bekam er auch von höchster offizieller Stelle, beispielsweise das Silberne Verdienst­zeichen für Wien von Helmut Zilk oder eine Auszeichnung vom ehemaligen Sozialminister Erwin Buchinger.

Liebe per Annonce

Aufgewachsen ist er in jener 27 Quadratmeter großen Wohnung, wo die besagten 5.000 Fotos Platz finden: „In dieser Wohnung lebe ich heute noch, mit meiner Frau“, und sie hat aus jedem Zentimeter ein kleines Schmuckkasterl gemacht. Kennen gelernt hat Kainz seine Frau über eine Kontaktanzeige in der deutschen Zeitung „Goldblatt“: „Lustiger Wiener sucht Frau“. Sein Vater war sehr streng mit ihm, der junge Oskar durfte keine Freunde haben, und im Wiener Nachtleben hatte der Floridsdorfer überhaupt nichts zu suchen, schon gar keine Frau. Das „Goldblatt“ brachte ihm dafür die Liebe seines Lebens. Die Liebe und Zuneigung zu seiner Frau Hannelore halten ihn bis heute jung.

Jugend nachgeholt

Kainz hat „im Alter“ seine verpasste Jugend nachgeholt, hat sogar zu golfen begonnen und ging unter die Schwimmer. An der heutigen Zeit vermisst er, dass es nicht mehr so lustig ist wie früher: „Beim Heurigen setzt man sich nimmer zam, jeder sitzt alleine an einem Tisch und schaut griesgrämig“, wenn man sich dazusetzen möchte, erntet man böse Blicke, „das war früher doch anders.“ Das sei auch der Grund, warum viele Menschen krank werden, meint Oskar Kainz, keiner mache sich mehr „a richtige Hetz“. Dabei sei die die beste Medizin gegen das Krank- und Altwerden.

Termin

Oskar Kainz singt am 18. November, 19 Uhr im Kurzentrum Ludwigsdorff in Bad Deutsch-Altenburg volkstümlich wienerische Lieder.