< vorhergehender Beitrag

Leben mit Psoriasis

Als chronische Hauterkrankung ist die Schuppenflechte (Psoriasis) zwar gut behandelbar, aber immer noch nicht heilbar.


FOTO: Fotolia

Dermatologin Dr. Kerstin Beringer-Jäger aus Perchtoldsdorf

Plötzlich sind sie da: rötliche Hautstellen, die von silbrig schimmernden Schuppen überzogen sind. Zumeist sind die Knie, Ellen­bogen, Kopfhaut oder Fingernägel betroffen. Leichte Formen von Psoriasis, die auch an den Händen auftreten können, werden gerade im Anfangsstadium oft nicht richtig eingestuft, sagt die Perchtoldsdorfer Dermatologin Dr. Kerstin Beringer-Jäger: „Oft wird die Schuppenflechte als Handekzem falsch diagnostiziert. Und Psoriasis der Kopfhaut wird manchmal mit dem seborrhoischen Ekzem, einer Hautentzündung mit ähnlichen Symptomen, verwechselt.“ Die Hauterkrankung ist nämlich nicht immer leicht zu erkennen: Schuppenflechte kann von Patient zu Patient stark variieren. Gemeinsamkeit ist das Auftreten in Schüben. Phasenweise sind die betroffenen Stellen dann wenig bis kaum wahrnehmbar. Folgt jedoch ein Schub, werden die Symptome wieder stärker. „Jede länger andauernde oder wiederkehrende Veränderung der Haut sollte unbedingt von einem Hautarzt abgeklärt werden“, rät die österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie.

Zu viel Hitze oder Kälte

In den nördlichen Ländern Europas tritt Psoriasis häufiger auf als in der gemäßigten Zone des Mittelmeerraums. Vermutet wird ein klimatischer Zusammenhang. Vor den negativen Auswirkungen von kaltem und trockenem Klima warnt der Verein PSO Austria, eine Selbsthilfegruppe für Schuppenflechte-Patienten. Der Verein rät Psoriatikern, in Innenräumen Luft­befeuchter und -reiniger zu verwenden, um das Raumklima zu verbessern. Im Sommer sollte intensive Sonnenbestrahlung vermieden werden, weil lange Sonnenbäder das Krankheitsbild verschlimmern können. Mäßiger Sonnengenuss hat eine wohltuende Wirkung und kann die geröteten Stellen zum Verschwinden bringen.
Während eines Schubs ist es jedoch besser, der Sonne ganz fernzubleiben. Die Entstehungs­ursachen der chronischen und entzündlichen Hauterkrankung sind nicht vollständig geklärt. Als gesichert gilt, dass oftmals eine genetische Disposition vorliegt. Studien zeigen, dass auch in den Familien vieler Patienten Psoriasis auftritt. Bei der Schuppenflechte erneuert sich die Oberhaut wesentlich schneller als bei normaler Haut, was zur unerwünschten Schuppenbildung führt. Psoriasis ähnelt einer Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem körpereigene Zellen angreift und Entzündungsprozesse im Körper auslöst. Als Systemerkrankung kann Psoriasis bei schweren Verläufen auch Entzündungen in den Gelenken, Darmkrankheiten, Diabetes, Depressionen oder Gefäßveränderungen auslösen. Ein ausgewogener Lebensstil und eine gesunde Ernährung sind daher wichtig. Alkohol, Zigaretten und Übergewicht können die Symptome verschlimmern. Ärzte raten, Stress mit Bewegung, Spaziergängen in der freien Natur oder Entspannungstechniken abzubauen.

Psychische Belastung

Durch die Sichtbarkeit der schuppigen, geröteten Hautareale kann für Psoriatiker jeder öffentliche Auftritt mit Stress verbunden sein. Im beruflichen Umfeld würden sich Betroffene oft davor fürchten, jemandem die Hand zu geben, meint Hautärztin Beringer-Jäger. Das Ausmaß der gefühlten Beeinträchtigung sei aber von der Persönlichkeit abhängig: „Manche sind schon seit einigen Jahren an Psoriasis erkrankt, fühlen sich aber trotzdem kaum psychisch belastet. Dann gibt es Menschen, die die Erkrankung als enorme Einschränkung erleben.“
Schuppenflechte ist nicht heilbar. Behandlungen mit Laser-, Klima-, Bäder- und Kältetherapien sowie der Einsatz von UV-Licht versprechen eine Linderung der Symptome. Bei leichter Psoriasis werden zur äußeren Behandlung zumeist kortisonhaltige Salben verschrieben. Für die Hautpflege empfiehlt die Expertin ölhaltige und rückfettende Produkte, die speziell für Psoriasis-Patienten entwickelt wurden. Mit biotechnologisch hergestellten Medikamenten, sogenannten Biologika, seien vor allem in schweren Fällen sehr gute Erfolge erzielbar, sagt die Hautärztin. Biologika sind in der Entwicklung jedoch sehr teuer, weiß Beringer-Jäger: „Die Krankenkasse zahlt diese Medikamente erst, wenn andere Therapien nicht gegriffen haben.“

Rat & Hilfe bei Psoriasis

Nach Schätzungen der österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie gibt es in Österreich rund 160.000 Psoriasis-Patienten. Global sind zwei bis drei Prozent der Weltbevölkerung betroffen.
Am häufigsten kommt es zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr (Frühtyp oder Typ I) zu einer Erkrankung meist mit schweren Krankheitsverläufen. Seltener entwickelt sich Schuppenflechte bei Menschen über 40 Jahren (Spättyp oder Typ II). Der Spättyp tendiert zu einem leichten Krankheitsverlauf.
Informationen: Selbsthilfeorganisation PSO Austria, Tel.: 0664/73111991, www.psoriasis-hilfe.at