Kampf den Krampfadern
Fühlen sich die Beine an wie Blei, empfinden viele das zwar als unangenehm, beachten es jedoch nicht weiter. Müde, schwere oder geschwollene Beine können jedoch erste Anzeichen einer Venenerkrankung sein.
Landesklinikum Gmünd Conrathstraße 17
3950 Gmünd
Tel.: 02852/9004-0
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60 Prozent der Österreicher leiden an Venenerkrankungen – oft handelt es sich um harmlose Besenreiser, häufig aber bereits um beginnende Krampfadern, die eine Reihe von Folgeerkrankungen und früher oder später ernsthafte gesundheitliche Probleme mit sich bringen können. Primarius Dr. Hans-Martin Vischer, Facharzt für Chirurgie und Leiter der neuen „Venensprechstunde“ am Landesklinikum Gmünd, erklärt: „Zu Beginn sind Krampfadern in der Regel ein kosmetisches Problem. Körperlich wahrgenommene Beschwerden bestehen in diesen Frühstadien meist nicht. Eine einmal manifest gewordene Krampfadernerkrankung, eine sogenannte Varicose, bildet sich aber niemals zurück. Im Gegenteil – sie entwickelt sich weiter und früher oder später treten dann Beschwerden oder Komplikationen auf, die zu beträchtlichen Beschwerden, zur Beeinträchtigung der Lebensqualität und auch zu Gesundheitsstörungen wie Venenentzündungen, Thrombosen, Blutungen oder ‚offenem Bein‘ führen können.“
Sache der Vererbung?
Die Ursache, warum manche Menschen Krampfadern bekommen, ist weitgehend ungeklärt. Wissenschafter gehen davon aus, dass sich die Venenwand verändert, weil muskuläre Anteile abnehmen und sich stattdessen Bindegewebe einlagert. Dadurch sind die Venen weniger elastisch und geben nach, sie „leiern aus“. Welche Vorgänge diese Umbauphase auslösen, ist jedoch nicht restlos geklärt. Venenexperte Vischer weiß: „Die wesentliche Ursache dafür, dass aus gesunden Venen Krampfadern werden, liegt oft in den Genen und ist damit einer Behandlung nicht zugänglich, auch nicht der Vorbeugung.“ Es gibt aber einige Faktoren, die das Entstehen von Krampfadern zusätzlich fördern. Vischer: „Dazu zählen Tätigkeiten, die mit langem Stehen oder Sitzen verbunden sind, Übergewicht, Bewegungsmangel, ‚chronische Wärme‘ wie zum Beispiel durch Fußbodenheizung, hohe Absätze und einiges mehr. Hier kann man vorsorgen.“
Bei vielen Menschen bilden sich auch erst mit zunehmendem Alter Krampfadern aus, weil die Venen mit den Jahren schwächer werden und weniger Bewegung gemacht wird. Bewegungsmangel ist nicht immer schuld an der Entstehung – wer jedoch zu Krampfadern neigt oder genetisch vorbelastet ist, kann damit gut entgegenwirken. Krampfadern bilden sich aber auch wegen des Hormonstatus bei etwa jeder dritten Schwangeren.
„Venensprechstunde“ – alles über Ihre Venen
Wichtig ist, bei ersten auftretenden Beschwerden an den Beinen den Hausarzt um Rat zu fragen. Dieser überweist bei Bedarf an eine Spezialabteilung, wie zum Beispiel zur „Venensprechstunde“ am Landesklinikum Gmünd. Das Krankenhaus wird dank seiner Expertise zum Venenzentrum ausgebaut. Vischer über die „Venensprechstunde“: „Hier bieten wir spezielle Untersuchungsverfahren und erstellen Behandlungskonzepte, die im niedergelassenen Bereich umgesetzt werden können.“
Die wichtigste diagnostische Maßnahme neben der körperlichen Untersuchung ist die sogenannte Duplex-Sonographie, eine spezielle Ultraschall-Untersuchung – schmerzlos und ohne jegliches Risiko. „Damit bekommen wir rasch den für eine gute Behandlung nötigen Überblick über Ausmaß und Ursache der Venenerkrankung“, sagt Vischer. Neben diesem Verfahren gibt es weitere Diagnosemethoden, wie etwa das Venenröntgen.
Die Therapie
Je nach Diagnose muss die Therapie individuell auf jede Patientin, jeden Patienten zugeschnitten werden. Neben der klassischen Operation (Stripping) werden heute meist minimal-invasive Verfahren angewendet (siehe Kasten Seite 34).
Vischer erklärt: „Die Schaumverödung erlebt derzeit eine Renaissance – dank verbesserter Verfahren kann man fast jede Art von Krampfadern damit behandeln, auch solche, die früher operiert werden mussten. Derzeit sind sich Venenspezialisten nicht einig, welche Methode besser ist: Schaumverödung, minimal-invasive Behandlung (z. B. Laser) oder Stripping. Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile. Wir sind heute in der glücklichen Situation, jedem Betroffenen ein auf seine Situation ausgerichtetes Behandlungskonzept anzubieten.“
Gefahr von Venenentzündung
Veränderungen an den Beinen, Besenreiser oder bereits bestehende Krampfadern sollten immer in die Hände eines erfahrenen Arztes, damit man Folgeerkrankungen vermeidet. Auch wenn die Venen gesund sind, können drei bis elf Prozent – bei Betroffenen mit Krampfadern sogar jeder Dritte – eine Venenentzündung bekommen. Diese Entzündungen sind immer ein Anzeichen dafür, dass sich ein Blutgerinnsel gebildet hat.
Von einer Thrombose sprechen Mediziner, wenn sich aus einem Blutgerinnsel in einer tiefen Vene eine Ader teilweise oder komplett verschließt, sodass das Blut nicht mehr abfließen kann. Hervorgerufen wird eine Thrombose durch langes Sitzen, durch Operationen, nach Verletzungen oder wenn ein Bein beispielsweise lange durch einen Gips „fixiert“ war.
Färbt sich die Haut bläulich oder verspürt der Betroffene eine Schwellung oder Schmerzen, sollte sofort ein Arzt konsultiert werden. Die Symptome werden leicht übersehen, eine Lungenembolie kann die Folge sein – und diese kann tödlich sein. „Ob eine Thrombose vorliegt, sollte umgehend mittels bildgebender Diagnostik untersucht werden, wie mit Hilfe einer Suplex-Sonographie oder eine Phlebographie“, rät Vischer. Die Therapie besteht in einer Kombination aus Heparingaben, also Blutverdünnung, und einem Kompressionsverband.
Gesunde Beine sind ein Stück Lebensqualität, die man oft erst dann vermisst, wenn unsere Extremitäten müde und schwach werden. Da Krampfadern vor allem genetische Ursachen haben, können sie auch nach einer erfolgreichen Therapie immer wieder auftreten. Wichtig ist es daher, regelmäßige Kontrollen – etwa ein- bis zweimal im Jahr – durchzuführen. Damit Ihre Venen lange gesund und
leistungsfähig bleiben.
Informationen erhalten Sie auch beim „Treffpunkt Gesundheit“-Vortrag von Prim. Dr. Hans-Martin Vischer: Gesunde Beine sind schön! Krampfadern – Diagnostik, Behandlung und Vorbeugung
17.04.2013 im Landesklinikum Gmünd
Krampfadern, Besenreiser & Co
- Besenreiser: Fein schimmernde, rot-blaue Verästelungen an den Beinen bezeichnen Mediziner als Mikrovarizen, also Besenreiser. Diese Erscheinung ist keine Frage des Alters, ihre Entstehung ist genetisch bedingt. Auch Kinder und Jugendliche können betroffen sein. Besenreiser entstehen aus kleinen, feinen Blutgefäßen, die sich erweitern und vergrößern. Sie entstehen, wenn sich der Rücktransport des Blutes über die Venen verzögert – begünstigt wird dies vor allem durch langes Stehen oder Sitzen, aber auch durch Bewegungsmangel. Besenreiser können erste Anzeichen einer Venenerkrankung sein, ein erfahrener Arzt sollte daher die darunter liegende Vene genau untersuchen.
- Krampfadern (Varizen) sind äußerst variantenreich. Man unterscheidet kleine Varizen (Besenreiser, retikuläre Varizen) und große Varizen (Stammvarikose, Nebenastvarikose). Große Varizen schreiten fort und können nach Jahren zu Hautveränderungen und sogar zu einem Geschwür (Ulcus) führen. Etwa jede zweite Frau und jeder dritte Mann leidet an Krampfadern. Krampfadern sind Venen, die ihre Funktion nicht mehr erfüllen können, nämlich Blut in Richtung Herz zu transportieren. Die Folge: Das Blut staut sich in der Vene. Sichtbar werden Krampfadern meist zuerst an den Unterschenkeln. Um ein gesundheitliches Problem auszuschließen, sollten Krampfadern immer vom Arzt untersucht werden.
Therapiemöglichkeiten bei Venenerkrankungen
- Kompressionstherapie: Eine Kompressionsbehandlung ist bei der Therapie von Krampfadern, Ödemen, Thrombosen oder chronisch venöser Insuffizienz unverzichtbar. Druckverband oder -strumpf pressen die oberflächlichen Venen so zusammen, dass Venenklappen, die vorher durch die erweiterten Adern nicht mehr richtig schlossen, wieder „dicht“ sind.
- Verödung (Sklerosierung): Beim Veröden werden chemische Substanzen in die Venen gespritzt. Diese Stoffe zerstören die inneren Wände und „rauen sie auf“. Die Folge: An der Veneninnenwand wird eine künstliche Entzündung verursacht. Daraufhin bildet sich ein Blutgerinnsel, das sich an der Venenwand festsetzt und das Blutgefäß verstopft. Wird es nun von außen – über einen Kompressionsverband oder -strumpf – zusammengepresst, verkleben die Wände miteinander und werden in der Folge vom Körper abgebaut. Erkrankte Venen, die das Blut nicht mehr zum Herzen zurücktransportieren können, sind nutzlos geworden und können auch entfernt werden. Das Blut sucht sich einen anderen Weg über eine gesunde Nachbarvene.
- Schaumverödung: Diese Methode ist eine Weiterentwicklung der Verödung. Dabei wird Schaum mit einer Nadel unter Ultraschallkontrolle in die Krampfader gespritzt, der Schaum füllt die Vene ganz aus, da das Blut verdrängt wird. Nach und nach wird die Varize durch Bindegewebe ersetzt, fast vollständig abgebaut und so weitgehend unsichtbar.
- Stripping: Beim Stripping wird der schadhafte Teil der Krampfader entfernt. Die Operation erfolgt meist in Narkose, ist aber auch in Spinalanästhesie oder Lokal-(Tumeszenz-)Anästhesie möglich. Nach dem Eingriff muss man konsequent eine Kompressionstherapie durchführen.
- Radiofrequenz – VNUS-Closure-Methode: Bei dieser Methode wird mit Hilfe von Ultraschall die Krampfader unterhalb des Knies oder am Knöchel punktiert und ein Katheter in die Vene bis zur Einmündung der Varize in die tiefe Beinvene eingeführt. An der Spitze des Katheters sind beheizbare Elektroden, die sich an die Venenwand anlagern. Unter dem langsamen Rückzug des Katheters wird die Krampfader „verschweißt“ und so verschlossen. Die Methode ist gut geeignet bei Venen, die nicht mehr als 16 Millimeter Durchmesser haben, sofern sie nicht stark geschlängelt verlaufen.
- Endovenöse Lasertherapie (EVLT, ELVeS): Diese Punktionstechnik ist ähnlich wie die VNUS-Closure-Methode. Eine Laserfaser wird bis zur Mündung der Varize vorgeschoben. Die Temperatur ist jedoch viel höher als bei der VNUS-Closure-Methode, der Eingriff geht daher auch viel schneller vor sich. Das Blut bzw. die Venenwand wird erhitzt und sodann das schadhafte Gefäß gewissermaßen „verkocht“. Der Vorteil: Die Behandlung erfolgt rasch und schmerzfrei, es entstehen kaum Narben und der Betroffene erholt sich rasch wieder.
- Miniphlebektomie – Entfernung kleiner Krampfadern: Mit einem winzigen (zwei bis drei Millimeter langen) Schnitt ritzt der Arzt die Haut ein und zieht die Adern mit einem Häkchen heraus. Die Schnitte werden nicht genäht, sondern mit Klebefolie abgedeckt und heilen so narbenfrei. Die Operation erfolgt ambulant.





