Hüpf dich gesund!
Rope Skipping – das ist mehr als nur Seilspringen: Es ist der perfekte Mix aus Ausdauer-und Koordinationstraining sowie eine wichtige Sportart in der Osteoporose-Prävention. GESUND&LEBEN hat das Springen für Jung und Alt, Anfänger und Fortgeschrittene getestet.
Gesund, kreativ und leicht erlernbar – die Sportart Rope Skipping findet in Österreich zunehmend Anklang. Das neue Seilspringen hat mit dem klassischen Schnurspringen aus Kindergarten oder Schule nur mehr die Basis gemeinsam; hinzugekommen sind akrobatische Einlagen und eine Vielzahl kreativer Arten über das Seil zu springen – und damit ein hohes Level an Koordination. Von der klassischen Hinterhof-Beschäftigung hat sich Rope Skipping in den letzten Jahren im Bereich Rehabilitations- sowie Konditions- und Koordinationstraining etabliert. In Sportarten wie Boxen gehört es zum Grundlagentraining. Und auch im Breitensport greifen immer mehr Menschen zum Seil. Alles, was es dazu braucht, sind gut gedämpfte Sportschuhe und ein Rope – und dann heißt es: Let’s jump!
Was ist Rope Skipping?
Wie wurde aus dem simplen Seilspringen die Trendsportart Rope Skipping? In den USA wurde der Football-Spieler Richard Cendali, alias Mr. C, von seinem Trainer aufgefordert, an seiner Kondition zu arbeiten. Entweder sollte er die Treppenstufen des Stadions 45 Minuten auf und ab laufen oder 15 Minuten lang Seilspringen. Zunächst entschied sich Richard für die Treppen, da Seilhüpfen „nur etwas für Mädchen“ sei. Doch als im Winter die Stufen von Glatteis überzogen waren, wechselte der Sportler zum Seil. Schnell war die Schnur für ihn keine Herausforderung mehr und so begann er, weitere Sprungtechniken in sein Training einzubauen – das war die Geburtsstunde von Rope Skipping. In den frühen 70er Jahren begann Cendali Rope Skipping überall in den USA und im „Rest der Welt“ zu verbreiten. In Österreich haben sich seit Anfang der 1990er Jahre einige Rope-Skipping-Vereine gebildet – einer von ihnen ist „Rope Skipping Groß-Siegharts“ mit Trainerin und Obfrau Tina Kretschmer.
Junge Sportart
„Schon in der Schule bin ich gerne Seil gesprungen – vorwärts, rückwärts, mit oder ohne Zwischensprung. Das höchste der Gefühle war mit überkreuzten Arme zu springen“, schmunzelt die Rope-Skipping-Trainerin, „aber erst viele Jahre später bin ich wieder auf das Seil gekommen: Bei einer Fortbildung in St. Pölten sah ich einen Auftritt der ‚Springmäuse‘ aus Deutschland und hörte von der neuen Sportart Rope Skipping. Ich war völlig fasziniert von den Möglichkeiten, die so ein einfaches Seil bietet“. Bald besuchte Kretschmer ihren ersten Workshop. Beim Üben beobachteten sie ein paar Kinder und waren neugierig. „Daraufhin beschlossen wir, einen Turnsaal zu mieten und ab jetzt gemeinsam zu trainieren“, erzählt Kretschmer. Aus den zwölf Springern – im Fachjargon Skipper genannt – ist ein Verein mit 60 Mitgliedern entstanden, der 2012 sein zehnjähriges Jubiläum feierte. „Es ist eine Freude, die Kinder beim Springen zu beobachten – und obwohl wir jetzt schon jahrelang springen, gibt es immer wieder Kinder, denen ganz neue Sprünge und Kombinationen einfallen“, freut sich die Trainerin. Und genau diese Kreativität und Freiheit ist das, was viele am Rope Skipping reizt.
Kreativ & einfach
Beim Rope Skipping gibt es vier unterschiedliche Disziplinen und zwei Seilarten (siehe Kasten). Vom „normalen“ Seilspringen unterscheidet es sich durch die verschiedenen Tricks und Skills, so nennen sich die teils akrobatischen Kunststücke. Gesprungen wird mit unterschiedlichem Tempo zu einem deutlich hörbaren „Beat“ (Takt) der Musik. Dieser Beat sollte dem Können des Skippers angepasst sein – je besser, desto schneller kann die Musik sein. „Man springt entweder allein, paarweise oder in der Gruppe. Es gibt unzählige Variationen und das ist es, was mich bis heute an dieser Sportart fasziniert“, meint Kretschmer. Bei jeder Trainingsstunde legt die Trainerin eine Liste mit unterschiedlichen Tricks und Skills aus. Schafft es ein Skipper, dreimal ohne Fehler einen bestimmten Trick oder Skill zu springen, darf er sich mit seinem Namen dazuschreiben. Dann gibt es noch Kombinationen aus mehreren Tricks hintereinander, die schon etwas schwieriger sind. Schafft ein Skipper sechs Kombinationen, so bekommt er einen bunten Griff für sein Seil als Belohnung. „Viele Tricks und Skills, die ein Skipper selbst erfindet, werden mit dem Anfangsbuchstaben von Vor- und Nachname benannt. Bei mir würde der Sprung dann ‚TK‘ heißen“, erklärt Kretschmer. Ihr Verein kann mittlerweile auf viele Erfolge in Wettbewerben zurückblicken: „Hier gibt es ebenfalls unterschiedliche Disziplinen, die entweder im Team oder alleine (Masters) bestritten werden. Diese heißen dann beispielsweise Single Rope Speed Relay, Double Dutch Pairs Freestyle oder Triple Unders“, erzählt die stolze Trainerin. Aber auch für Anfänger oder Ältere eignet sich diese Sportart.
Für Jung & Alt
Rope Skipping ist koordinativ sehr anspruchsvoll, aber auch die Kondition wird durch das Springen trainiert, erklärt Kretschmer: „Viele Anfänger
glauben zunächst, dass sie an der mangelnden Ausdauer scheitern. Sie merken dann aber meist schnell, dass die eigentliche Herausforderung in der Koordination liegt. Man ist so auf die Sprünge konzentriert, die Kondition trainiert man sozusagen, ohne es zu merken. Und das motiviert viele zum Weitermachen.“
Die 48-Jährige trainiert neben ihren Kinder- und Jugendgruppen auch eine „Oldies“-Gruppe, deren Teilnehmer zwischen 20 und 50 Jahre alt sind, und in der sie auch selbst mitmacht. „Ich habe erst mit 30 Jahren angefangen und schaffe trotzdem viele Tricks genauso gut wie meine Schüler. Schon als Kind zu beginnen ist also kein Muss. Wenn der Ehrgeiz geweckt ist, geht der Rest von selbst – der Suchtfaktor ist sehr hoch“, schmunzelt die Trainerin.
Jeder kann beim Rope Skipping sein eigenes Level wählen und auch ein sanfter Einstieg ist in der immer größeren Anzahl an Rope-Skipping-Kursen in Niederösterreichs Vereinen möglich. Gerade in Hinblick auf das zunehmende Osteo-porose-Risiko in Österreich lohnt es sich, Rope Skipping auszuprobieren. Sogenannte High-Impact-Sportarten (siehe Kasten), zu denen Rope Skipping zählt, stehen nach neuen Studienerkenntnissen im Fokus der Knochenschwund-Prävention. Neben Ausdauer-, Kraft- und Koordinationstraining tut man mit dem Springen auch seinen Knochen etwas Gutes. Wichtig ist, das Trainingspensum langsam zu steigern und sich immer gut aufzuwärmen.Und dann heißt es: Rein in die gut gedämpften Sportschuhe, Seil schnappen und einfach drauf loshüpfen!
Tina Kretschmer, Trainerin des Sportunion-Vereins
„Rope Skipping Groß-Siegharts“ und »Bewegte Klasse«-Betreuerin
Die Seile
- Speed Ropes werden für die Disziplin Single Rope verwendet. Die „normalen“ Speed Ropes sehen aus wie Wäscheleinen mit Griffen. Bei sogenannten Speed-Bewerben verwendet man spezielle, sehr dünne und besonders schnell drehende Seile, die zum Teil kugelgelagert sind, um eine hohe Geschwindigkeit zu erreichen.
- Beaded Ropes haben ihren Namen von dem englischen Wort „Beads“, sprich „Perlen“. Beim Rope Skipping sind diese Perlen allerdings Plastik-hülsen, die auf einer dünnen Gardinenschnur aufgefädelt sind. Beaded Ropes sind langsamer, halten jedoch den Bogen und werden für die Disziplinen Long Rope, Double Dutch, Jump 4 2 und Wheel verwendet. Diese Seile sind vor allem für Anfänger geeignet: Man hört sie gut, wenn sie am Boden aufkommen – damit zeigen sie an, wann man springen muss.
Rope Skipping: 4 Disziplinen
- Single Rope ist das herkömmliche Seilspringen – jeder Skipper springt mit einem eigenen Seil, entweder alleine oder synchron mit anderen. Zum Beginnen eignen sich Beaded Ropes. Für sogenannte Speed-Bewerbe eignet sich ein Speed-Seil – dadurch lassen sich auch einfacher Mehrfach-Durchschläge ausführen.
- Long Rope: Bei Long Rope drehen zwei Leute ein langes Seil. Ein oder auch mehrere Skipper springen dann in dem Seil. Zu Beginn sollte man das einfache Durchlaufen üben: Dafür stellt man sich an die Seite, an der das Seil „herunterkommt“, und läuft los, wenn das Seil auf dem Boden aufschlägt. Macht man das von beiden Seiten, entsteht ein Achter – eine gute Einstiegsübung.
- Jump 4 2: Beim Jump 4 2 springen zwei Skipper in einem Seil. Das macht Spaß und erfordert viel Abstimmung mit dem Partner. Es gibt auch eine Variante, bei der zwei oder mehrere Skipper nebeneinander stehen und jeder ein Seilende des anderen in die äußere Hand nimmt – das heißt Wheel oder auch Mühle. Hier ist besondere Koordinationsfähigkeit gefragt, da man sich individuell auf die Schwünge des Partners einstellen und die jeweiligen Seile kontrollieren muss.
- Double Dutch: Die Königsdisziplin beim Rope Skipping heißt Double Dutch: Hier drehen zwei Skipper zwei lange Seile in gegensätzlicher Richtung. Ein oder mehrere Skipper springen dann innerhalb der Seile – Saltos inklusive!
High-Impact-Training: Osteoporose-Prävention
Osteoporose bzw. Knochenschwund ist eine der häufigsten Volkskrankheiten in Österreich: Rund 740.000 Österreicher leiden an Osteoporose. Etwa ein Drittel aller Frauen nach dem Wechsel sind davon betroffen, denn der gesunkene Östrogenspiegel erhöht das Osteoporose-Risiko. Die richtige Ernährung (siehe Seite 36) und körperliches Training sind zentral in der Prävention von Osteoporose: Vor allem Sprünge oder das sogenannte High-Impact-Training eignen sich besonders dafür – so kann schon im Kindes- und Jugendalter die Grundlage für eine hohe Knochendichte bis ins Alter gelegt werden.
Grund für die positive Wirkung von Sport ist, dass der Knochen zum Wachsen einen Reiz benötigt. Ähnlich wie beim Muskelaufbau wird auch das Knochenwachstum über physikalische Reize von Zug und Druck ausgelöst. Durch hohe Belastungen auf den Knochen beim Springen kommt es zu mikroskopisch kleinen Verletzungen des Knochens: Um diese Verformung auszugleichen, bildet der Körper neue Knochensubstanz, die diese kittet und so den Knochen insgesamt stabiler macht. Um seine Knochen zu stärken, sollten Sportarten mit hohen Belastungen ausgeübt werden – mit Sprüngen, Sprints und Stopps. Allerdings sind diese High-Impact-Training-Sportarten oft nicht sehr gelenksschonend. Im Alter sollten daher Sportarten bevorzugt werden, die zwar ein geringeres Verletzungsrisiko haben, aber ebenso knochenstärkend sind. Auf gut gedämpftes Schuhwerk achten!
Zu den High-Impact-Sportarten zählen neben Rope Skipping etwa Tennis, Squash und Fußball, aber auch Aerobic, Joggen, Badminton, Volleyball und Basketball. Schwimmen, Radfahren, Gymnastik oder Reiten haben keinen messbaren Einfluss auf die Knochendichte.





