HPV-Impfung: Was Sie wissen sollten
Der Österreichische Impfplan empfiehlt die HPV-Impfung gegen krebserregende Viren für alle Kinder und Jugendlichen ab dem neunten Lebensjahr. GESUND&LEBEN informiert Sie über das Warum, Wie und Wo.
„Jährlich erkranken in Österreich zumindest 400 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, und zehnmal mehr müssen wegen Krebsvorstufen operiert werden. In der Altersgruppe der 15- bis 44-Jährigen ist das Zervixkarzinom sowohl die zweithäufigste Krebserkrankung als auch die zweithäufigste Todesursache“, sagt die niederösterreichische Gynäkologin Dr. Eva Lehner-Rothe, die auch deshalb vehement für die Schutzimpfung gegen Humane Papillomviren (HPV) plädiert.
Denn in der Tat geht man davon aus, dass über 70 Prozent aller Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen und deren Vorstufen durch die Infektion mit bestimmten HPV-Typen verursacht werden, aber – und das ist die gute Nachricht – die Impfung schützt zu etwa 70 Prozent davor.
Unbemerkte Infektion
Laut wissenschaftlichen Untersuchungen sind Infektionen mit bestimmten Viren, Bakterien und Parasiten eine der größten, aber vermeidbaren Ursachen von Krebs weltweit. Als vermeidbar oder behandelbar gelten vor allem Infektionen durch Bakterien wie Helicobacter pylori, Hepatitis-B- und C-Viren (HBV und HCV) oder eben Humane Papillomviren (HPV).
Doch was sind Humane Papillomviren genau? „Es gibt weit über 100 Typen dieser weit verbreiteten Viren, mit denen sich mehr als zwei Drittel der Menschen – Männer, Frauen und auch Kinder – im Laufe ihre Lebens infizieren, ohne dass sie es wissen oder bemerken“, erklärt Lehner-Rothe. Die meisten HPV-Typen tragen aber nur ein geringes Risiko für eine Krebserkrankung. Diese sogenannten Low-Risk-Typen können allerdings Genitalwarzen oder gutartige Veränderungen am äußeren Genitalbereich, in der Scheide und am Gebärmutterhals verursachen. Andere HPV-Typen wiederum sind mit einem hohen Risiko für die Entwicklung einer Krebserkrankung verbunden und können zu Krebsvorstufen und in weiterer Folge zu Gebärmutterhalskrebs führen. „Neben zahlreichen anderen Typen sind die High-Risk-Typen HPV 16 und 18 in Europa die häufigsten krebserregenden Typen. Auch Penis- und Analkarzinome, Vulva- und Vaginalkarzinome sowie seltene Krebsformen im Bereich des Rachens und des Kehlkopfes zählen zu den möglichen Folgen einer solchen Infektion“, so die Gynäkologin.
Humane Papillomviren sind übrigens auch die häufigsten sexuell übertragbaren Viren. Doch: „Nicht nur beim Sex ist eine Ansteckung möglich. Auch eine HPV-infizierte Mutter kann die Viren bei der Geburt auf ihr Kind übertragen“, sagt Lehner-Rothe.
Größter Nutzen
Aus all diesen Gründen wird die HPV-Impfung von Experten allen Menschen ab dem neunten Geburtstag empfohlen. „Der größte Nutzen der HPV-Impfung tritt ein, wenn diese zu einem Zeitpunkt erfolgt, zu dem noch kein Kontakt mit dem Virus stattgefunden hat – also idealerweise vor dem ersten sexuellen Kontakt. Zudem haben Untersuchungen eindeutig ergeben, dass die Impfantwort bei Kindern in dieser Altersgruppe am besten ist. Die gebildeten Antikörper können ein Eindringen der Viren in die Körperzellen und somit die Infektion dann optimal verhindern“, erklärt die Fachärztin. Sie betont, dass die Impfung praktisch zu 100 Prozent Schutz gegen die in ihr enthaltenen HPV-Stämme bietet, sofern zum Zeitpunkt der Impfung keine Infektion vorliegt.
Die HPV-Impfung schützt übrigens nicht nur vor etwa 70 Prozent der auftretenden Gebärmutterhalskrebsfälle, sondern auch vor rund 90 Prozent der Genitalwarzen. Beide zugelassenen Impfstoffe haben zusätzlich eine gewisse Wirkung gegen Krebsvorstufen.
Sichere Impfung
Als die Impfung eingeführt wurde, gab es zahlreiche Ängste wegen Nebenwirkungen. Doch was Nebenwirkungen betrifft, so kann es wie bei allen Impfungen an der Einstichstelle zu lokalen Reaktionen, leichten Schmerzen, Hautrötungen oder Schwellungen sowie gelegentlich auch zu Fieber kommen. Alles Reaktionen, die sich aber meist rasch legen und keine weiteren Folgen nach sich ziehen. Und: Die Impfstoffsicherheit wurde mehrfach untersucht und ist nach mehr als 60 Millionen Dosen weltweit gut etabliert. Derzeit noch nicht bekannt ist die Dauer der Schutzwirkung der Impfung. Aktuell werden dazu Langzeitstudien durchgeführt, die klären werden, ob eine Auffrischung nach den drei Teilimpfungen notwendig ist.
Nützen Sie Ihre Chance!
Niederösterreich förderte diese wichtige Impfung übrigens als erstes Bundesland. Trotzdem sollten Sie daran denken: Da etwa 30 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs durch andere als die HPV-Typen 16 und 18 (gegen die die Impfung wirkt) hervorgerufen werden, ist die weitere Teilnahme an der jährlichen Krebsvorsorge für alle Frauen zusätzlich sehr wichtig. Nützen Sie Ihre Chance und nehmen Sie die entsprechenden Angebote wahr!
HPV-Impfaktion in Niederösterreich
Die Impfung wird an den Bezirksverwaltungsbehörden und Gesundheitsämtern für Kinder ab dem vollendeten neunten bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr kostenlos angeboten. Für diese Zielgruppe ist es auch möglich, die Impfung beim niedergelassenen Arzt durchführen zu lassen. Zusätzlich bietet das Land Niederösterreich für Kinder ab dem vollendeten zwölften Lebensjahr bis zum vollendeten 15. Lebensjahr HPV-Catch-up-Impfungen zum vergünstigten Selbstkostenpreis von 50 Euro pro Teilimpfung an. Für Frauen und Männer bis zum vollendeten 26. Lebensjahr ist die HPV-Impfung zum vergünstigten Selbstkostenpreis von 90 Euro pro Teilimpfung in den NÖ Kliniken erhältlich.
Informationen: HPV-Impfhotline: 02742/22655, www.noel.gv.at, www.lknoe.at





