Hoch das Knie!
Das Knie – unser größtes und komplexestes Gelenk – ist an zahlreichen Bewegungsabläufen beteiligt und daher besonders starken Belastungen ausgesetzt. Alles über Kniegelenkschmerzen, ihre Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und wie Sie Ihre Knie schützen.
Universitätsklinikum Krems
Mitterweg 10
3500 Krems
Tel.: 02732/9004-0
www.krems.lknoe.at
Schmerzen im Knie kennt fast jeder. Kein Wunder, ist doch das Knie an fast allen Bewegungsabläufen im Alltag wie im Sport beteiligt und auch leicht einmal „beleidigt“. Dies liegt auch an seinem relativ komplizierten Aufbau, der es anfällig für Verletzungen macht. Tatsächlich sind Unfallverletzungen im Kindes-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter die häufigste Ursache für Kniegelenkschmerzen, berichtet der Leiter der Orthopädie am Universitätsklinikum Krems, Prim. Univ.-Prof. Dr. Florian Gottsauner-Wolf: „Sehr selten liegt die Ursache auch in angeborenen Fehlstellungen oder – noch seltener – in Tumoren. Im späteren Lebensalter sind es dann häufig Abnützungsprozesse (Arthrose), die Kniegelenkschmerzen verursachen.“
Schmerz ist ein Warnsignal!
Schmerz im Bewegungsapparat (und nicht nur dort) ist immer ein Warnsignal und Zeichen dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist. Unter Umständen handelt es sich „nur“ um eine einfache Prellung oder Zerrung, die mit einer Schwellung einhergehen kann. Dieses Problem kann man oft selbst behandeln, indem man das Knie kühlt und bis zum Abheilen der Verletzung schont. Doch wenn der Schmerz anhält, die Beweglichkeit eingeschränkt ist und/oder der Schmerz zu ungewöhnlicher Zeit – etwa nachts – auftritt, was auch auf eine Entzündung hindeuten kann, so ist der Gang zum Facharzt unumgänglich.
Was verletzungsbedingte Knieschmerzen anlangt, so ist am häufigsten der Innenmeniskus betroffen. Gerade bei Druckbelastungen, in Verbindung mit einer Drehbewegung, kann der Meniskus einreißen. Neben typischen „Meniskus-Schmerzen“ und einem oft blutigen Gelenkerguss können durch Verlagerung von Meniskusmaterial in den Gelenkspalt Funktionsstörungen bis hin zu Bewegungsblockaden des Kniegelenks auftreten. „Nicht jeder Meniskusriss muss operiert werden. Kleinere und stabilere Meniskusrisse können zum Beispiel mit Physiotherapie und Medikamenten behandelt werden“, erklärt Gottsauner-Wolf. Bei Operationen gehe man mit arthroskopischen Methoden vor, also minimal-invasiv. Wegen der wichtigen Funktion als Stütze und Puffer versuche man bei der Meniskustherapie, möglichst große Anteile des Meniskus zu erhalten.
Dramatischer Kreuzbandriss
Dramatischer ist oft ein Kreuzbandriss, denn das Kreuzband ist ein ganz zentrales „Stabilitätsband“ im Kniegelenk. Der Kreuzbandriss kann durch starke Scherkräfte im Kniegelenk entstehen. Besonders gefährlich sind Stoppbewegungen, Richtungswechsel oder äußere Gewalteinwirkungen, die von der umgebenden Muskulatur nicht abgefangen werden können, weil sie zu plötzlich auftreten oder zu stark sind. Derartige Verletzungen passieren zum Beispiel beim Fußball, wenn zu wenig trainierte Hobbyspieler im Match alles geben, aber auch beim Schifahren kann das Kreuzband überfordert sein. Eine frische Kreuzbandverletzung lässt man zunächst abheilen, und erst wenn sich danach herausstellt, dass der Funktionsverlust zu groß ist, wird – ebenfalls mit arthroskopischen Methoden – operiert. Kreuzbandrisse und Meniskusverletzungen entstehen oft durch riskante Sportarten mit abrupten Stoppbewegungen und Richtungswechseln, aber auch bei solchen, bei denen das Knie unter hoher Last gebeugt und gedreht wird, wie Fußball, Handball, Hockey, alpiner Schisport, und bei Kraftsportarten.
Arthrose & die Folgen
Vor allem im höheren Alter häufig sind Abnutzungen des Gelenks die Ursache für Beschwerden. „Die Arthrose ist eine schmerzhafte, degenerative Gelenkerkrankung, die auf einer chronischen Abnutzung des Gelenkknorpels beruht. Neben dem Hüftgelenk ist auch das Kniegelenk besonders häufig betroffen“, sagt Gottsauner-Wolf. „Zunächst verspüren die Patienten Spannung und Steifigkeit im Gelenk. Später treten Schmerzen zu Beginn einer Bewegung auf, die sich allmählich zum ständigen Belastungsschmerz und zum Dauerschmerz steigern.“ Bei fortschreitender Arthrose schwillt das Gelenk an, mit zunehmender Deformierung ist die Beweglichkeit immer weiter eingeschränkt. Behandelt wird zunächst konservativ – also mit medikamentösen und anderen nicht-operativen Maßnahmen: Mit Wärmepackungen, Rotlicht, Heilgymnastik etc. versucht man, dem Schmerz, dem Muskelschwund und dem Beweglichkeitsverlust entgegenzuwirken. Zum Einsatz kommen auch Nahrungsergänzungsmittel (Knorpelschutzpräparate) und Injektionen direkt in das Gelenk. Wichtig ist immer auch begleitende Physiotherapie und eine komplettierende Schmerztherapie.
Das künstliche Gelenk
Erst wenn alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft sind, wird eine gelenkerhaltende Operation oder das Einsetzen einer Gelenkprothese in Erwägung gezogen. „Die bei weitem erfolgreichste und effizienteste operative Behandlung bei Arthrose ist das künstliche Gelenk. Man kann das, vereinfacht gesagt, mit einer Zahnkronenbehandlung vergleichen, denn wir tragen dabei zerstörte Knorpeloberfläche ab und ersetzen sie durch künstliche Prothesenteile, die sich exakt an Größe und Anatomie des betroffenen Patienten orientieren“, berichtet der Experte. Am Oberschenkelknochen wird eine metallische Gleitkufe implantiert, im Bereich des Unterschenkelknochens ein Schienbeinplateau. Zwischen diese beiden metallischen Komponenten kommt eine Kunststoffgleitfläche, die eine möglichst reibungsfreie Beweglichkeit ermöglicht.
„Diese Operationen machen wir heute nahezu immer minimal-invasiv, also über sehr kleine operative Zugänge. Dadurch können wir auch wesentlich gewebeschonender arbeiten, da Muskeln, Sehnen und Bänder weitestgehend verschont werden“, erklärt Gottsauner-Wolf. In den niederösterreichischen Kliniken werde auch perfekte Rehabilitationsvorbereitung gewährleistet – nicht zuletzt durch adäquate Schmerztherapie, die es den Patienten ermöglicht, bereits am ersten Tag nach der Operation wieder aufzustehen.
Unerlässliche Rehabilitation
Rehabilitation ist ein unerlässlicher Bestandteil einer kompletten Behandlung von Knieschmerzen welcher Ursache auch immer. Im Gesundheits- und Rehabilitationszentrum Moorheilbad Harbach ist man auf die Rehabilitation nach orthopädischen Operationen, (Sport-)Verletzungen, Unfällen und bei chronischen Schmerzen spezialisiert, berichtet Prim. Dr. Johannes Püspök, der Ärztliche Leiter des Zentrums: „Gerade nach einer Gelenkersatzoperation ist eine intensive Rehabilitation zur raschen Wiederherstellung, Stärkung der geschwächten Muskulatur und Verbesserung der Beweglichkeit unverzichtbar. Sie verbessert nachhaltig die Lebensqualität. Essenziell ist vor allem der Muskelaufbau und die Gewährleistung der Stabilität im Kniegelenk.“ Er betont, dass alle Patienten im Moorheilbad Harbach zunächst eine individuelle Testung erfahren, bei der auch festgelegt wird, welche Muskeln mit welchen Mitteln auftrainiert werden müssen, welche Bewegungsübungen gemacht oder welche Hilfsmittel (vorübergehend) im Alltag benützt werden, damit ein gutes Ergebnis in Sachen (neuer) Beweglichkeit erzielt werden kann. Mit in diese Maßnahmen eingeschlossen sind etwa auch eine Ganganalyse, Gangtraining, Gleichgewichtstraining und Sicherheitsschulung. Zur Linderung von Beschwerden werden unter anderem Heilgymnastik, Unterwassergymnastik, elektrophysikalische Behandlungen, Moorwickel oder Heilmassagen angeboten.
Bloß keine Inaktivität!
Wann man mit dem Muskelaufbau beginnen kann, hängt unter anderem von der allgemeinen Konstitution und Belastbarkeit des Patienten sowie von seiner muskulären Ausgangssituation und gegebenenfalls auch vom Verlauf der vorangegangenen Operation ab, erklärt Püspök. Wichtig sei die aktive Mitarbeit des Patienten bei allen rehabilitativen Maßnahmen im Reha-Zentrum und zu Hause: „In den meist drei Wochen der stationären Rehabilitation können wir nur den Grundstein legen. Der Patient bekommt von uns daher ein individuelles Übungsprogramm mit, das er zu Hause weiterverfolgen sollte.“ Rehabilitation sei kein Garant dafür, einen erwünschten Idealzustand wieder zu erreichen, wohl aber schafft sie die Möglichkeit, den Gesundheitszustand deutlich zu verbessern. Sie ist ein entscheidender und wesentlicher Bestandteil eines Behandlungsprogramms, das die Arbeit des Chirurgen, der erfolgreich operiert hat, ideal vervollständigen kann.
Fragt sich noch, was man tun kann, um seine Kniegelenke so lange wie möglich gut beweglich und schmerzfrei zu halten. Hier sind sich beide Experten einig: „Das Schlimmste, das man seinen Knien antun kann, ist Inaktivität. Bewegung ist die beste Prophylaxe gegen Beschwerden, doch man sollte sie vernünftig angehen. Das heißt zum Beispiel auch vortrainieren und Muskeln aufbauen, wenn man etwa vorhat, Schifahren zu gehen oder eine andere riskante Sportart auszuüben.“ Tun Sie es!
Knieschmerzen & -verletzungen
Was kann man gegen Knieschmerzen bei sportlicher Anstrengung tun?
Häufig handelt es sich dabei um komplexe Überbelastungen und Veränderungen im Muskel- und Bandapparat des Kniegelenkes. Doch die Behandlung von Knieschmerzen bei sportlicher Betätigung bedarf zunächst einer umfassenden und exakten Abklärung durch den erfahrenen Facharzt. Nur er kann die entsprechende Therapie festlegen.
Was bedeuten Knieschmerzen im Ruhezustand?
Diese Beschwerden sind meist mit einer Abnutzung der Knorpelflächen verbunden. Knieschmerzen im Ruhezustand stellen eine chronische Belastungssymptomatik mit damit verbundenen Schmerzen dar. Magnetresonanztomographie zur Schadensbeurteilung und Physikalische Therapie können erste Maßnahmen auf dem Weg zur Besserung sein.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Operation?
Dies ist von mehreren Faktoren abhängig. Denn etwaige Zusatzverletzungen oder -erkrankungen müssen ebenso berücksichtigt werden wie die private oder arbeitstechnische Situation und die Versorgungsmöglichkeiten nach der Operation.
Worauf sollte man bei Knieverletzungen besonders achten?
Da das Kniegelenk für die Fortbewegung außerordentlich wichtig ist, sollte man jegliche Verletzung entsprechend ernst nehmen. Eine exakte Abklärung und Diagnose ist entscheidend. Denken Sie auch daran, dass übersehene Verletzungen und Instabilitäten langfristig zu bleibendem Schaden und anhaltenden Beschwerden führen können.
Was ist bei der Behandlung von Knieverletzungen am wichtigsten?
Zentral sind die fachgerechte Abklärung und Diagnose. Es folgt gegebenenfalls die Behandlung durch den Orthopäden, Chirurgen und Physiotherapeuten. Ganz entscheidend für den schmerzfreien Verlauf und die nachfolgende Zufriedenheit mit der Behandlung sind das Verständnis des Patienten für die Maßnahmen, die er durchlaufen muss, und seine aktive Mitarbeit.





