Bakterienschleuder
Viren und Bakterien haben es unglaublich eilig: Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 400 Kilometern pro Stunde werden sie beim Husten oder Niesen durch die Luft geschleudert. Wer in der Nähe ist, hat gute Karten, eine Erkältung oder Husten auszufassen.
Wenn es kratzt, juckt und die Bronchien schmerzen, ist es meist schon zu spät: Husten signalisiert, dass der Körper einen Erreger wie Bakterien, Viren, Staub oder ein Allergen über die Atemwege loswerden möchte. Im Falle einer Erkältung kann Husten aber auch ein Anzeichen für eine Infektion der Bronchien sein. „Wer rechtzeitig zum Arzt geht, hat gute Chancen, den Husten wieder rasch in den Griff zu kriegen. Dringend zum Arzt sollte man aber, wenn Fieber oder gar Atembeschwerden hinzukommen“, rät Dr. Michael Wehrl, Allgemeinmediziner in Wiener Neustadt. In diesem Fall muss die Ursache rasch abgeklärt werden. Husten ist ein Schutzreflex des Körpers und kann ein Anzeichen einer harmlosen Infektion, aber auch einer Allergie oder Lungenentzündung sein. Der Arzt entscheidet, ob in diesem Fall ein Lungenröntgen sinnvoll ist.
Und wie husten Sie?
Fast jeder kennt das Kribbeln und Kratzen im Hals, dem meist bellende Hustengeräusche folgen: Reizhusten. Dieser trockene „unproduktive“ Husten ist nicht immer mit einer Erkältung verbunden, sondern oft eine Reaktion des Körpers auf Allergene oder andere „Störfaktoren“, wie Zigarettenrauch oder Staub. Auch allergisches Asthma kann von einem trockenen Husten begleitet sein. Halsschmerzen und ein Husten, bei dem sich Schleim löst, sind meist Anzeichen für eine Bakterien- oder Vireninfektion. Begleitsymptome sind Schnupfen, Heiserkeit oder
Fieber. Bleibt dieser Husten unbehandelt, kann daraus eine chronische Bronchitis entstehen.
Vom wahllosen Griff zu Medikamenten rät Wehrl ab: „Bewährt haben sich alte Heilmittel wie Schmalz- oder Dunstwickel, die die Beschwerden lindern.“ Wärme auf der Brust wirkt durchblutungsfördernd und schleimlösend. Auch Inhalationen mit pflanzlichen Inhaltsstoffen wie zum Beispiel Kamille hat antibakterielle Wirkung. „Inhalationen mit einem Liter Wasser und einem Esslöffel Salz öffnen die Atemwege“, rät Wehrl. Auch ätherische Öle tun den Bronchien gut. Allerdings sind sie nicht für Babys und Kleinkinder geeignet. Und schließlich sind schleimlösende Substanzen aus Pflanzen wie Eibisch, Efeu, Eukalyptus, Fenchel oder Spitzwegerich als Tee, Lutschbonbons oder Sirup eine gute Möglichkeit, um die Atemwege zu beruhigen.
Auszeit für den Körper
„Der Mensch im Mittelpunkt“ ist seit jeher die Philosophie des erfahrenen Mediziners Wehrl. Er empfiehlt daher bei Husten und Erkältung dringend eine Schonzeit: „Wer krank ist, muss sich auch die Zeit dafür nehmen.“ „Aber ich muss ja morgen nach Afrika fliegen …“ sind Argumente, die Wehrl nicht gerne hört. Selbst er, ein Musiker aus Leidenschaft, gönnt sich eine Atempause vom geliebten Saxophon, wenn ein Husten im Anflug ist: „Der Körper braucht seine Zeit, um sein Abwehrsystem wieder herzustellen. Diese Zeit muss man ihm gönnen.“
Auszeit und Bettruhe sind neben der entsprechenden Flüssigkeitszufuhr und gut gelüfteten Räumen die besten „Gesundmacher“. „Meine Erfahrung zeigt, dass viele Patienten zu wenig auf ihren Körper achten und vom Arzt nach wochenlangem Ignorieren der Signale erwarten, er mache sie in drei Tagen wieder gesund. Das funktioniert so nicht. Jeder Betroffene kann nur von sich allein aus gesund werden. Der Arzt unterstützt ihn dabei, ist jedoch kein Gesund-Zauberer.“
Fest steht aber: Wer einen handfesten bakteriellen Infekt eingefangen hat, muss Medikamente einnehmen, wie etwa Antibiotika. Doch auch das sollte nur nach Anweisung des Arztes erfolgen und genau eingehalten werden. Michael Wehrl, Hobbymusiker mit langem Atem: „Unser Körper ist wie ein Musikstück. Wenn ich Pausen übersehe oder rhythmische Verschiebungen verschlafe, komme ich irgendwann aus dem Takt und die Harmonie geht verloren.“





