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Herz außer Takt: Herzinfarkt!

Schnelles Reagieren und Einsetzen der Therapie helfen, die Schwere des Herzinfarkts so gering wie möglich zu halten. Noch besser: Beugen Sie vor!


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Druck, Brennen oder starke ziehende Schmerzen in der Brust, manchmal ausstrahlend in den linken Arm, den Rücken, Hals oder auch in die Magengegend. Schmerzen, die ohne Belastung und plötzlich auftreten und nicht mehr aufhören, begleitet von Übelkeit oder Erbrechen, Schweißausbrüchen und Todesangst: Hier besteht Verdacht auf einen Herzinfarkt! Da hilft nur Ruhe bewahren, 144 Notruf NÖ anrufen und die Symptome möglichst genau beschreiben.
Der Patient sollte sich hinsetzen, nicht körperlich anstrengen und frische Luft atmen. Der Notarzt wird Fragen stellen und ein EKG machen, das sofort Aufschluss über einen akuten und ausgedehnten Herzinfarkt gibt. Alle Patienten erhalten Medikamente zur Verbesserung der Durchblutung des Herzens sowohl zum Schlucken als auch direkt in die Vene.
Dann wird der Patient auf schnellstem Weg in eine der NÖ Landeskliniken mit Herzkatheter­labor gebracht (siehe Seite 28/29) – per Notarzt­wagen oder Rettungshubschrauber. Während des Transportes werden Blutdruck und Herzrhythmus  kontinuierlich überwacht.
Je schneller das verschlossene Herzkranzgefäß wieder geöffnet wird, desto weniger Herzmuskelmasse geht verloren. Die Größe des Herzinfarkts spielt eine wesentliche Rolle – sowohl bei den akuten Komplikationen als auch bei der Prognose. Daher gilt hier das Motto „Zeit ist Herzmuskel“ – wie Prim.  Univ.-Prof. Dr. Michael M. Hirschl, MSc, erklärt. Er ist Leiter der Abteilung für Innere Medizin am Landesklinikum Zwettl, wo es neben zwei Normalbettenstationen auch eine kardiologische Überwachungseinheit gibt.
Je besser die Akutversorgung funktioniert, desto besser ist auch die Prognose. Im  Herzkatheterlabor wird eine Koronarangiographie durchgeführt – eine  Röntgenuntersuchung der Herzkranzgefäße. Von der Hauptschlagader gehen die Herzkranzgefäße ab; durch einen Katheter, eingeführt über Leiste oder Unterarm, wird Kontrastmittel in die einzelnen Herzkranzgefäße gebracht, um so zu sehen, wo sie verschlossen sind. Der Kardiologe versucht, den Gefäßverschluss zu entfernen: Er saugt das Gerinnsel ab und setzt einen Stent (Draht­geflecht) in das Herzgefäß ein, um einen neuerlichen Verschluss zu verhindern.

Einschnitt ins Leben

Grundsätzlich bedeutet ein Herzinfarkt eine Verkürzung der Lebenserwartung. Das Ausmaß der Einschränkung hängt von der Größe des Infarktes ab. Viele Patienten sind sehr verunsichert, welche Belastungen sie im täglichen Leben nach einem Infarkt auf sich nehmen dürfen. Darüber lernen sie im Rahmen eines Rehabilitationsaufenthaltes im Anschluss an den Klinikaufenthalt: Hier werden die Patienten durch medizinisch kontrollierte körperliche Aktivität wieder fit gemacht. Ergänzend dazu werden wichtige Inhalte über Lebensstiländerungen wie mehr Bewegung und gesündere Ernährung vermittelt, um einen neuerlichen Infarkt zu vermeiden.
Prim. Univ.-Doz. Dr. Sebastian Globits ist Ärztlicher Leiter im Herz-Kreislauf-Zentrum Groß Gerungs, einem der Leitbetriebe der Waldviertler Xundheitswelt. „Was Patientinnen und Patienten am nötigsten brauchen, sind Menschen, die sie dazu motivieren, einen gesundheitsfördernden Lebensstil selbst umzusetzen – das ist gerade in der Rehabilitation nach Herzerkrankungen von zentraler Bedeutung. Denn nach einem kardiologischen Ereignis ist es wichtig, den Lebensstil nachhaltig zu verändern. Die Patienten sind nämlich dank der modernen Methoden rasch beschwerdefrei und fühlen sich wieder ,gesund‘, was nicht unbedingt der Fall ist, da der zugrunde liegende Krankheitsprozess (Arteriosklerose) in der Regel generalisiert auftritt. Die Intervention (Stent, Bypass) löst nur das akute Problem, die Systemerkrankung wird damit nicht behoben. Deshalb ist es wichtig, im Rahmen eines Rehabilitationsaufenthalts sein eigenes Risikoprofil kennen zu lernen und positiv zu beeinflussen.“

Bewegung, Bewegung, Bewegung

Die positive Nachricht: Sie können Herzerkrankungen und Herzinfarkten vorbeugen – und das sollten Sie unbedingt tun. Die wichtigste Maßnahme ist Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität drei- bis viermal in der Woche über eine Dauer von 30 bis 45 Minuten ist ein hervorragendes kardiovaskuläres Training. Gleichzeitig hilft die Bewegung, das Körpergewicht zu reduzieren und nimmt so Einfluss auf alle mit Übergewicht verbundenen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Blutfette. Entscheidend ist auch, Nichtraucher zu sein! Die Einschränkungen des Rauchens im öffentlichen Raum zeigen Auswirkungen – das belegen zum Beispiel die Zahlen aus New York, wo die Herzinfarkte nach Einführung des Rauchverbotes spürbar zurückgingen.

Herzinfarkt – die Fakten

Die Ursache eines Myokardinfarktes ist der Verschluss eines Herzkranzgefäßes durch ein Blutgerinnsel. Die Folge dieses Gefäßverschlusses ist ein Sauerstoffmangel des Herzmuskels. Dieser reagiert darauf sehr empfindlich. So kommt es rasch zum Absterben von Herzmuskelzellen und zu einer Beeinträchtigung der Pumpfunktion des Herzens.
Risikofaktoren sind Bluthochdruck, erhöhtes Gesamtcholesterin, erhöhtes LDL-Cholesterin, Diabetes mellitus, Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und eine familiäre Disposition.
Der Herzinfarkt ist nicht die Krankheit der gestressten Manager, sondern Resultat eines ungesunden und konsumierenden Lebensstils. Untersuchungen zeigen sogar, dass ein sozial niedriger Status bedingt etwa durch Arbeitslosigkeit oder Niedriglohn-Jobs mit einem deutlich höheren Risiko für Herzinfarkt einhergeht als in Bevölkerungsschichten mit hohem sozialem Status.
Generell sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch immer die häufigste Todesursache in Österreich. Der akute Herzinfarkt nimmt mit höherem Lebensalter an Häufigkeit zu.
Im Laufe der letzten zehn Jahre hat die Zahl der Todesfälle durch akuten Herzinfarkt deutlich abgenommen. Verantwortlich dafür ist die früh einsetzende Therapie: Die Verkürzung der Transportzeit des Herzinfarktpatienten in das Katheterzentrum um 60 Minuten hat zu einer Senkung der Sterblichkeit um 30 Prozent geführt!

MyoKard-Netzwerk Waldviertel

Ein Pilotversuch in Zusammenarbeit mit den Notärzten bringt tolle Ergebnisse – und soll auch auf andere Regionen ausgerollt werden.
Im Waldviertel gibt es sehr entlegene Gebiete, die für den Notarzt mitunter schwer zu erreichen sind bzw. von denen aus der Weg in eine anzufahrende Klinik weit und/oder unwegsam ist. Das Myokard-Netzwerk, ein Gemeinschaftsprojekt der Landes­kliniken Zwettl, Waidhofen/Thaya, Gmünd und Horn, bietet eine einheitliche und gemeinsame Vorgehensweise beim Myokardinfarkt.
„Sämtliche Notarztwagen von Waidhofen/Thaya, Zwettl, Gmünd und Horn sowie die Notarzteinsatzfahrzeuge von Raabs und Retz sind jetzt mit Telemetriegeräten ausgestattet, die es erlauben, die EKG-Daten der Patienten, die der Notarzt aufnimmt, an das jeweilige Zielkrankenhaus zu übertragen“, erklärt der Leiter der Abteilung Anästhesie und Intensivmedizin im Landesklinikum Waidhofen/Thaya, Prim. Dr. Harald Penz, der maßgeblich an der Entwicklung des Myokard-Netzwerks beteiligt war. „Damit ist es gelungen, die soge­nannte door-to-needle-time zu verkürzen, denn der kardiologische Spezialist in den Landeskliniken Krems oder St. Pölten kann dann schon entscheiden, wie in der Folge gehandelt werden muss.
Damit ist ein Weg eröffnet, auch entlegenste Gebiete des Waldviertels ohne geographische Nachteile in der Herzinfarktversorgung zu erreichen.“
Tatsächlich liefern die in den Notarztwagen installierten Lifepak-Geräte EKGs in einer hochqualitativen Form. Die Übertragung ist Web-basierend und dauert nicht länger als zehn Sekunden. Damit ist gewährleistet, dass es zu keiner wesentlichen Verzögerung durch den Übertragungsvorgang kommt.
In den Kliniken Krems und St. Pölten sind die Empfangsgeräte auf der Notfallstation bzw. auf der Intensivstation platziert, und unmittelbar vor der Übertragung wird zusätzlich telefonisch über die Notfallnummer, die in jedem Wagen eingespeichert ist, mit der Zielklinik Kontakt aufgenommen. „Das alles geht jetzt wirklich sehr schnell, und das neue System bringt vor allem auch Vorteile bei unklaren EKGs, denn manchmal ergeben sich für den Notarzt Fragen, bei denen es sich als günstig erweist, wenn man mit dem spezialisierten Kardiologen Rücksprache halten kann“, sagt der stv. leitende Notarzt in Waidhofen/Thaya, Dr. Kiril Kirilov.