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Helfer in schweren Zeiten

Onkologen sind die Spezialisten im Kampf gegen Krebs. Ein herausfordernder Beruf, der jahrelange medizinische Ausbildung und viel Spezialwissen erfordert.


FOTO: Gerald Lechner

Landesklinikum Krems
Mitterweg 10
3500 Krems
Tel.: 02732/9004-0
www.krems.lknoe.at

Krebs: eine Diagnose, die ihren Schrecken nicht verloren hat, trotz aller medizinischer Fortschritte. Die Diagnose und Behandlung ist oft komplex und schwierig – und erfordert viel Spezialwissen und gleichzeitig auch sehr viel Einfühlungsvermögen. Die Spezialisten dafür sind die Onkologen, die richtige Bezeichnung heißt Facharzt für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie. Diese Fachärzte diagnostizieren Krebserkrankungen, behandeln sie und betreuen die Patienten in der Rehabilitationsphase. Onkologen arbeiten jedoch auch in der Prävention von Krebserkrankungen. Ein herausfordernder Beruf mit vielen Höhen und leider auch Tiefen. Einer der renommiertesten Onkologen in Niederösterreich ist Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Pecherstorfer, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin 2 im Landesklinikum Krems. Onkologe ist er geworden, weil er keine Ausbildungsstelle als Augenarzt bekommen hat – und hat diese schicksalhafte Fügung nie bedauert: „Während meiner Turnuszeit hatte ich immer Angst vor der Onkologie, vor allem wegen der vielen Schicksale, die mit einer Krebserkrankung verbunden sind.“ Einige Jahrzehnte arbeitet er bereits in diesem Beruf, hat die rasante Entwicklung der Onkologie miterlebt. 1988 begann er seine Facharztausbildung im Lainzer Spital in Wien, wo es zu Beginn nur eine onkologische Ambulanz gab, dort wurden auch die ersten Chemotherapien in Österreich verabreicht. Pechers­torfer erinnert sich: „Vor den 1980er Jahren gab’s nur sehr vereinzelt onkologische Abteilungen, alles war im Aufbau.“ Auch das Zusatzfach Hämatologie und Onkologie gibt es erst seit 1996. Nach seiner Facharztausbildung habilitierte er im Wiener Wilhelminenspital, bevor er 2008 nach Krems wechselte. Dort leitete er einige Jahre den hämato-onkologischen Dienst und seit einigen Monaten nun die neugegründete Abteilung für Innere Medizin 2, in der die Bereiche Hämato-Onkologie, Gastroenterologie und Palliativmedizin beheimatet sind. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Fachabteilungen und die Einbindung des Palliativteams werden die Patienten bestmöglich und umfassend betreut und begleitet.

Umfassend & einfühlsam

Eine umfassende und einfühlsame Betreuung ist ein Muss, denn die Diagnose Krebs ist für jeden Betroffenen zuerst einmal ein Schock. Pro Jahr erhalten etwa 7.000 Menschen in Niederösterreich diese Schreckensdiagnose. „Hier gilt es, achtsam wertschätzend und einfühlsam zu sein, um den Patienten nicht noch mehr zu verunsichern“, sagt Pecherstorfer. „Wir arbeiten daher eng mit dem Palliativteam und den Klinischen und Gesundheitspsychologen zusammen.“ Sie gelten als Partner der Patienten, um sie bestmöglich zu stützen und zu unterstützen:
Wie kann die Patientin, der Patient mit ihrer/seiner Erkrankung leben und Kraft zum Gesundwerden sammeln? Wie kann man sich zurecht­finden in einer lebensbedrohenden Situation?

Am neuesten Stand des Wissens

In den NÖ Landeskliniken arbeiten die Ärzte und Therapeuten auf dem neuesten Stand des Wissens im Kampf gegen den Krebs – mit immer besseren Ergebnissen. Österreich hat sehr gute Standards in der Behandlung, mit Krebs lebt man hier länger als in anderen EU-Ländern, weiß Pechers­torfer: „Die Mortalitätsraten sind rückläufig, weil die Diagnosen früher gestellt und die Therapien immer besser werden.“

Möglichkeiten der Behandlung

Steht die Diagnose fest, erarbeiten die Onkologen eine individuelle Behandlungsstrategie. Je nach Lage, Größe und Art des Tumors gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Eine davon ist die Operation, bei der versucht wird, den Tumor zu entfernen und möglichst viel des umliegenden Gewebes zu erhalten. Bei der Radio- oder Strahlentherapie werden hochenergetische Strahlen an den Tumor geleitet, diese zerstören das Erbgut der Krebszellen, sodass diese absterben. Bei der medikamentösen Therapie, z. B. Chemotherapie, werden die Wirkstoffe, die Krebszellen zerstören (Zytostatika), in das Körpersystem eingebracht. Als größte Errungenschaft der letzten Jahre sieht Pecherstorfer in diesem Zusammenhang die Entwicklung von Antikörpern. Das sind Moleküle, die das Wachstum der Krebszellen hemmen können: „Damit steht uns eine neue Therapiemöglichkeit zur Verfügung. Im Gegensatz zu Zytostatika, die auch das gesunde Gewebe zerstören, greifen diese Antikörper nur die Krebszellen an.“ Ein weiterer bedeutender Schritt im Kampf gegen Krebs.

Dynamisches Fach

Die Onkologie ist ein dynamisches Fach: Es gibt immer mehr Medikamente und Methoden, um den Krebs zu bekämpfen, ständig wird weiter geforscht und Neues herausgefunden. „Das Wissen in diesem Fachbereich verdoppelt sich alle paar Jahre, man muss immer auf dem Laufenden bleiben“, sagt Pechers­torfer. Lebenslanges Lernen und ständige Fortbildung sind in diesem Beruf ein Muss. Wichtig ist laut Pecherstorfer auch die Teilnahme an klinischen Studien, um neue Medikamente unter strikten Bedingungen zu testen. Dies erfolgt nach einem strengen Zulassungsverfahren seitens der NÖ Landeskliniken-Holding und der NÖ Ethikkommission – und natürlich nur nach vollständiger Aufklärung und mit Einverständnis des Patienten. Klinische Studien sind enorm aufwändig, sagt der erfahrene Onkologe: „Ein eigenes Studienteam muss für die Durchführung und Dokumentation zur Verfügung stehen. Doch der Aufwand lohnt sich, denn diese Studien bringen uns in der Behandlung stetig weiter.“

Interdisziplinarität rettet Leben

Auch fächerübergreifende Zusammenarbeit kann Leben retten. Daher treffen sich in den NÖ Landeskliniken regelmäßig Experten unterschiedlicher Fachrichtungen– teils auch per Videokonferenz. In diesen sogenannten Tumorboards wird jeder neuerkrankte Krebspatient besprochen und die beste individuelle Behandlung festgelegt. Auch der NÖ Onkologie-Tag, den Pecherstorfer vor Jahren ins Leben gerufen hat, dient der fächerübergreifenden Zusammenarbeit: Jährlich informieren sich rund 150 Teilnehmer zu aktuellen Themen der Krebsforschung. Ein Wissensaustauch aus allen Fachdisziplinen, denn der Blick und Erfahrungsaustausch über Fachgrenzen hinweg hat sich bewährt und bringt den Patienten bessere Heilungschancen.

NÖ als Vorreiter

Generell tut sich viel in Niederösterreich im Kampf gegen den Krebs: In Wiener Neustadt entsteht mit MedAustron eines der modernsten Krebsbehandlungs- und Krebsforschungszentren der Welt. Weltweit existieren bisher nur drei derartige Ionentherapiezentren, erklärt Pecherstorfer: „MedAustron bringt einen riesigen Fortschritt in der Behandlung von Tumoren, die man noch nicht gewebeschonend bestrahlen kann.“ Und damit neue Hoffnung für tausende Patienten.
Ein weiterer Meilenstein ist die neugegründete Karl Landsteiner Universität für Medizinwissenschaften in Krems. Pecherstorfer war maßgeblich an der Entstehung des Lehrplans dieser neuen Universität beteiligt und damit auch an der Etablierung des Landesklinikum Krems als Universitätsklinik.
Er freut sich auf weitere Fortschritte und Neuerungen, denn „durch die Verbindung von Lehre mit Behandlung wird die Qualität weiter ansteigen.“ Auch St. Pölten und Tulln werden heuer noch zu Universitätskliniken.

Risikofaktoren ausschalten

Trotz aller Verbesserungen und Errungenschaften der Medizin darf man aber eines nicht vergessen, sagt Pecherstorfer: „Etwa ein Drittel der Krebspatienten stirbt. Fortgeschrittener Krebs ist oft nicht heilbar.“ Gegen einige Risikofaktoren kann man selbst etwas tun: Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, Sport und Bewegung ist eine gezielte Prophylaxe gegen Krebs. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat in ihrem Bericht „Physical Activity Guidelines“ nachgewiesen, dass tägliche moderate Bewegung das Krebsrisiko um 30 Prozent senken kann. Bei 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle ist das Rauchen schuld. „Viele schädliche Einflüsse wie etwa Rauchen kann man selber ausschalten“, mahnt der Onkologe zu einem gesünderen Lebensstil.
Eine Absage erteilt er jedoch manchen psycho-onkologischen Ansätzen, die eine schwere psychische Belastung als Ursache der Krankheit sehen: „Das ist absoluter Unsinn. Krebs entsteht nicht durch ungelöste Seelenkonflikte, sondern durch eine genetische Mutation, verursacht etwa durch Umwelteinflüsse, UV-Strahlung, ungesunden Lebensstil, Rauchen, Viren und einiges andere.“

Sinnvoller Beruf

Trotz vieler trauriger Schicksale ist Pecherstorfer gerne Onkologe: „Man muss versuchen, Distanz
zu den Patienten zu halten und braucht einen guten Ausgleich in seiner Freizeit.“ Für die Zukunft wünscht er sich, dass er weiterhin in seiner Arbeit aufgeht wie bisher, „denn sie ist etwas sehr Sinnvolles.“ Generell nimmt man von der Abteilung einen positiven Eindruck mit, die Ärztinnen, Ärzte und das gesamte Pflegepersonal sind konzentriert und gleichzeitig locker an der Arbeit, witzeln mit einigen Patienten und verbreiten eine angenehme Stimmung. Menschen mit viel Herz und Einfühlungsvermögen, die einem in schweren Zeiten zur Seite stehen.

Ausbildung zum Onkologen

Wer Onkologe werden will, muss eine lange und profunde medizinische Ausbildung absolvieren. An deren Beginn steht das Medizin-Studium an
einer Universität. Darauf folgt der Turnus, bei dem die Ärzte in Kliniken und Krankenanstalten das praktische Rüstzeug für ihren Beruf erlernen.
Anschließend folgt die sechsjährige Facharzt-Ausbildung für Innere Medizin: Ausgebildete Internisten belegen schließlich das Additivfach „Hämatologie und Onkologie“, in dem man sich höchst spezialisiertes Wissen über die Diagnostik, Therapie und Prävention von Krebs-Erkrankungen aneignet.

Was ist Krebs?

Was wir umgangssprachlich als Krebs bezeichnen, sind im medizinischen Sinn bösartige Tumore, die durch das unkontrollierte Wachstum entarteter Zellen entstehen. Während gesunde Körperzellen eine Art „innere Uhr“ in sich tragen, die Wachstum, Reife und Teilung, aber auch ihr Altern und Sterben bestimmen, ist bei Krebszellen dieser Mechanismus gestört. Sie entwickeln sich autonom, wuchern und bilden einen Verband entarteter Zellen.

Danke-Brief

Gaben Kraft und Zuversicht: das Team der Onkologie im Landesklinikum Krems, DGKS Renate Zehner, Dr. Enikö Meszaros, Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Pecherstorfer, DGKS Helga Lipp, und Klinische und Gesundheitspsychologin Mag. Eva-Marie Wessner

Ich hatte mich einer Chemotherapie am Landesklinikum Krems zu unterziehen und mein Dank gilt dem Team der Tagesklinik, das mich behandelt hat (Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Pecherstorfer, Dr. Enikö Meszaros, DGKS Renate Zehner und DGKS Helga Lipp). Durch ihre fachliche Kompetenz und freundliche Art haben sie mir den Aufenthalt, so weit als möglich, immer angenehm gemacht, ich wurde geradezu „verwöhnt“. Sie haben alle meine Fragen beantwortet, jeden medizinischen Behandlungsschritt erklärt und gingen auch auf meine individuellen Wünsche ein. Großer Dank gebührt auch Mag. Eva-Marie Wessner, die mich seit Beginn der Therapie bis heute psychologisch begleitet. Ihre individuelle und mitfühlende Betreuung gibt mir immer wieder Mut, Zuversicht und Hoffnung, die während der Behandlung zu schwinden drohte. Durch ihren Einsatz habe ich wieder mehr Lebensfreude zurückgewonnen. All diesen Personen danke ich mit voller Aufrichtigkeit!
W. A., Angern