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Heilsame Bewegung

Rückenschmerzen und/oder Gelenksprobleme gehören zu Ihrem Alltag? Gezielte Bewegung kann in vielen Fällen entscheidend helfen – auch neue Therapietechniken erzielen gute Erfolge.


foto: fotolia

Wir wissen es alle: Unser bewegungsarmer, oft körperfeindlicher Alltag ist eine der Hauptursachen für Volksleiden wie Rücken- und Gelenkschmerzen. Meinte man früher, dass das probate Mittel dagegen weitere Bettruhe und Schonung ist, so weiß man heute, dass gezielte Bewegung in vielen Fällen äußerst heilsam sein kann. Freilich nicht immer und vor allem nicht sofort, wie der Leiter der Orthopädie im Landesklinikum Mistelbach, Prim. Dr. Franz Menschik, betont: „Wir unterscheiden eine akute, eine subakute und eine chronische Schmerzphase. Ist der Schmerz akut, bleibt Schonung prioritär.“ Der Experte empfiehlt in dieser Phase in vielen Fällen auch die Einnahme entzündungshemmender, schmerzstillender und gegebenenfalls anderer spezieller Medikamente, denn: „Es geht darum, die ‚aufgeregte‘ Akutphase so rasch wie möglich ‚herunterzufahren‘. Oft spielen nämlich entzündliche Prozesse beim Schmerzgeschehen eine Rolle, und hier können Medikamente eine ausgezeichnete erste Hilfe sein.“

Was Bewegung kann

Bei subakuten, also klinisch weniger heftigen oder chronischen Rücken- und Gelenkschmerzen hingegen ist Bewegung ein ganz wichtiges Stichwort. Auch hier moniert der erfahrene Orthopäde eine wichtige Unterscheidung: „Rückenschmerzen sind oft durch eine schwache Muskulatur bedingt. Durch gezielte Bewegung kann und soll man Muskeln aufbauen, kräftigen und trainieren. Was Bewegung bei Gelenkschmerzen betrifft, so soll sie die Verteilung der Gelenkschmiere verbessern und die Einsteifung des Gelenks sowie das Schrumpfen der Gelenkskapsel verhindern.“

Moderne Rückenschmerztherapie

Wichtig und vor allem am effizientesten in der Bewegungstherapie ist daher eine Behandlung, die diese Unterscheidungen berücksichtigt und innovative Elemente integriert. „Die moderne Therapie von Rückenschmerzen zielt auch auf die sogenannte segmentale Stabilisation ab. Darunter versteht man die Sicherung einzelner Bewegungselemente der Wirbelsäule, sensibler Segmente also, die in die richtige Position gebracht werden, um so zum Beispiel die Bandscheibe zu schützen“, erklärt Menschik. Er weist auch darauf hin, dass es sich dabei nicht um typisches Krafttraining, sondern um das Üben von koordinativ anspruchsvollen Bewegungen handelt.

Innovative Therapietechniken

Neu in der Therapie von Schmerzen im Bewegungsapparat sind auch die sogenannten Faszientechniken. „Die einzelnen Muskeln sind von Faszien – Bindegewebsstrukturen – umgeben, die für Halt und Spannung sorgen, durch Über- und Fehlbelastungen oder Verletzungen aber verdrehen, verkleben oder sich verrenken können“, erklärt der Experte. „Die Faszientechniken sind darauf ausgerichtet, diese Veränderungen festzustellen und zu beheben – damit werden sehr gute Erfolge erzielt.“
Ebenfalls neu und vielfach erfolgreich ist laut dem Orthopäden die gepulste Magnetfeldtherapie. Vereinfacht gesagt wird dabei der Körper einer pulsierenden elektromagnetischen Energie ausgesetzt und damit der Zellstoffwechsel positiv beeinflusst. Dies verbessert die Durchblutung, und degenerativ verändertes oder entzündetes Gewebe kann so besser und schneller heilen.

Sie sind gefordert!

Sie sehen also: Die Wissenschaft steht nicht still, sondern ist in Bezug auf Volksleiden wie Rücken- oder Gelenkschmerzen ständig in Forschung begriffen. Spezifische Bewegung kristallisiert sich immer mehr als heilsames Element heraus. Sie selbst und Ihre Konsequenz sind dabei auch gefordert. „Wer öfter unter derartigen Beschwerden leidet, sollte sich von einem guten Physiotherapeuten beraten lassen. Oft sind es nur einige, wenige gezielte Übungen, die man sich zeigen lassen und dann selbständig regelmäßig durchführen kann“, sagt Menschik. „Am besten zwei Mal täglich für zehn Minuten, denn es geht um die ständige Wiederholung, die man idealerweise wie das Zähneputzen in seinen Alltag integrieren sollte.“

Prim. Dr. Franz Menschik, Leiter der Orthopädie im Landesklinikum Mistelbach

Landesklinikum Mistelbach
Liechtensteinstraße 67 2130 Mistelbach
Tel.: 02572/9004-0
www.mistelbach.lknoe.at