Heftiges Bauchweh – ein Alarmzeichen!
Mit dem Fahrrad zur Schule, die ersten Stunden wie immer, und dann plötzlich waren sie da: Bauchschmerzen, aber auch Ohren- und Kopfweh. Die Erstuntersuchung Lena Engelmeiers durch die Schulärztin ergab keine eindeutige Diagnose.

Schon wenige Tage nach ihrer Blinddarmoperation fühlt sich Lena wieder fit und hat ganz viele Fragen an Prim. Univ.-Doz. Dr. Erwin Hauser und DKKS Katja Pipek.
Mit ihrer Mama fuhr sie aber zur Sicherheit ins Landesklinikum Mödling. Die richtige Entscheidung, wie sich schon auf dem Weg zeigte: Die Schmerzen konzentrierten sich immer mehr auf den unteren Bauchraum und nahmen an Intensität deutlich zu. „Ein richtiges Stechen wie von einer Nadel war das, ich konnte gar nicht mehr gerade gehen“, erzählt Lena. Auf der Kinder- und Jugendabteilung untersuchte Prim. Univ.-Doz. Dr. Erwin Hauser die Elfjährige sofort, machte einen Ultraschall und ein Blutbild. Der Verdacht erhärtete sich: Blinddarmentzündung. Wie schnell es dann ging, erzählt Mama Isabella: „Keine halbe Stunde später war der Anästhesist da, und kurz darauf ging es auch schon in den Operationssaal. Wir hatten beide keine Zeit, aufgeregt zu sein!“
Beim Blinddarm kann es schleichend langsam über Tage, aber auch wie in Lenas Fall sehr schnell gehen. Innerhalb von nur fünf Stunden wurde die Blinddarmentzündung bei ihr akut. „Wenn ein Kind durch Bauchschmerzen so eingeschränkt ist, dass es nicht mehr aktiv ist, sondern vor Schmerzen lieber gekrümmt sitzt oder liegt, sollte man sofort ins Krankenhaus fahren!“, rät Kinderarzt Hauser.
Nun, zwei Tage später ist Lena schon wieder auf den Beinen, erledigt ihre Schulaufgaben und wirkt auf den ersten Blick sehr gesund. Bei der Nachkontrolle zeigt sie stolz die kleine, schon gut verheilende Narbe. Viele Fragen hat sie an den Arzt. Wann sie wieder turnen darf und wann es normales Essen gibt. Aber auch, ob die Schultasche nun zu schwer ist und ob die Narbe unter die Dusche darf. Bereitwillig gibt Experte Hauser Auskunft: „Bei vielen Dingen spüren Kinder recht gut, ob es ihnen gut tut. Aber es gibt natürlich Grundregeln. So sollte mit dem Turnen vier Wochen gewartet werden.“ Für Lena eine lange Zeit, ist sie doch begeisterte Sportlerin. Nach der Visite sitzt sie grübelnd auf ihrem Bett. Plötzlich macht sie sich auf den Weg zu DKKS Katja Pipek, Stationsleitung von „Kinder 3“. Denn eine Frage brennt ihr noch auf der Zunge: „Ist Radfahren auch Sport?“ Da muss die Kinderkrankenschwester lachen: „Was glaubst du, gehört es dazu?“ Mit einem kleinen Seufzer nickt Lena – aber einen Versuch war es doch wert ...
FOTOS: Gerald Lechner
Wann sind Bauchschmerzen gefährlich?
Ist ein Kind durch die Schmerzen in seinem Allgemeinzustand eingeschränkt, dann sollte sofort eine Klinik aufgesucht werden. Die alte Regel „Wer wegen der Bauchschmerzen nicht mehr vom Tisch springen kann, muss ins Krankenhaus“ erweitert Prim. Univ.-Doz. Dr. Erwin Hauser auf freies und spontanes Bewegen: Sitzen Kinder gekrümmt herum, sind geschwächt und können vor Schmerzen kaum gehen, dann deutet das auf eine Blinddarmentzündung bzw. eine andere schwere Erkrankung im Bauchraum hin. Kann das Kind noch herumhüpfen, dann spricht es dagegen. Wie intensiv die Bauchschmerzen sind, kann man beurteilen, indem man versucht, das Kind abzulenken: Mag es kuscheln oder im Lieblingsbuch lesen? Konzentriert es sich auf das Lieblingsspiel? All das schließt eine körperliche Ursache der Schmerzen eher aus.
Was ist eine Blinddarmentzündung?
Die Appendizitis, auch als Blinddarmentzündung bezeichnet, ist eine Entzündung des Wurmfortsatzes. Dieses Anhängsel des Blinddarms ist rund zehn Zentimeter lang und befindet sich im rechten Unterbauch. Eine Entzündung kann sowohl sehr schnell, innerhalb von wenigen Stunden, akut werden, aber sich auch über mehrere Tage entwickeln.
Wie sind die typischen Schmerzen und wann treten sie auf?
Die Schmerzqualität kann sehr unterschiedlich sein und auch im Verlauf der Krankheit wechseln. Häufig wird von stechenden Schmerzen berichtet. In manchen Fällen erzählen Patienten von Bauchschmerzen, die kommen und wieder gehen, sich aber nach einigen Tagen verstärken. Zu Beginn liegen sie oft in der Gegend rund um den Bauchnabel, später konzentrieren sie sich oft im rechten Unterbauch, der zunehmend druckempfindlicher wird.
So unterschiedlich die Schmerzen auch sind, sie sind das wichtigste Zeichen einer Blinddarmentzündung. Bei der Untersuchung lokalisiert sie der Arzt möglichst genau. Zusätzlich helfen noch die Messung der Körpertemperatur, Blutbild und Ultraschall bei der Diagnose. Es gibt aber keine Untersuchung, die mit Sicherheit eine Blinddarmentzündung bestätigen oder ausschließen kann.
Gerade bei kleinen Kindern ist es oft schwierig, die Schmerzen genau zu lokalisieren. Auch bei anderen Erkrankungen wie Lungenentzündung, Migräne oder Halsschmerzen klagen sie über Bauchschmerzen. Hier liegt der Schmerz aber meist in der Gegend rund um den Nabel.
Woran sollte man noch denken?
Kommt ein Kind vom Spiel im Garten herein und klagt über Übelkeit oder Erbrechen, könnte eine Vergiftung dahinterstecken. Fragen Sie in Ruhe nach, ob es etwas gekostet hat. Ist dies der Fall, muss man sofort ins Krankenhaus!
Die sogenannte Bauchgrippe geht meist mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall einher, gerne in dieser Reihenfolge. Die Schmerzen sind eher krampfartig. Häufig tritt Fieber auf.
Zahlreiche andere Erkrankungen wie Diabetes, Bauchspeicheldrüsenentzündung oder ein Darmverschluss können die Ursache von heftigen Bauchschmerzen sein. Eines gilt immer: Unbedingt abklären lassen!
Im harmlosen Fall ist eine Verstopfung Ursache der Schmerzen. Fragen Sie Ihr Kind, wann es das letzte Mal Stuhl hatte. Achten Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung, viel Bewegung und ausreichendes Trinken.
Chronische Bauchschmerzen müssen auch in Hinblick auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Allergie abgeklärt werden.
Finden sich keine organischen Ursachen der Bauchschmerzen, sollte man an psychosomatische Schmerzen denken – häufig sind es chronische Schmerzen, die an bestimmte Situationen gebunden sind. Die Symptome ernst nehmen und abklären lassen ist auch hier sehr wichtig. Psychosomatische Bauchschmerzen verdienen ebenso die volle Aufmerksamkeit.




