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„Häuser zum Leben“

Passivhaus oder Altbau, bauen oder sanieren? Ersteres ist oft energiesparender, letzteres meist zentrumsnäher. GESUND&LEBEN sprach mit Dr. Herbert Greisberger, Geschäftsführer der Energie- und Umweltagentur NÖ, über Vor- und Nachteile.


Foto: Fotolia

G&L: Was bietet sich für Bauinteressenten in NÖ eher an: Sanierung oder Neubau?
Greisberger: Das hängt zunächst einmal von den Vorraussetzungen des Interessenten ab. Wer ein Haus erbt, wird vielleicht eher sanieren, wer im Lotto gewinnt, vielleicht eher an den Neubau denken. Da gibt es keine pauschale Antwort.

G&L: Welche Vorteile hat die Sanierung und welche der Neubau?
Greisberger: Wenn Sie ein bestehendes Gebäude kaufen, wissen Sie natürlich nicht, welche Mängel dieses Gebäude aufweist. Das ist beim Neubau nicht der Fall. Da können Sie auch gleich Ihre eigenen Vorstellungen verwirklichen, Sie müssen zum Beispiel nicht die bestehende Raumteilung übernehmen. Dafür haben Neubausiedlungen oft etwas Künstliches. In Bestandssiedlungen hat sich meist schon ein gewisses Leben eingespielt. Altbauten liegen zudem fast immer zentraler und sind besser in die lokale Infrastruktur eingebunden.

G&L: Bleiben wir noch bei der Sanierung: Worauf sollte man beim Kauf eines Altbaus achten?
Greisberger: Sie sollten auf jeden Fall darauf achten, dass das Haus trocken ist, das ist das A und O. Dann müssen Sie nach Baumängeln suchen. Gehen Sie das Gebäude einmal durch und klopfen Sie die Wände ab. Schauen Sie auch, wie die Fenster beschaffen sind. Viel sieht man schon bei der ersten Inspektion. Fehler sind oft da, wo man sie am wenigsten vermutet: etwa im Keller oder auf dem Dachboden. Fast immer würde ich empfehlen, einen Experten hinzuzuziehen.

G&L: Stichwort Energieverbrauch: Kann ein saniertes Gebäude mit einem Neubau mithalten?
Greisberger: Da müssten Sie schon einiges Geld in die Hand nehmen. Schon alleine weil alte Häuser aus ganz anderen Materialien gebaut sind als neue: In den 70er oder 80er Jahren hat man eben leider noch nicht so sehr auf Energieersparnis geachtet wie heute.

G&L: Was spricht noch für den Neubau?
Greisberger: Sie planen den Neubau wirklich von der Pike auf, da können Sie alles entscheiden: Ob Sie große oder kleine Fenster wollen, ob das Wohnzimmerfenster nach da oder dort schauen soll, ob Sie diese oder jene Heizkörper wollen etc. Man kann auch selbst mit dem Architekten planen. Energietechnisch sind Neubauten natürlich auf einem viel höheren Niveau.

G&L: Wie sieht das Ganze kostentechnisch aus: Ist längerfristig der sanierte Altbau oder der Neubau günstiger?
Greisberger: Wenn man es einmal völlig „neu­tral“ betrachtet, ist natürlich der Neubau energieeffizienter und kostet auf längere Sicht weniger. Aber wenn Sie andererseits einen billigen Neubau mit einem hochwertig sanierten Altbau vergleichen, kann auch der Altbau besser abschneiden. Neubauten liegen außerdem oft auf dem Land: Da brauchen Sie ein Auto. Wenn Sie jeden Tag die Kinder in die Schule bringen und abholen müssen, kann das auch teuer werden, abgesehen vom Zeitaufwand. Dann ist natürlich auch die Gebäudegröße eine wichtige Frage. Weniger Fläche bedeutet weniger Energieverbrauch, geringeren Materialaufwand.

G&L: Was sind die häufigsten Fehler beim Kauf eines Neubaus oder bei der Sanierung eines Altbaus?
Greisberger: Oft spart man beim Neubau bei den Details. Da merken Sie oft zum Schluss: Das wird doch wesentlich teurer, als Sie gedacht haben. Dann haben Sie aber das Grundstück schon gekauft, die Wände stehen und Sie müssen versuchen, am Ende doch noch irgendetwas einzusparen. Dann kaufen Sie vielleicht eine günstigere Heizung oder doch nicht so
viel Dämmung. Das gilt übrigens nicht nur für Privathäuser, sondern etwa auch für Büro­gebäude.

G&L: Was gibt es an Förderungen?
Greisberger: Die Höhe der Förderungen des Landes Niederösterreich orientiert sich an der energetischen Qualität des Gebäudes. Es gibt sowohl für Neubau als auch für die Sanierung Zuschläge. Man sollte die Entscheidung für das eine oder andere aber nicht von der Förderung abhängig machen: Schauen Sie, was Ihnen gefällt. Fahren Sie etwa ins Passivhausdorf nach Großschönau (www.sonnenplatz.at) oder gehen Sie einmal in eine Passivhaussiedlung, dann sehen Sie, ob Ihnen das zusagt. Man kauft schließlich Häuser zum Leben und nicht, um energieeffizient zu sein.

G&L: Was sollte für mich als Laie der erste Schritt sein, wenn ich mich einmal für Neu- oder Altbau entschieden habe?
Greisberger: Besuchen Sie Seminare. Da lernen Sie, warum man nach Süden baut, dass Süden dort ist, wo die Satellitenschüssel hinschaut usw. Dann sind Sie auch nicht darauf angewiesen, dass Sie glauben, was andere sagen. Wenn Sie beispielsweise mit einem Architekten arbeiten, schauen Sie, was er bisher gemacht hat. Wenn Ihnen das nicht gefällt, dann wird Ihnen das, was er für Sie plant, auch nicht zusagen. Holen Sie sich Referenzen ein, auch bei anderen Kunden. Nehmen Sie sich Zeit, es geht immerhin um eine große Entscheidung. Und ein Kursus für Gelassenheit ist auch nicht falsch. Man braucht einen langen Atem und viel Geduld und Durchhaltekraft.

Informationen:
Energie- und Umweltagentur NÖ (ENU) – Energieberatung, Tel.: 02742/22144, www.energieberatung-noe.at, www.enu.at, www.noel.gv.at

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