Gesunde Angebote in den Gemeinden
Johanna Mikl-Leitner, neue Stellvertreterin von Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll und auch neue Chefin des NÖ Gesundheits- und Sozialfonds, sieht Gesundheit als Thema, das sich durch alle ihre Arbeitsbereiche zieht.
Frau Landeshauptmann-Stellvertreterin, Sie sind seit ein paar Wochen zurück in Niederösterreich. Wie geht es Ihnen dabei?
Johanna Mikl-Leitner: Meine Rückkehr in die Landesregierung war ein lange gehegter Wunsch. Es erfüllt mich mit großer Freude, wieder hier, an der Seite von Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, Verantwortung übernehmen zu dürfen.
Wie sehen Sie das Land und die Arbeit für das Land im Vergleich zur Arbeit im Bund?
Was ich immer deutlich wahrgenommen habe, auch als Innenministerin, ist die Führungsposition Niederösterreichs. Das Land ist einfach vorn, in
vielen Dingen. Hier will man etwas für die Menschen bewegen, Dinge verbessern, Neues anstoßen. Viele Menschen tragen diese Haltung mit, sind innovativ, mutig, offen für Veränderungen, ziehen an einem Strang. Nehmen wir zum Beispiel die NÖ Landeskliniken-Holding: Niederösterreich hat als erster Klinikbetreiber regelmäßige Patientenbefragungen eingeführt. Das machen mittlerweile viele andere Einrichtungen ebenfalls. Niederösterreich war 2012 das erste Bundesland, das das Ärztearbeitszeitgesetz in den Kliniken umgesetzt hat. Andere Länder kämpfen teilweise bis heute damit. Niederösterreich arbeitet mit den Nachbarländern in vielen Bereichen der Gesundheitsversorgung zusammen – zum Beispiel mit Healthacross im Landesklinikum Gmünd, ein bereits mehrfach ausgezeichnetes Projekt. Niederösterreich hat schon vor Jahren gemeinsam mit großen Kliniken in Deutschland die laufende Messung der Ergebnisqualität aus Routinedaten entwickelt. Auch dieses System hat der Bund übernommen.
Das alles sind Themen, die Ihr Vorgänger gesetzt hat, als er noch für die NÖ Kliniken zuständig war.
Hier geht ein ganz großes Danke an den jetzigen Innenminister Mag. Wolfgang Sobotka, der mit dem Zusammenführen der Krankenhäuser unter dem Dach der NÖ Landeskliniken-Holding viele Meilensteine in Sachen Qualität und vor allem Nachhaltigkeit in der NÖ Gesundheitsversorgung gesetzt hat.
In einem Interview haben Sie drei Schwerpunkte Ihrer Arbeit in Ihrer neuen Funktion genannt: Gemeinden und Städte, Arbeit und Beschäftigung und das Thema Wohnen. Sie haben die Arbeitsbereiche von Wolfgang Sobotka übernommen und damit auch die Leitung des NÖ Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS) mit einem Jahresbudget von zwei Milliarden Euro. Wie passt das Thema Gesundheit zu Ihren Schwerpunkten?
Das Thema Gesundheit ist für mich zentral und zieht sich durch alle meine Schwerpunkte: Die Gemeinden sind der Ort, wo die Menschen leben, wo sie zu Hause sind. Daher muss es auch die Angebote für die Menschen in den Gemeinden geben. Zum NÖGUS gehört die Initiative »Tut gut!«, die seit vielen Jahren die Gemeinden durch das Projekt »Gesunde Gemeinde« unterstützt. Hier arbeiten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger ehrenamtlich mit, um Gesundheitsimpulse direkt vor der Haustür anzubieten – ein beeindruckendes Projekt, das es bereits in 389 der 573 niederösterreichischen Gemeinden gibt. Ein ganz großes Anliegen ist mir die Stärkung der Hausärzte als Gesundheitsmanager in den Gemeinden. Viele von ihnen sind übrigens auch in den »Gesunden Gemeinden« aktiv. Hausärzte kennen die Familiengeschichten und sollten die Gesundheits-Drehscheibe für die Menschen sein.
Auch die NÖ Landeskliniken-Holding gehört durch ihre Finanzierung zum NÖGUS.
Für sie ist Landesrat Mag. Karl Wilfing zuständig und die enge Kooperation zwischen NÖGUS und Holding ist mir ein großes Anliegen. Gemeinsam werden wir uns auch um den Ärzte-Nachwuchs bemühen. Dafür hat der NÖGUS zum Beispiel die Praktikums-Datenbank entwickelt. Die Karl Landsteiner Privatuniversität in Krems, mitinitiiert vom Land NÖ, ist dabei auch eine Unterstützung. NÖGUS und Holding kooperieren in zahlreichen Projekten. Ein großes gemeinsames Thema ist auch die Qualifikation und Akademisierung der Pflege.
Kommen wir noch einmal zu Ihren Schwerpunkten – zum Thema Arbeit.
Das Gesundheitssystem ist ein riesiger Arbeitgeber, die NÖ Kliniken beschäftigen über 20.500 Menschen, bieten ihnen sichere Arbeitsplätze in den Regionen. Wichtig ist mir auch die Gesundheit am Arbeitsplatz. Die Initiative »Tut gut!« unterstützt Betriebe und Gemeinden durch ihr Projekt zur betrieblichen Gesundheitsförderung (mehr auf Seite 14). Der NÖGUS hat am 28. Februar den Vorsorgepreis mit neun Siegerprojekten verliehen – übrigens auch an Gemeinden, Kliniken und private Arbeitgeber. Sie sehen, das hängt alles eng zusammen.
Wo im Bereich Gesundheit werden Sie weiterarbeiten?
Hier laufen viele verschiedene Initiativen und Projekte bereits wirklich gut – jetzt gilt es, sie weiterzuführen, zu schärfen und anzupassen, wo Bedarf besteht. Wer mich kennt, weiß, dass ich schnell zur Sache komme, klar bin in den Entscheidungen und menschlich-sozial im Umgang. Die Menschen stehen für mich immer im Mittelpunkt.
Medizinische Qualität messen
Die Qualität der medizinischen Leistungen zu messen – und das so, dass man die Ergebnisse mit anderen Einrichtungen und Ländern vergleichen kann –, ist extrem wichtig für jedes Klinikum. Die NÖ Landeskliniken-Holding entwickelte deshalb Qualitätsindikatoren, die sich mit jenen von Kliniken der Schweiz und Deutschland vergleichen lassen. Diese Indikatoren nutzen seit 2009 Daten, die routinemäßig bei allen Behandlungen erstellt werden. Das System wurde ab 2011 bundesweit übernommen. Zeigen sich bei einer Abteilung schlechte Werte, wird diese von Primarärzten aus einem anderen Klinikum untersucht. Voneinander zu lernen war für viele Ärzte anfangs ein schwieriges Thema, mittlerweile werden diese sogenannten „Peer Reviews“ auch bundesländerübergreifend genutzt, um in allen Kliniken höchste Behandlungsqualität sicherstellen zu können.
Angebote der »Gesunden Gemeinden«
Gesundheitsvorsorge in der eigenen Gemeinde wurde seit 1995 in mittlerweile 389 NÖ Gemeinden zur Gewohnheit: Mit Unterstützung der Initiative »Tut gut!« durch Beratung, Hilfe bei der Organisation und mit finanziellen Mitteln versuchen engagierte Personen aus der Gemeinde das Gesundheitsbewusstsein zu verstärken. Das von der Initiative »Tut gut!« vermittelte Angebot für Gemeinden orientiert sich an der Schaffung gesundheitsfördernder Lebensbedingungen mit dem Ziel, die gesundheitliche Eigenverantwortung der Bevölkerung zu stärken. Wichtig ist dabei die Qualität der Angebote, die durch die regionalen Betreuerinnen der Gemeinden mitgestaltet wird.
Informationen: www.noetutgut.at
NÖ Gesundheits- und Sozialfonds
Der NÖ Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS) ist die strategische Leit- und Koordinationsstelle im niederösterreichischen Gesundheitswesen. Die Aufgaben des NÖGUS sind Planung, Steuerung, Finanzierung und Qualitätssicherung der Gesundheitsversorgung in Niederösterreich. Bei der Gesundheitsreform agiert der NÖGUS ebenso als Drehscheibe wie bei der Aus- und Weiterbildung nichtärztlicher Gesundheitsberufe, Entwicklung von Kennzahlensystemen im Gesundheitsbereich und grenzüberschreitende EU-Projekte mit Nachbarregionen.
1996 gründete die NÖ Landesregierung den NÖGUS, weil die Finanzierung der Krankenanstalten aus der Bundeskompetenz auf die Länder übertragen wurde. 2005 übernahm das Land NÖ zwölf Gemeinde-Krankenhäuser, die NÖ Landeskliniken-Holding ist seither für die Führung, die Errichtung und den Betrieb aller NÖ Kliniken verantwortlich. Seit 2008 sind alle 27 Krankenhäuser in NÖ unter dem Dach der NÖ Landeskliniken-Holding zusammengefasst.
Der NÖGUS bleibt für die Finanzierung aller Krankenanstalten sowie für die Steuerung und Planung des NÖ Gesundheitswesens zuständig. Für die Qualitätssicherung in den Kliniken wird gemeinsam mit der NÖ Landeskliniken-Holding Sorge getragen.
Informationen: www.noegus.at





